Bild: Stephan Bonaventura

„Ich beginne meine Reise durch den Horrorparkours. Es ist neblig, sehr neblig. Die Außentemperatur mild, mein Körper eher kühl und in Erwartung auf Schreckliches. Durch das Schwarz der Nacht drücken sich knalligfarbene Neonlichter in mein Sichtfeld.

Bild: Stephan Bonaventura

Es dauert keine zwei Minuten und der erste Schreck fährt mir in die Glieder als von der Seite ein Zombie über mich herfällt und mit einer Mischung aus unmenschlichem Geschrei die räumliche Stille durchbricht. Im schwachen Licht sehe ich gerade noch wie es die Reste einer blutigen Hand abnagt und die blutgetränkten Augen nach mehr lechzen.

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Es geht weiter durch enge Gänge, oft muss ich mich langsam vortasten, dann kommt ein blitzendes Licht. Kerzen pflastern eine Treppe und während ich sie besteige, höre ich von weitem Schreie und monströses Fauchen. Der Weg nach vorne wird in der Geräuschkilisse von einer unheimlichen Kindermusik abgelöst. Eine Spieluhr geht im Takt während ich auf einen kugelförmigen Raum zusteuer. Mitten im Dunkeln stoße ich fast mit einer wie verstarrten Wegweiserin zusammen. Sie ist blassweiss, wie untot und sie zeigt keine Regung und Emotion. Jetzt ist aber klar wo entlang man muss.

Bild: Stephan Bonaventura

Plötzlich ist sie da – die Gebärende. Sie kriecht hinter mir her auf dem sandigen Boden und schleppt sich elendig blutend in den Sessel, der in einer Ecke zwischen Kerzen für sie bereit steht.

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Nur einige Meter weiter wird es dann wieder dunkler. So dunkel, dass man irgendwie schon ein wenig die Orientierung verliert, aber die leichten Neonlichter im dichten Nebel weisen die Richtung. Sekunden danach vernehme ich Schreie, sie müssen von einem Dämon oder ähnlichen Gestalt stammen.

Bild: Stephan Bonaventura

Sie kommen auf mich zu – laut, unwerwartet und schnell. Vertreiben lassen sie sich nur schwer, ich flüchte schnell in den nächsten Gang und steuere geradewegs in eine noch wesentlich intensivere Geräuschkulisse.

Bild: Stephan Bonaventura
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Hier vermengt sich das Grunzen wilder Bestien mit dem Gebell von Werwölfen. Meine Vermutung ist richtig. Unerwartet taucht nur Zentimeter neben mit eine Horrorgestalt auf, die tatsächlich ordentlich meinen Herzrhythmus aus dem Gleichgewicht bringt. Der Gruppe, die neben mir entlang läuft, geht es nicht anders, wir suchen ganz schnell das Weite. Auftrag erfüllt.

Bild: Stephan Bonaventura
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Zeit zum Erholen habe ich nicht wirklich. Der Parkours führt durch einen niedrigen Höhlengang mit Gittersicherung an der linken Seite. Als ich daran vorbeilaufe platzt ein Baseballschläge an das Gitter und scheppert in meinen Ohren. In der Hand hält ihn ein Untoter, der gelungen auf sich aufmerksam gemacht hat.

Bild: Stephan Bonaventura
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Dann wieder etwas Licht im Nebel, es zeigt in einen langen Gang an dessen Ende hinter heller Folie die Schatten von sich bewegen Körpern zu erkennen sind. Es wirkt als wollten sie mir signalisieren, dass sie befreit werden wollen. Doch wie und wieso? Die Lösung wartet um die Ecke, dort stoße ich auf den OP-Saal vom Doktor des Schreckens.

Bild: Stephan Bonaventura

Ich höre Kettensägen und quälende Schreie. Als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, erscheint er vor mir, im blutüberströmten Arztkittel, in der Hand eine Fleischeraxt. Was er angerichtet hat, offenbart sich als die kleinen Lichter meinen Augen den Weg zum OP-Tisch frei machen. Dort liegt eine frisch zugerichtete Frau, die dem Doktor zum Opfer gefallen ist.

Ich mache mich aus dem Staub und komme durch einen helleren Gang wieder zum Anfang meines Rundgang zurück. Hier endet das Halloweenspektakel – am liebsten wäre ich noch ein zweites Mal durchgelaufen. Doch fürs Erste ist meine Erwartung voll und ganz erfüllt. Nächstes Jahr gerne wieder.“

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