Foto: Martin Baus / Siebenpfeiffer-Stiftung

Das neue Saarpfalz-Jahrbuch für 2017 macht auf mit einer Reminiszenz an die einstige Punk-Kneipe am Ortsrand von Rohrbach. So manche wehmütige Erinnerung hängt an der „herrlich versifften“ Lokalität, die zu Beginn der 1980er-Jahre das Mekka der damals neuen Jugendbewegung war. In dieser Kaschemme hatten die blutjungen Toten Hosen erste frühe Auftritte – neben Legenden wie den UK Subs, The Stingrays und der Walter-Elf.

Erfrischend richtet der Heimatforscher Karl Abel in seinem Beitrag für das neue Jahrbuch die Scheinwerfer auf eben jene ausrangierte Tankstelle vis-à-vis der Rohrbacher Melfor-Essigfabrik. Auf der Wiese neben der „Toten Hose“ trafen sich demnach saarpfälzische Punker und Gastmusiker zum Fußballspielen, wie Fotos im Saarpfalz-Almanach belegen. Langbeinig und hochspringend immer mittendrin am Ball: Sänger Campino von den Toten Hosen. Die sind längst weltberühmt, Kneipe und Bolzplatz indes längst passé. Heute stehen – quasi als zeitgenössischer Realpunk – Discounter an jener denkwürdigen Stätte am Rohrbacher Ortsausgang nach St. Ingbert.
Kloster Gräfinthal als Titel: Das neue Saarpfalz-Jahrbuch 2017 Foto: Martin Baus / Siebenpfeiffer-Stiftung
Kloster Gräfinthal als Titel: Das neue Saarpfalz-Jahrbuch 2017
Foto: Martin Baus / Siebenpfeiffer-Stiftung
Selbstverständlich kommt in der nunmehr 13. Ausgabe des Saarpfalz-Jahrbuchs auch die „übliche“ Regionalhistorie nicht zu kurz. So berichtet Doris Grieben von der letzten öffentlichen Hinrichtung in Zweibrücken 1862: Damals endete der Uhrmacher Friedrich Rösch unter dem Fallbeil. Er war wegen Raubmordes seiner Wittersheimer Verlobten zu Liebe zum Tod verurteilt worden. Ein weiterer Beitrag, verfasst von Martin Baus – ihm oblag auch die Redaktionsleitung für das Jahrbuch – führt in Text und Bild die Spuren auf, die die einstige Bayern-Herrschaft (1816-1919) in der Saarpfalz hinterlassen hat: Vom „Bayerischen Kohlhof“ über die Maxsäule in Blieskastel und die St. Michaelskirche in Homburg führt sein Artikel hin zu den späten Verwaltungsgebäuden dieser Zeit – Wie rasant sich Niederbexbach vom Kuhdorf zum Pferdedorf wandelte, ist das Thema von Horst Imbsweiler, und Günter-Otto Baus (Waldmohr) zeichnet jene Zeit nach, in der Homburg das globale Zentrum der Champagnerflaschenproduktion war. Jutta Schwan räumt mit dem Vorurteil auf, dass sich die Körperhygiene der feinen Gesellschaft der Barockzeit aufs eifrige Parfümieren beschränkte: In ihrem Jahrbuch-Beitrag weist die Historikerin nach, dass Herzog Karl II. August beim Bau seines Prunkschlosses auf dem Karlsberg Toiletten eben nicht vergessen hat.
Landrat Theophil Gallo zeigte sich bei der Vorstellung sehr erfreut darüber, dass so viele der Autoren den Weg in die Kirkeler Arbeitskammer auf sich genommen hatten. Das Jahrbuch, das der Saarpfalz-Kreis seit 2005 herausgebe, sei ein wichtiges Puzzleteil der saarpfälzischen Identität und finde auch weit über die Kreisgrenzen hinaus Zuspruch. En detail vorgestellt wurde das „saarpfälzische Kaleidoskop“ von Gertrud Fickinger, der Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung in der Region.
Das Saarpfalz-Jahrbuch 2017, 216 Seiten stark, ist ab sofort für sechs Euro im Buchhandel erhältlich. Es enthält vierzig Beiträge zu Kunst, Kultur, Landschaft, Geschichte, und das stets mit regionalen Bezügen. Gedichte sowie ein mit Fotos aus allen saarpfälzischen Städten und Gemeinden illustriertes Kalendarium 2017 fehlen nicht. Weitere Infos dazu gibt es beim Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises, Tel.06841/104-8409, Email: Ute.Klosendorf@saarpfalz-kreis.de.
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