Rund 1,75 Milliarden Euro stellt der Bund bereit, um bis 2029 insgesamt 90.000 Hektar Moorflächen in Deutschland wiederzuvernässen – bei Förderquoten von bis zu 100 Prozent. Doch während andernorts bereits Projekte anlaufen, passiert im Homburger Königsbruch nach Einschätzung des BUND viel zu wenig. Die Regionalgruppe Bliesgau des Umweltverbands geht nun mit deutlicher Kritik an die Öffentlichkeit und nimmt sowohl die saarländische Landesregierung als auch die Stadt Homburg ins Visier.
Das Königsbruch, ein Moorgebiet im Stadtgebiet von Homburg, könnte nach Überzeugung des BUND zu einem Vorzeigeprojekt für Klima-, Natur- und Wasserschutz im Saarland werden. Stattdessen drohe das Areal weiter auszutrocknen und dabei klimaschädliches CO₂ freizusetzen. Zwar werde derzeit ein hydrogeologisches Gutachten erstellt, doch die Sorge ist groß, dass auch dieses Gutachten folgenlos bleibt. „Seit Jahren wird geprüft, diskutiert und bewertet. Gleichzeitig trocknen die Moorflächen weiter aus und setzen CO₂ frei. Diese Verzögerungspolitik ist klimapolitisch nicht mehr vertretbar“, erklären die Sprecherin und der Sprecher der Regionalgruppe, Katrin Lauer und Adam Schmitt.
Mit dem neuen Förderprogramm des Bundes sehen die beiden Umweltschützer sämtliche Ausreden entkräftet. „Spätestens jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Die fachlichen Grundlagen liegen vor, die Finanzierung ist gesichert – was fehlt, ist der politische Wille zur Umsetzung“, betonen Lauer und Schmitt. Ihre Fragen an die Verantwortlichen sind konkret: Was genau unternehmen Land und Kommune, um die einmalige Förderkulisse zu nutzen? Wo sind die konkreten Projekte für das Königsbruch? Und warum gibt es bislang keine sichtbare Umsetzungsstrategie? Homburg stehe dabei besonders in der Pflicht, denn die Stadt verfüge mit dem Königsbruch über ein Gebiet mit erheblichem Potenzial für den Moorschutz.
Der BUND verweist darauf, dass Vorschläge keineswegs neu sind. Bereits Ende 2022 habe die Regionalgruppe dem damaligen Umweltministerium unter Leitung von Petra Berg einen konkreten Ansatz vorgelegt, den Moorschutz systematisch im saarländischen Klimaschutzgesetz zu verankern und mit dem Königsbruch als Startgebiet zu beginnen. Dass solche Initiativen bislang nicht konsequent aufgegriffen worden seien, nennen Lauer und Schmitt angesichts der aktuellen Herausforderungen „nicht nachvollziehbar“. Andere Regionen gingen bereits voran, das Saarland und Homburg drohten den Anschluss zu verlieren.
Auch rechtlich wächst nach Einschätzung des Umweltverbands der Druck auf die politisch Verantwortlichen. Die gesetzlich verankerten Klimaziele – 65 Prozent Emissionsminderung bis 2030 und Klimaneutralität bis 2040 – gelten auch für das Saarland und seine Kommunen. „Diese Ziele sind keine unverbindlichen Absichtserklärungen, sondern verpflichtend“, stellen die beiden Sprecher klar. Als Beispiel verweisen sie auf die aktuelle Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen Bayern. „Unzureichender Klimaschutz bleibt nicht ohne Konsequenzen. Politisches Zögern kann rechtlich überprüft werden“, warnen Lauer und Schmitt.
Welche Maßnahmen im Königsbruch aus Sicht des BUND prioritär umgesetzt werden müssten, liegt nach eigener Darstellung längst auf dem Tisch: Entwässerungsgräben konsequent verschließen, Wasser in der Fläche halten statt abzuleiten, keine weitere Ausweitung der Grundwasserentnahme und die Entwicklung konkreter Projekte zur Wiedervernässung und nassen Nutzung. All das sei vergleichsweise schnell realisierbar, sofern der politische Wille vorhanden sei.
Der Umweltverband kündigt an, die Aktivitäten von Land und Kommune künftig kritisch zu begleiten. „Mit dem neuen Förderprogramm sind die Voraussetzungen so gut wie nie. Wenn jetzt weiterhin nichts passiert, ist das kein Mangel an Wissen oder Geld – sondern ein politisches Versagen“, formulieren Lauer und Schmitt unmissverständlich. Man werde genau hinschauen, ob den Ankündigungen endlich Taten folgten.




















