Wer heute den Weg zum Bahnhof, zur Verabredung oder ins Grüne sucht, greift zum Smartphone. Die gefaltete Papierkarte im Handschuhfach hat dagegen weitgehend ausgedient – und mit ihr die Fähigkeit, sie überhaupt noch zu lesen. Nur drei von zehn Menschen in Deutschland trauen sich zu, sich mit einer gedruckten Karte gut zurechtzufinden. Das zeigt eine repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom, für die 1.006 Personen ab 16 Jahren befragt wurden.
Genauer gesagt schätzen elf Prozent ihre Fähigkeiten im Umgang mit Papierkarten als sehr gut ein, weitere 19 Prozent als eher gut. Auf der anderen Seite stehen jene 19 Prozent, die sich eher schlecht orientieren könnten, sowie 17 Prozent, die sich das nur sehr schlecht zutrauen. Bemerkenswert ist eine weitere Gruppe: Gut ein Viertel der Befragten konnte die eigene Kompetenz gar nicht einschätzen – vermutlich, weil sie noch nie mit einer analogen Karte unterwegs waren.
Wie sicher sich jemand mit einer Karte aus Papier fühlt, ist auch eine Frage der Generation. Unter den 16- bis 29-Jährigen trauen sich nur 20 Prozent zu, damit gut voranzukommen. Bei den Menschen ab 65 Jahren sind es mit 41 Prozent mehr als doppelt so viele. Trotz dieses Gefälles hält eine deutliche Mehrheit die analoge Orientierung weiterhin für unverzichtbar: 61 Prozent finden, dass man auch heute noch lernen sollte, sich im Zweifel mit einer Papierkarte durchzuschlagen.
Denn der Rückgriff auf das Digitale hat seine Grenzen. „Digitale Navigation hat unseren Mobilitätsalltag wesentlich vereinfacht. Navigationsapps sind auf dem Smartphone oder im Auto jederzeit verfügbar, berücksichtigen aktuelle Verkehrsinformationen und berechnen in Sekunden die passende Route“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Trotzdem kann es in Einzel- oder Notfällen helfen, sich auch ohne digitale Navigation orientieren zu können. Ist der Akku leer oder sind die Netze gestört, kommt man digital nicht weiter.“
Zur gedruckten Karte greifen zwar noch 28 Prozent der Befragten, doch die Nutzung bleibt die Ausnahme. Jeweils nur ein Prozent zieht wöchentlich oder mehrmals im Monat Stadtpläne, Wanderkarten oder Atlanten zurate, weitere 26 Prozent tun dies einmal im Monat oder seltener. Ganz anders sieht es bei den digitalen Helfern aus: 84 Prozent nutzen Navigationsapps im Alltag. Unter den Jüngeren sind es mit 95 Prozent nahezu alle, in der Altersgruppe ab 65 Jahren immerhin 65 Prozent.
Für viele ist die App längst zum unentbehrlichen Begleiter geworden. Die Hälfte der Deutschen wäre ohne sie im Alltag aufgeschmissen, im Urlaub steigt dieser Anteil sogar auf 58 Prozent. Doch der Komfort hat seinen Preis: Zwei Drittel der Befragten berichten, ihr Orientierungssinn habe sich durch die ständige digitale Führung verschlechtert. Wie stark das Vertrauen in die Technik reicht, zeigt eine letzte Zahl: Knapp ein Fünftel würde den Anweisungen einer Navigationsapp selbst dann folgen, wenn sie unlogisch erscheinen – und zwar quer durch alle Generationen.
















