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Wenn Züge wegen einer IT-Störung stillstehen oder nach einer Sabotage an Leitungen der Strom ausfällt, rückt eine Sorge in den Alltag, die sonst schnell abstrakt wirkt: Wie verwundbar ist das Land gegenüber Angriffen, die digital beginnen und ganz praktische Folgen haben. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass viele Menschen in Deutschland mit solchen Szenarien rechnen – sich im eigenen Haushalt aber selten gezielt darauf einstellen.

Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom erwarten 82 Prozent eine ernsthafte Krise in Deutschland infolge sogenannter hybrider Angriffe. Gemeint sind digitale Attacken, Sabotageaktionen und Desinformationskampagnen, die zusammenwirken können. Gleichzeitig halten nur wenige den eigenen Haushalt für gut vorbereitet: 2 Prozent bezeichnen sich als „sehr gut“ gerüstet, weitere 13 Prozent als „eher gut“. Dem stehen 27 Prozent gegenüber, die sich „eher schlecht“ vorbereitet sehen, sowie 55 Prozent, die nach eigener Einschätzung überhaupt nicht vorbereitet sind.

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Ganz abgeschlossen ist das Thema für viele allerdings nicht. 26 Prozent planen laut Umfrage, noch Vorkehrungen zu treffen. 29 Prozent sagen dagegen, dass sie dies auch künftig nicht tun wollen. Insgesamt wird das Risiko von vielen als hoch eingeschätzt, auch im größeren politischen Kontext: 64 Prozent sehen aufgrund der Spannungen zwischen Russland und der NATO eine zunehmende Gefahr. Knapp die Hälfte, 49 Prozent, erwartet in den kommenden 5 Jahren sogar eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO.

Ermittelt wurden die Zahlen in einer repräsentativen Befragung von 1.263 Personen ab 16 Jahren in Deutschland. Bitkom Research führte die telefonische Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom im Zeitraum von KW 51 2025 bis KW 2 2026 durch. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 23. Februar 2026 in Berlin.

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Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sieht dabei eine Lücke zwischen Bedrohungslage und Vorbereitung. „Deutschland wird jetzt schon täglich angegriffen: im Cyberraum, mit Sabotageaktionen und mit Desinformationskampagnen. Deutschland muss seine Resilienz stärken, und dazu gehört insbesondere die Vorbereitung der Bevölkerung auf Angriffe jeglicher Art und ihre Folgen“, sagte Wintergerst. Passend dazu gaben 64 Prozent an, über Bedrohungen durch hybride Angriffe nicht informiert zu sein. 65 Prozent finden, die Bevölkerung müsse sich insgesamt besser gegen hybride Angriffe und deren Folgen schützen.

Am größten ist die Angst vor Störungen in zentralen Versorgungsbereichen. 77 Prozent fürchten, dass Angriffe die Energieversorgung beschädigen oder lahmlegen könnten. 69 Prozent sorgen sich vor Ausfällen bei Banken und Versicherungen. Dahinter folgen Krankenhäuser und Ärzte mit 60 Prozent, die Wasserversorgung mit 58 Prozent und die Lebensmittelversorgung mit 54 Prozent. Etwas weniger als die Hälfte hat Angst vor Ausfällen bei Telekommunikation und IT (47 Prozent), 41 Prozent nennen die öffentliche Verwaltung, 35 Prozent Transport und Verkehr. Schlusslichter sind die Abfallentsorgung (27 Prozent) sowie Medien und Kultur (22 Prozent).

Wintergerst betont, dass Vorbereitung nicht allein Sache von Staat und Betreibern kritischer Infrastruktur sei. „Deutschland muss nicht nur seine kritische Infrastruktur noch besser schützen. Jeder und jede Einzelne, aber auch die Verwaltungen und die Unternehmen müssen Vorkehrungen treffen. Im Krisenfall sind die ersten Stunden besonders wichtig“, so Wintergerst.

In den Haushalten gibt es immerhin einzelne Maßnahmen, die viele bereits umgesetzt haben. 59 Prozent nutzen Sicherheitssoftware wie zum Beispiel eine Firewall gegen Cyberangriffe. 36 Prozent haben digitale Kopien wichtiger Dokumente angelegt, 26 Prozent zusätzlich analoge Kopien auf Papier von wichtigen digitalen Dateien erstellt. 31 Prozent verfügen über alternative Energiequellen wie Powerbanks oder Batterien.

Neben digitalen Schutzmaßnahmen spielen auch klassische Vorsorgen eine Rolle. 41 Prozent haben Taschenlampen oder Kerzen im Haushalt, ebenso viele lagern Notvorräte an Wasser und Lebensmitteln. 36 Prozent verfügen über eine Bargeldreserve, 29 Prozent über einen Notvorrat an Medikamenten. Alternative Kommunikationsmittel wie ein batteriebetriebenes Radio oder Funkgeräte sind bei 16 Prozent vorhanden. Gleichzeitig sagt rund ein Fünftel, 19 Prozent, gar keine Vorkehrungen getroffen zu haben.

Als Beispiel für einen anderen Umgang mit Vorsorge verwies Wintergerst auf Finnland. „Unentschlossenheit macht Deutschland nicht resilient. Andere Länder wie etwa Finnland zeigen uns, wie es besser geht: mit überzeugenden, verständlichen Informationen für Bevölkerung und Unternehmen. Ebenso wichtig ist eine pro-aktive Grundhaltung in der Gesellschaft, die Gefahren aufmerksam wahrnimmt und in Handeln übersetzt“, sagte Wintergerst.

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Die Fragen in der Umfrage lauteten unter anderem: „Sind Sie in Ihrem Haushalt auf hybride Angriffe und deren Folgen vorbereitet?“, „Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass es Deutschland zu einer ernsthaften Krise infolge hybrider Angriffe kommt?“, „Wie viel Angst haben Sie, dass die folgenden Branchen oder Sektoren durch hybride Angriffe geschädigt oder sogar lahmgelegt zu werden?“, „Welche der folgenden Vorkehrungen haben Sie in Ihrem Haushalt getroffen?“ und „Inwieweit treffen die folgenden Aussagen Ihrer Meinung nach zu?“. Die Ergebnisse sind online im Bitkom-Dataverse veröffentlicht: www.bitkom.org/Bitkom-Dataverse/HybrideAngriffeBevoelkerung

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