Auf dem Berghof in Einöd (v. l.): Hans Pick, Sebastian Thul (Staatssekretär für Umwelt und Verbraucherschutz), Marliese Weizel, Reinhold Jost, Sven Plöger, Dr. Theophil Gallo und Dr. Gerhard Mörsch. - Bild: Sandra Brettar

„Temperatur und Sonne sind schon ordentlich für September, das habe ich aber alles extra so einbestellt“, hat der aus Funk und Fernsehen bekannte Meteorologe die heiße Wetterlage bei seinem Besuch im Biosphärenreservat Bliesgau kommentiert. Wenn sich einer dieser geflügelten Worte gewieft bedienen kann, dann ist es wohl Sven Plöger. Letztendlich führte der Themenkomplex rund um die sprichwörtlich für September unzeitgemäßen Temperaturen Sven Plöger ins Saarland, genau gesagt die Nachhaltigkeitskonferenz „Sturm und dann?! Nachhaltiger Klimaschutz im Saarland“. Hierzu hatte der saarländische Umweltminister Reinhold Jost den Wetter- und Klimaexperten eingeladen.

Um Sven Plöger an konkreten Beispielen zu veranschaulichen, wie man im Saarland dem Klimawandel begegnet, suchte sich der Umweltminister zur Freude des Geschäftsführers des Biosphärenzweckverbandes Dr. Gerhard Mörsch und dessen Vertreter Holger Zeck das Biosphärenreservat Bliesgau aus. Im UNESCO Biosphärenreservat Bliesgau spielt der Klimaschutz schon seit einigen Jahren eine wichtige Rolle. Über die Teilnahme am Bundes-Förderprogramm „Masterplan 100 % Klimaschutz“ wurde bereits 2012 eine zentrale Strategie entwickelt, für deren Umsetzung ein Klimaschutzmanager verantwortlich ist. Politisch beschlossenes Ziel ist es, bis 2050 die Treibhausgasemissionen um 95 Prozent gegenüber 1990 und den Endenergieverbrauch um 50 Prozent zu senken. Insgesamt konnten bisher 35 Projekte aus verschiedenen Bereichen mit einem Gesamtvolumen von 3,6 Millionen Euro realisiert werden.
Holger Zeck organisierte eine informative Tour zu drei Vorzeigeprojekten in der Biosphäre. Besichtigt wurde die Holzhackerschnitzelheizung im Rathaus Gersheim, die Freiflächensolaranlage im ehemaligen Kalkbergwerk Gersheim sowie die Bliesgau Öl- und Senfmühle Berghof in Einöd.

Im Gersheimer Rathaus begrüßte Bürgermeister Michael Clivot den „Besuchertross“ und übernahm eine kleine Führung. Die Gemeinde Gersheim hatte das alte Heizsystem des Rathauses 2016 durch eine Holzhackschnitzelheizung ersetzt. Die Anlage ist im Rathauskeller installiert. Gegenüber der alten Heizung wurde eine CO2-Einsparung von über 90 Prozent erreicht. Anschließend ging es zum ehemaligen Kalksteinbruch, ebenfalls in Gersheim. Dort steht seit 2011 ein „Sonnenkraftwerk“ mit einer Leistung von 1,85 Megawatt. Eigentümer der Fläche ist der Zweckverband „Saar-Blies-Gau/Auf der Lohe“, bestehend aus dem Saarpfalz-Kreis, den Gemeinden Gersheim und Mandelbachtal sowie der Naturlandstiftung Saar. Der Zweckverband verpachtet die Fläche an die Standortentwicklungsgesellschaft Saarpfalz (SEG). Diese erzeugt auf 2,5 Hektar Kollektorfläche den Strom für etwa 450 Haushalte und spart damit über 1000 Tonnen Kohlendioxid. Mit dem erwirtschafteten Pachtzins werden zudem durch den Zweckverband Naturschutzmaßnahmen finanziert.

„Auch der Berghof in Einöd leistet einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Er ist ein wichtiger Akteur in der Regionalvermarktung: Die nachhaltig hergestellten Erzeugnisse gelangen über kurze Wege zum Verbraucher“, erklärte Dr. Gerhard Mörsch an der dritten Station, an der auch der Verbandsvorsteher des Biosphärenzweckverbandes Landrat Dr. Theophil Gallo teilnahm und die Gäste ebenfalls willkommen hieß. „Ich freue mich, dass wir dank des Umweltministers einem ausgemachten Klimaexperten wie Sven Plöger die Projektfortschritte in unserer Region einmal demonstrieren können. Die heute betrachteten Beispiele in der Biosphäre Bliesgau machen deutlich, dass es eines gesamtgesellschaftlichen Engagements bedarf, den globalen und lokalen Phänomen des Klimawandels zu begegnen und die Auswirkungen der Erderwärmung zu begrenzen. Es ist notwendig, in allen Bereichen der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft tätig zu werden, um sich auf den Klimawandel und seine auch im Saarpfalz-Kreis wahrnehmbaren Folgen vorzubereiten. Es ist ein ambitioniertes Ziel, die Treibhausgasemissionen in unserer Region um 95 Prozent gegenüber 1990 und den Endenergieverbrauch um 50 Prozent zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, spielt auch das Handeln der öffentlichen Verwaltung eine zentrale Rolle. Die Möglichkeiten der Kommunen im Klimaschutz sind vielfältig. Kommunales Energiemanagement, klimaschonende Energieerzeugung, klimafreundliche Beschaffung und nachhaltige Mobilität sind einzelne Bausteine hiervon. Die Verwaltung des Saarpfalz-Kreises erstellt aktuell in enger Zusammenarbeit mit der Politik einen Klimaaktionsplan, um noch weitere Potenziale der Kreisverwaltung und des Kreises selbst in diesen Bereichen herauszuarbeiten, Prioritäten festzusetzen und Synergien zwischen verschiedenen Einzelmaßnahmen zu erschließen. Er soll dabei helfen, Energie und Ressourcen einzusparen und den Ausstoß weiterer Treibhausgase zu reduzieren“, sagte Dr. Gallo.

Die Geschwister Hans Pick und Marliese Weizel ließen es sich natürlich nicht nehmen, den Familienbetrieb vorzustellen. Alles stammt aus einer Hand: Öl- und Senfsaaten aus eigenem Anbau werden im Kaltpressverfahren zu hochwertigen Speisölen und würzigem Senf verarbeitet. Linsen, Amaranth und Buchweizen runden das Sortiment ab. Ferner befindet sich in unmittelbarer Nähe der Windpark „Auf der weißen Trisch“ mit vier Windkraftanlagen, die von Hans Pick betreut werden. In der Diskussion um das Thema Windkraft merkte Sven Plöger als zentralen Punkt an, die Bürger monetär an den Erträgen der Anlagen zu beteiligen, dann werde eine Anlage vor Ort auch nicht mehr so negativ wahrgenommen. Der Buch-Autor von „Zieht euch warm an, es wird heiß“ zeigte sich insgesamt sehr beeindruckt von allen drei in Sachen Klimaschutz anschaulichen und wirksamen Besichtigungszielen und lobte das vielfältige Engagement der Akteure im Biosphärenreservat Bliesgau.

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