
Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu den Trassenpreisen im Schienenpersonennahverkehr setzt die Bundesregierung unter Druck – und im Saarland wächst die Sorge, dass die Folgen am Ende bei den Fahrgästen ankommen. Die saarländische Mobilitätsministerin Petra Berg fordert den Bund auf, rasch für klare Verhältnisse zu sorgen, bevor aus einem juristischen Problem ein handfester Schaden für den Nahverkehr wird.
Berg findet deutliche Worte: „Die Bundesregierung hat die notwendige Reform der Trassenpreise zu lange liegen gelassen. Jetzt droht daraus ein Kollateralschaden für den Nahverkehr.“ Sollte der Bund nicht zügig reagieren, stehe am Ende ein schlechteres Angebot für die Fahrgäste. „Das darf so nicht passieren“, so die Ministerin am 20. März 2026.
Der Kern des Problems liegt in der Finanzarchitektur des Schienenverkehrs. Trassenpreise sind die Gebühren, die Eisenbahnunternehmen für die Nutzung des Schienennetzes zahlen. Die Länder bestellen und finanzieren den regionalen Zugverkehr – und tragen damit einen erheblichen Teil der Kosten. Das EuGH-Urteil stellt nun fest, dass die bisherigen Regelungen nicht mehr tragfähig sind. Für die Länder bedeutet das erhebliche Planungsunsicherheit, denn ohne eine neue, rechtssichere Grundlage lässt sich kaum kalkulieren, welche Summen künftig in den Nahverkehr fließen müssen.
Die Ministerin nimmt deshalb den Bundesverkehrsminister direkt in die Pflicht. „Er muss jetzt ein Konzept für bezahlbaren Nahverkehr vorlegen und den vielen Menschen, die täglich darauf angewiesen sind, Verlässlichkeit garantieren“, fordert Berg. Gerade für ein Flächenland wie das Saarland sei ein funktionierender Schienenpersonennahverkehr von besonderer Bedeutung. Tausende Pendlerinnen und Pendler verließen sich jeden Tag auf verlässliche Verbindungen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Steigende Kosten dürften weder zu Angebotskürzungen noch zu höheren Ticketpreisen führen.
Berg kündigt an, die Entwicklungen auf Bundesebene eng zu begleiten. „Für uns ist klar: Der Nahverkehr muss verlässlich, bezahlbar und attraktiv bleiben“, betont sie. Das Saarland werde sich dafür einsetzen, dass die Länder bei den finanziellen Folgen des Urteils nicht allein gelassen werden. Hinter dieser Forderung steht ein grundsätzlicher Konflikt zwischen Bund und Ländern: Während Berlin die Rahmenbedingungen für das Schienennetz setzt, müssen die Länder die konkreten Auswirkungen vor Ort stemmen – mit begrenzten Mitteln und wachsenden Erwartungen der Fahrgäste.
Wie schnell der Bund auf das Urteil reagiert, dürfte in den kommenden Wochen zum Gradmesser dafür werden, wie ernst die Bundesregierung ihre eigenen Versprechen für eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs nimmt. Für die Menschen im Saarland, die morgens in den Regionalzug steigen, geht es dabei um weit mehr als juristische Feinheiten – es geht um ihren Alltag.




















