Was ist Freiheit? Wer Antworten auf diese Frage sucht, war bei der Eröffnung der neuen Ausstellung in der Galerie Julia Johannsen.de goldrichtig. Wobei Gold nun wirklich keine Rolle spielte, denn die Ausstellung firmierte unter dem Motto „Blaue Freiheit“. Dabei ging es um Weite, Tiefe, Horizont – und die Unendlichkeit von Freiheit.

„Die“ Freiheit hat es derzeit wirklich nicht leicht. Von allen Seiten wird sie in diesen Zeiten bedrängt, eingefordert, hinterfragt. Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass es „die“ eine Freiheit nicht gibt. „Jeder hat seinen eigenen, anderen Freiheitsbegriff“, unterstrich denn auch die Homburger Künstlerin Julia Johannsen bei der Vernissage zu ihrer neuen Ausstellung „Blaue Freiheit“.

Umso spannender die Frage, wie die Werke der verschiedenen Künstler, die in der Galerie in der Homburger Altstadt nun ausgestellt sind, diese Vieldeutigkeit abbilden. Denn in gewisser Weise legte der Titel der Ausstellung ja einen Rahmen fest. Schließlich sollten sich die Beiträge mit der Farbe Blau befassen. Doch Johannsen deutete in ihrer Eröffnungsrede bereits an, wie dieser Vorbehalt aufgelöst werden kann: Sie identifizierte Blau schlicht mit jener Unendlichkeit, die Vorstellungen von Freiheit innewohnt. „Die Farbe Blau steht für Ferne, Weite, Himmel, Horizonte.“

Und tatsächlich schafft es die Ausstellung, paradoxerweise genau durch diese Konzentration auf eine Farbe, zu zeigen, wie unendlich Freiheit eigentlich wirklich ist. Nur mit Blau konnten die vertretenen Künstlerinnen und Künstler zeigen, wie allumfassend Freiheit sein kann. Nicht auszudenken, wie viele Möglichkeiten ins Spiel kämen, wenn auch andere Farben ihre je eigenen Facetten mit ins Spiel um die Unendlichkeit bringen würden.

Doch, wie beschrieben, reicht Blau bei der Ausstellung aus, um besagte Unendlichkeit deutlich zu machen. Das liegt in erster Linie daran, dass die Natur in ihrer ganzen Weite repräsentiert wird. Allen voran natürlich die Werke der 33-jährigen Johannsen, die nicht nur abstrakte Kompositionen vorstellte, sondern auch atemberaubende Berg- und Wasserlandschaften. Das natürlich in allen nur vorstellbaren Blautönen, in die die zahlreich erschienenen Gäste eintauchten. Und sich mancher auch einige Minuten verlor.

Deutlich in den Mittelpunkt wird das Wasser bei den Fotografien des Berliner Künstlers Alexander Palm, der einige Werke zu der Ausstellung beigetragen hat. Er stellt dabei das Meer mit seiner scheinbar unendlichen Tiefe und Weite in den Mittelpunkt. Tatsächlich kommt beim Betrachten seiner Großformate mit dem nicht enden wollenden Horizont und dem tiefblauen Ozean das Freiheitsgefühl auf, das man auch vom Urlaub am Meer kennt. Doch gleichzeitig wecken Palms Werke auch ein Empfinden, das letztlich untrennbar mit der Unendlichkeit der Freiheit verbunden ist: eine Ohnmacht ob des nicht zu überblickenden Horizonts.

Vielleicht noch intensiver wirkt dieses Gefühl bei den Beiträgen des Saarländers Sebastian Voltmer, der schon bei mehreren Ausstellungen in der Galerie dabei war. Er beschäftigt sich nämlich mit Astrofotografie. „Mit 12 habe ich ein Teleskop geschenkt bekommen. Ich wollte damals unbedingt sehen, wie der Jupiter von einem Kometen getroffen wird“, so der 39-Jährige im HOMBURG1-Gespräch. „Dieses Ereignis hat mich dann so fasziniert, dass ich solche Phänomene fotografieren wollte.“

Sebastian Voltmer zeigte Astrofotografien. – Bild: Bill Titze

Das Ergebnis ist nun bei Julia Johannsen.de zu sehen: Stern- und Nachtlandschaften, die den Betrachter die Unendlichkeit der Galaxis zumindest erahnen lassen. Besonders faszinierend auch eine Videoinstallation, die 80 Kilometer hoch hängende Eiswolken zeigt, die von der unter dem Horizont stehenden Sonne beleuchtet werden. „Außerdem ist auch ein Komet zu sehen, dessen Helligkeit durch die Wolken noch verstärkt wird.“

Aber auch hier kommt letztlich etwas auf, das unbedingt zur Freiheit dazugehört: der Zweifel. Ist die Unendlichkeit der Freiheit letztlich für den Menschen nicht ein Ding der Unmöglichkeit? Das lässt sich bei realistischer Betrachtung wohl nur bejahen. Doch entscheidend ist etwas Anderes: die Vorstellung von dieser Unendlichkeit an sich, die Menschen immer wieder bewegt, über sich hinauszuwachsen. Ob die Künstler bei der „Blauen Freiheit“, das geschafft haben, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Eines verdeutlicht die Ausstellung jedoch auf jeden Fall: Freiheit und die Farbe Blau, das passt.

 

 

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