Ganzjahresreifen haben in Deutschland eine bemerkenswerte Karriere hinter sich: Erstmals führen sie die Verkaufsstatistik des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk (BRV) an und verweisen damit die klassischen Sommer- und Winterpneus auf die Plätze. Doch wer sich für einen Allwetter-Pneu entscheidet, sollte genau hinschauen – das zeigt der aktuelle ADAC Ganzjahresreifentest 2026 mit deutlicher Klarheit.
Im Mittelpunkt der dritten Auflage des Tests stand die Dimension 185/65 R15, eine Größe, die typischerweise an Kleinwagen montiert wird. 16 Modelle mussten dabei ein breites Anforderungsprofil bewältigen: Handling und Bremsverhalten auf trockener wie nasser Fahrbahn, das Verhalten auf Schnee sowie Faktoren wie Laufleistung, Geräuschentwicklung und Spritverbrauch flossen in die Gesamtnote ein.
Das Ergebnis fällt ernüchternd aus. Lediglich ein einziger Pneu schafft es ins Notenfeld „gut“: Der Continental AllSeasonContact 2 erreicht mit einer Gesamtnote von 2,3 das beste Resultat. Er überzeugt mit ausgewogenen Fahr- und Bremsleistungen auf allen geprüften Untergründen und einer soliden Umweltbilanz. Knapp am guten Urteil vorbei schrammen der Pirelli Cinturato All Season SF 3 und der Michelin CrossClimate 2 mit jeweils 2,6 – beide bleiben empfehlenswert, schwächeln aber bei einzelnen Disziplinen.
Dahinter klafft eine erhebliche Qualitätslücke. Acht der getesteten Reifen können die Prüfer nicht empfehlen. Häufig zeigt sich das altbekannte Spezialisierungs-Dilemma: Wer auf einem Untergrund glänzt, patzt auf einem anderen. Paradebeispiel ist der Dunlop All Season 2, der auf winterlicher Fahrbahn die beste Leistung im gesamten Testfeld abliefert, im Trockenen aber spürbar einbricht.
Fünf Modelle werden gar als Sicherheitsrisiko eingestuft. Der Norauto 4 Seasons 2 erhält die Gesamtnote 4,9, der Bridgestone Weather Control A005-Evo und der Mastersteel All Weather 2 jeweils 5,3, der Roadhog RGAS02 eine 5,4, Schlusslicht ist der Tomason Allseason mit 5,5. Alle scheitern bei winterlichen Verhältnissen und zeigen zusätzlich in mindestens einer weiteren Disziplin deutliche Schwächen. Kurios: Roadhog und Mastersteel stammen aus derselben Fabrik und sind weitgehend baugleich – die minimalen Unterschiede in der Bewertung ergeben sich aus abweichenden Zulieferern.
Kritisch sieht der ADAC auch die Strategie mancher Hersteller. Marken wie Bridgestone und Michelin führen zwar bereits neuere Ganzjahresreifen-Generationen im Sortiment, bieten diese aber nicht in der getesteten Kleinwagen-Dimension an. Für den ADAC eine bedenkliche Botschaft an die Verbraucher – der Automobilclub fordert deshalb, aktuelle Technologien flächendeckend auch für kleinere Reifengrößen verfügbar zu machen.
Für Autofahrer bleibt die zentrale Botschaft des Tests: Markenname, Preis oder die offiziellen Labelangaben sind keine verlässlichen Wegweiser. Wer wenig fährt und keine Extremen erlebt, ist mit einem guten Ganzjahresreifen passabel bedient. Wer hingegen häufig bei sengender Hitze oder strengem Winter unterwegs ist – oder schlicht hohe Jahreslaufleistungen sammelt –, sollte nach Empfehlung des ADAC weiterhin auf spezialisierte Sommer- und Winterreifen setzen.

















