Acht Jahrzehnte künstlerisches Schaffen, verdichtet in einer einzigen Schau: Die Rathausgalerie St. Ingbert widmet dem Maler und Grafiker Theodor Fischer ab dem heutigen 6. März eine umfassende Retrospektive. Bis zum 17. April 2026 lässt sich dort nachvollziehen, wie sich ein Künstlerleben zwischen abstrakter Experimentierfreude und gegenständlicher Präzision entfaltet hat.
Fischer kam schon früh zur Kunst und hat ihr seither die Treue gehalten. Sein Werk reicht von informeller Malerei über Landschaften und Häuseransichten bis hin zu politischen Portraitskizzen, die in den gesellschaftlich aufgeladenen siebziger Jahren entstanden. Wer die Ausstellung besucht, begegnet einem Œuvre, das sich nie auf eine Handschrift festlegen ließ – und gerade darin seine Eigenart findet.
Ein zentrales Kapitel in Fischers Biografie begann in den sechziger Jahren, als er gemeinsam mit den Galeristen Gilbert E. Baier und Wolfgang Schmitt die Künstlergruppe „Schaffen“ ins Leben rief. Die drei experimentierten mit allem, was ihnen in die Hände fiel, und orientierten sich dabei an der informellen Malerei, wie sie Karl Otto Götz, Otto Greis und K.R.H. Sonderborg prägten. Mehrere abstrakte Arbeiten aus der Mitte der sechziger bis Mitte der siebziger Jahre sind nun in der Rathausgalerie zu sehen und dokumentieren diese Phase des Aufbruchs.
Parallel dazu erweiterte Fischer sein technisches Repertoire stetig. Bei Peter Spiegel in Homburg erlernte er die Radierkunst und fertigte Kaltnadelradierungen, Aquatinta-Blätter und Asphaltätzungen. Bald kam die Lithographie auf Solnhofer Schiefer als weitere Drucktechnik hinzu. Auch institutionell vernetzte er sich: Er wurde Mitglied der „Malerpalette Bexbach“ und der „Internationalen Civic Art Guild“. 1981 gründete er mit Kolleginnen und Kollegen den Postkunstverein e.V. Saar, der sich zwei Jahre später zum Kunstverein Saar wandelte. Diesem stand Fischer drei Jahrzehnte lang vor – von 1994 bis 2024.
Neben der Atelierarbeit trieb es den Künstler immer wieder hinaus in die Welt. Zahlreiche Studienreisen führten ihn in die Provence, nach Jugoslawien, Mecklenburg, in die Lausitz, ins Elsass, die Pyrenäen, nach Irland – dort vor allem in die Regionen Connemara und Burren –, in die Bretagne, die Auvergne und die Toskana. Jede dieser Reisen diente ganz der Malerei und hinterließ sichtbare Spuren in seinem Werk. Die Retrospektive macht diese Einflüsse greifbar, indem sie Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen und Reisezielen nebeneinanderstellt.
Die Ausstellung „Theodor Fischer – Retrospektive“ ist in der Rathausgalerie im ersten Obergeschoss des Rathauses, Am Markt 12 in St. Ingbert, zu sehen. Geöffnet ist montags bis mittwochs von 8 bis 16 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei zugänglich während der regulären Öffnungszeiten.























