Foto: MFW

Werner Pitsch kennt die Universität des Saarlandes wie kaum ein anderer. Seit mehr als zwei Jahrzehnten forscht und lehrt der Sportwissenschaftler in Saarbrücken, nun wird er dort zum Professor für Sportsoziologie ernannt. Die auf fünf Jahre befristete Professur begleitet ihn bis in den Ruhestand. Am 15. März tritt er die neue Stelle offiziell an.

Pitsch hat sich in der Fachwelt vor allem durch einen methodischen Kniff einen Namen gemacht: Er gilt als Vorreiter bei der Anwendung der sogenannten Randomized-Response-Technik in der Sportwissenschaft. Dieses Verfahren schützt die Anonymität von Befragten so wirksam, dass diese auch bei heiklen Themen wie Doping ehrliche Antworten geben. Gerade in einem Feld, in dem soziale Erwünschtheit die Ergebnisse massiv verzerren kann, liefert diese Methode belastbare Daten, die mit herkömmlichen Befragungen kaum zu gewinnen wären.

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Für die kommenden Jahre hat der Wissenschaftler ein Forschungsprogramm skizziert, das weit über den Leistungssport hinausreicht. Ein zentrales Vorhaben widmet sich dem Medikamentenkonsum im Breitensport. Pitsch will untersuchen, wie ein eigentlich gesundheitsförderliches Freizeitverhalten zum Auslöser für riskante Selbstmedikation werden kann – ein Phänomen, das bislang kaum systematisch erforscht ist. Daneben führt er die langjährige empirische Arbeit des Sportwissenschaftlichen Instituts zu abweichendem Verhalten fort. Die Bandbreite reicht von körperlicher und sexueller Gewalt im Sport über Doping und Medikamentenmissbrauch bis hin zu Bestechung im Umfeld von Sportwetten und Wettkämpfen sowie Korruption in Verbänden. Zuletzt hat sich diese Forschungslinie sogar über den Sport hinaus ausgedehnt und den Lobbyismus unter Parlamentariern in Deutschland in den Blick genommen.

Ein dritter Schwerpunkt führt Pitsch in die Welt der computergestützten Sozialwissenschaft. Mit sogenannten Agentenmodellen will er die Karriereverläufe von Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern analysieren. Dafür strebt er eine Zusammenarbeit mit dem Interdisciplinary Institute for Societal Computing an der Universität des Saarlandes an. In der Lehre verantwortet er neben der Sportsoziologie auch Veranstaltungen zur sozialwissenschaftlichen Methodologie und zur Sportökonomik.

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Der Weg zur Professur war lang und führte über mehrere Stationen. Pitsch schloss 1990 sein Studium der Sportwissenschaft an der Saar-Universität als Diplom-Sportlehrer ab und ergänzte es durch einen Magister in Sportwissenschaft, Allgemeiner Psychologie und Soziologie. Seine Promotion legte er 1998 an der Universität der Bundeswehr München ab. Danach arbeitete er unter anderem am Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland, an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und von 2000 bis 2005 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, bevor er an die Universität des Saarlandes zurückkehrte. Dort erlangte er 2020 die Venia Legendi mit einer Habilitationsschrift, die sich mit der Verschränkung des Nutzens aus dem Doping- und Anti-Doping-Phänomen befasst.

Schon vor der Berufung hat Pitsch an der Saar-Universität erhebliche Verantwortung übernommen. Er leitet die Funktionseinheit Sportsoziologie und Sportökonomie in der Fachrichtung Sportwissenschaft und steht dem Prüfungsausschuss für die sportwissenschaftlichen Studiengänge vor. Darüber hinaus wirkt er in einer Arbeitsgruppe mit, die diese Studiengänge neu ausrichtet. Als ERASMUS+-Fachkoordinator treibt er zudem die internationale Vernetzung der Lehre voran. Mit der neuen Professur erhält ein Wissenschaftler den Titel, der die Sportsoziologie an der Universität des Saarlandes seit Jahren maßgeblich prägt.