Die App auf Rezept galt als Meilenstein der digitalen Medizin – doch die Unternehmen, die dahinterstehen, geraten offenbar zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Eine aktuelle Befragung des Digitalverbands Bitkom liefert dafür deutliche Zahlen, und der Branchenverband Pharma Deutschland schlägt nun Alarm: Ohne verlässliche Vergütung und weniger bürokratische Hürden drohe ein vielversprechender Versorgungsweg ins Stocken zu geraten.
Die Ergebnisse der Erhebung, an der 34 Hersteller Digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) teilnahmen, zeichnen ein ernüchterndes Bild. 85 Prozent der befragten Firmen bezeichnen die hohen Entwicklungs- und Zulassungskosten als Belastung für ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit. Drei von vier Unternehmen bewerten die Investitionssicherheit als gering, und 74 Prozent halten die derzeitige Vergütung im Verhältnis zum Aufwand für Evidenz, Betrieb und Zulassung schlicht für unangemessen.
Für Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, ist die Botschaft eindeutig. „Deutschland hat mit der App auf Rezept einen Weg für digitale Therapien in die Versorgung geschaffen. Diesen Fortschritt dürfen wir jetzt nicht kaputtsparen“, warnt sie. Wer hohe Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit und Nachweise stelle, müsse auch Bedingungen schaffen, unter denen Firmen diese dauerhaft erfüllen könnten. Ihr Fazit: „Eine digitale Versorgung, die politisch gewollt ist, muss auch wirtschaftlich möglich sein.“
Besonders bemerkenswert ist ein Widerspruch, den die Befragung offenlegt. Im internationalen Vergleich schneidet der deutsche Rahmen für Zulassung und Erstattung gut ab – 86 Prozent der Unternehmen stufen ihn als eher oder sehr gut ein. Gleichzeitig berichten ausnahmslos alle Befragten von einer Verschlechterung ihrer Lage in den vergangenen zwei Jahren, 82 Prozent sprechen sogar von einer starken Verschlechterung. Pharma Deutschland deutet diese Zahlen als klares Warnsignal für die weitere Entwicklung der digitalen Versorgung.
Ein zentraler Knackpunkt bleibt der Nachweis des tatsächlichen Nutzens. 79 Prozent der Firmen klagen über Unsicherheit darüber, welche Studiendesigns akzeptiert werden. Der Verband fordert deshalb, die Anforderungen an Studien frühzeitig und verbindlich zu klären, damit Investitionen in Evidenz und Weiterentwicklung langfristig planbar werden. Zugleich mahnt Pharma Deutschland, die Bewertung konsequent am Versorgungsnutzen auszurichten – Nutzungsdauer oder -häufigkeit dürften nicht pauschal mit dem Behandlungserfolg gleichgesetzt werden.
Auch beim Weg vom Rezept zur Behandlung sehen die Hersteller Handlungsbedarf. Sämtliche befragten Unternehmen halten eine volldigitale Verordnung ohne Medienbrüche für wichtig, 94 Prozent sogar für sehr wichtig. Entsprechend verlangt der Verband praxistaugliche Prozesse, die Patientinnen und Patienten ohne unnötige technische oder administrative Hürden zur Therapie führen.
DiGA sind zugelassene Medizinprodukte, die vor ihrer Aufnahme in das offizielle Verzeichnis ein Prüfverfahren beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte durchlaufen. Sie können Behandlungen begleiten und den Alltag der Betroffenen unterstützen. Dieses Potenzial, so die klare Forderung, lasse sich nur durch praxistaugliche Verfahren, bessere Information und verlässliche Investitionsbedingungen voll ausschöpfen.




















