Die deutschen Gasspeicher stehen erneut im Fokus der öffentlichen Debatte – und der Branchenverband BDEW warnt davor, den Markt durch übereilte politische Eingriffe aus dem Gleichgewicht zu bringen. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, lobt in diesem Zusammenhang die Zurückhaltung der Bundesregierung: „Die Vorsicht der Bundesregierung im Umgang mit marktverzerrenden und preistreibenden Eingriffen in den Gasmarkt ist richtig.“
Statt in den Markt einzugreifen, sollen laut Medienberichten sogenannte Long Term Options stärker zum Einsatz kommen. Diese marktbasierten Instrumente bewertet der Verband ausdrücklich positiv. Sie könnten dabei helfen, gezielt sicherzustellen, dass die Speicher auch gegen Ende eines Winters noch über ausreichende Mengen verfügen – ohne die reguläre marktwirtschaftliche Bewirtschaftung der Speicher grundsätzlich zu ersetzen.
Damit die Befüllung effizient gelingt, fordert Andreae jedoch Nachbesserungen bei den Rahmenbedingungen. Kurzfristig müsse die Kostenbelastung der Speichernutzung sinken. Besonders die sogenannte Konvertierungsumlage solle so schnell wie möglich ausgesetzt werden. Sie fällt an, wenn Gas mit hohem Brennwert in solches mit niedrigem Brennwert umgewandelt wird oder umgekehrt, und trifft Speicher in bestimmten Regionen besonders hart.
Entscheidend bleibt aus Sicht des Verbandes aber ein anderer Punkt: der stetige Nachschub an Flüssiggas. Die Bundesregierung müsse sich auf europäischer Ebene geschlossen dafür stark machen, regulatorische und administrative Hürden abzubauen, die den kontinuierlichen Import von LNG in die EU und nach Deutschland gefährden könnten. Konkret nennt Andreae die EU-Methanemissionsverordnung, für die kurzfristig eine rechtssichere Lösung gefunden werden müsse.
Ein weiteres Hindernis ergibt sich aus dem europäischen Importverbot für russisches Erd- und Flüssiggas. Weil dadurch Lieferungen aus zahlreichen Ländern vorab genehmigt werden müssen, drängt der BDEW auf klare Zuständigkeiten. Bislang habe die Bundesregierung weder eine verantwortliche Behörde benannt noch die nötigen Genehmigungsprozesse festgelegt. Beides müsse nun ohne Verzögerung aufgebaut werden.
Trotz aller Forderungen sendet Andreae ein beruhigendes Signal an die Verbraucher. Vertragliche Lieferverpflichtungen würden von Gashändlern und Lieferanten erfüllt: „Was bestellt ist, wird geliefert.“ Wie die Unternehmen die Versorgung im Detail sicherstellen, bleibe ihnen überlassen – eine Pflicht zur Einspeicherung bestehe nicht. Mit dem Ausbau der LNG-Terminals sei zudem eine zusätzliche Säule der Versorgung hinzugekommen. Die Situation, so ihr Fazit, sei nicht mit dem Krisenjahr 2022 vergleichbar, denn eine physische Gasknappheit drohe nicht.




















