Zerschmetterte Handgelenke, gebrochene Schlüsselbeine, im schlimmsten Fall Schädel-Hirn-Traumata: Was Ärztinnen und Ärzte am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in den vergangenen Sommermonaten in ihren Notaufnahmen und Operationssälen versorgt haben, hat sie alarmiert. Mediziner mehrerer Fachkliniken schlagen deshalb gemeinsam Alarm und richten einen dringenden Appell an die Öffentlichkeit. Ihr Ziel: Kinder und Jugendliche besser vor den oft schweren Folgen von E-Scooter-Unfällen schützen, bevor es zu weiteren Tragödien oder gar Todesfällen kommt.
Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild. Bereits 2025 kletterte die Zahl der bundesweiten E-Scooter-Unfälle mit Verletzten oder Getöteten um 38 Prozent nach oben. 16.496 solcher Unfälle mit Personenschaden registrierte die Polizei laut Statistischem Bundesamt. Besonders dramatisch: Bei den 6- bis 18-Jährigen schnellte die Zahl der Opfer gegenüber dem Vorjahr um rund 75 Prozent in die Höhe. Die bisherigen Fälle am UKS lassen befürchten, dass sich dieser Trend im laufenden Jahr fortsetzt.
Hinter den Statistiken stehen einzelne Schicksale, die auch erfahrene Fachleute nicht kaltlassen. „Wir haben in den vergangenen Monaten schwere und auch schwerste Verletzungen gesehen und versorgt: von großflächigen Wunden über Gelenksverletzungen bis hin zu Organschäden und sogar Schädelbrüchen“, sagt Prof. Dr. Marc Remke, geschäftsführender Direktor der Kinderkliniken am UKS. Er selbst sei zweifacher Vater, und es erschüttere ihn zutiefst, wenn eine Rollerfahrt für junge Menschen so traumatisch ende und mitunter lebenslange Folgen habe.
Remke, der den gemeinsamen Schritt der Mediziner an die Öffentlichkeit angestoßen hat, setzt vor allem auf die Eltern. Gemeinsam mit ihren Kindern sollten sie für besseren Schutz sorgen. Ein Helm sei unerlässlich, um Kopfverletzungen vorzubeugen. Protektoren an Kleidung und Stiefel, wie man sie vom Skateboarden oder Inlineskaten kenne, könnten Gelenkverletzungen abmildern. Wer im Dunkeln unterwegs sei, brauche Licht und Reflektoren. Fahrten zu zweit oder das Tuning der Roller auf höhere Geschwindigkeiten seien nicht nur verboten, sondern schlicht brandgefährlich.
Wie häufig die Verletzungen einem bestimmten Muster folgen, beschreibt Prof. Dr. Emmanouil Liodakis, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. „Bei Stürzen mit dem E-Scooter sehen wir häufig Knochenbrüche der oberen Extremitäten, insbesondere an Handgelenk, Unterarm und Schlüsselbein“, erklärt er. Sie entstünden oft beim Versuch, den Sturz mit den Armen abzufangen. Vielen jungen Fahrern sei nicht bewusst, dass daraus langwierige Behandlungen und in Einzelfällen bleibende Beschwerden folgen könnten.
Besonders tückisch ist die Bauart der Geräte. Dr. Johannes Bay, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in der Notaufnahme, verweist auf die verhältnismäßig kleinen Räder. „Hindernisse wie Bordsteine oder Unebenheiten auf der Fahrbahn können das Vorderrad abrupt abbremsen und Kinder und Jugendliche dabei unvorhergesehen nach vorn schleudern“, sagt er. Im schlimmsten Fall drohe ein Schädel-Hirn-Trauma mit erheblichen Folgeschäden. Die aktuelle Studienlage untermauert die Warnung: Das Risiko für solche Traumata liegt bei E-Scooter-Fahrern demnach 3,5-mal höher als bei Motorradfahrern, das Risiko für Gefäßverletzungen um fast das Dreifache.




















