Ein Praktikum in einer Dubliner Firma, Hospitationen an Schulen in Warschau oder mehrere Wochen in einer école maternelle bei Metz: Für 121 Auszubildende, Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte an saarländischen Berufsschulen ist Europa in den vergangenen zwei Jahren zum konkreten Erfahrungsraum geworden. Möglich machte das Erasmus+, das EU-Bildungsprogramm, für das nun das Ministerium für Bildung und Kultur eine Bilanz des dritten Projektjahres vorlegt.
„Erasmus+ öffnet unseren Schulen die Türen nach Europa“, sagt Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot. Internationale Erfahrungen erweiterten den Horizont fachlich, sprachlich und persönlich. Gerade in einer vernetzten Arbeitswelt seien solche Einblicke von unschätzbarem Wert. „Deshalb investieren wir gezielt in internationale Bildungsangebote und unterstützen unsere beruflichen Schulen dabei, Europa im Schulalltag erlebbar zu machen“, so die Ministerin.
Den organisatorischen Rahmen liefert dabei ein Konstrukt, das den einzelnen Schulen viel bürokratischen Aufwand erspart. Seit 2022 ist das Ministerium als sogenannter Konsortialführer akkreditiert. Das bedeutet: Die beruflichen Schulen kommen an europäische Fördermittel, ohne selbst eine eigene Erasmus+-Zulassung beantragen zu müssen. Verwaltung und Organisation übernimmt das Ministerium. Für das dritte Projektjahr standen dem saarländischen Konsortium 344.180 Euro zur Verfügung, von denen mehr als 87 Prozent direkt an den teilnehmenden Schulen ankamen.
Das Netzwerk reicht mittlerweile flächendeckend. Alle 20 Berufsbildungszentren des Landes gehören dazu oder sind eigenständig akkreditiert und schicken regelmäßig Auszubildende, Lernende und Lehrkräfte ins Ausland. Im Projektzeitraum 2024 bis 2026 wurden 50 Auszubildendenmobilitäten, 21 Fortbildungen für Lehrkräfte, 42 sogenannte Job-Shadowings sowie acht Gruppenreisen mit 79 Schülerinnen und Schülern gefördert. Die Ziele lagen unter anderem in Frankreich, Irland, Italien, Malta, Schweden, Polen, Luxemburg und Spanien.
Hinter den Zahlen stecken konkrete Wege: Angehende Kaufleute aus Saarbrücken sammelten Praxiserfahrung in Dublin, Lernende der Edith-Stein-Schule absolvierten Praktika in Kindertagesstätten in Riga und Warschau. Auszubildende des Sozialpflegerischen Berufsbildungszentrums Saarbrücken verbrachten mehrere Wochen in einer Vorschule im Raum Metz. Andere Reisen führten bis nach Südfrankreich oder auf die Insel La Réunion.
Besonders auffällig ist der Anstieg beim Job-Shadowing, bei dem Lehrkräfte den Kolleginnen und Kollegen im Ausland über die Schulter schauen. Dieses Format wurde deutlich häufiger genutzt als in den Vorjahren. Es fördert nicht nur den Austausch über neue Unterrichtskonzepte, sondern legt oft den Grundstein für dauerhafte Schulpartnerschaften und künftige Programme.
Der Blick richtet sich bereits nach vorn. Für das Schuljahr 2026/27 sind Mobilitäten nach Frankreich, Spanien, Malta und Finnland geplant. Auf strategischer Ebene vertiefte das Ministerium zudem die Zusammenarbeit mit der Académie de Montpellier, gemeinsame Aktivitäten in der Heilerziehungspflege, im Büromanagement, in der Hotellerie und im Maler- und Lackiererhandwerk sind in Vorbereitung. Das erklärte Ziel: noch mehr jungen Menschen und Lehrkräften internationale Erfahrungen ermöglichen und die europäische Dimension der beruflichen Bildung im Saarland dauerhaft verankern.


















