Elf Tage Hitzewarnung gelten kaum als Überraschung. Trotzdem geriet der saarländische Rettungsdienst nach Darstellung der Saarbrücker Zeitung am vergangenen Wochenende an seine Belastungsgrenze – mit der Folge, dass am Sonntag kurzfristig ein Krisentreffen von Innenministerium, Integrierter Leitstelle und Katastrophenschutz einberufen werden musste. Für die FDP Saar ist das ein deutliches Warnsignal.
„Die Meldung bestätigt, was aus dem Rettungsdienst seit Tagen zu hören ist: Das System war bei dieser vorhersehbaren Belastungsspitze nicht ausreichend vorbereitet“, kritisiert Dr. Helmut Isringhaus, gesundheitspolitischer Sprecher der Liberalen. Wenn erst am Sonntagmittag zusätzliche Krankentransporte über ehrenamtliche Kräfte organisiert werden müssten, sei das aus seiner Sicht kein Beleg für vorausschauende Planung.
Die Zahlen unterstreichen die angespannte Lage. Nach Angaben des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) waren die üblichen Wochenend-Kapazitäten ausgeschöpft. An einem normalen Sonntag stehen landesweit 52 Fahrzeuge bereit, unter der Woche sind es 59. Erst der Katastrophenschutz konnte kurzfristig sechs weitere Wagen mobilisieren. Gleichzeitig stieg das Notrufaufkommen in den vergangenen Tagen um mehr als sieben Prozent.
Dass die Versorgung dennoch nicht zusammenbrach, rechnet Isringhaus ausdrücklich den Einsatzkräften an. „Das ist vor allem der Leistung der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräfte zu verdanken“, betont er. Zugleich dürfe es nicht der politische Anspruch sein, ein kritisches System erst dann zu stabilisieren, wenn es bereits am Limit arbeite.

Konkret fordert die FDP einen verbindlichen Hitze- und Einsatzspitzenplan für Rettungsdienst und Krankentransport. Bei mehrtägigen Hitzewarnungen, steigenden Notrufzahlen oder absehbaren Großlagen sollen zusätzliche Kapazitäten frühzeitig aktiviert werden. Rettungswagen dürften nicht regelhaft Krankentransporte übernehmen, weil sie dann für echte Notfälle fehlten. Auch verbindliche Pausen und Entlastung für das Personal gehören für die Partei dazu.
Ebenso müsse der erweiterte Rettungsdienst verlässlicher aufgestellt werden. Ehrenamtliche Strukturen seien unverzichtbar, dürften aber nicht nur als kurzfristige Notreserve dienen. Hilfsorganisationen bräuchten klare Alarmierungswege, eine verlässliche Finanzierung und feste Einsatzkonzepte. Darüber hinaus regt Isringhaus an, die Feuerwehren stärker als First Responder einzubinden. Dafür genügten in der Praxis zwei bis drei entsprechend ausgebildete Kräfte aus einem Löschbezirk, um bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes qualifizierte Erstmaßnahmen einzuleiten.
„Viele Voraussetzungen sind bereits vorhanden: Fahrzeuge, Funkmeldeempfänger, Kommunikationsmittel, medizinische Grundausbildung und häufig auch geeignetes Material“, so der Gesundheitspolitiker. Das solle man nicht schlechtreden, sondern intelligent nutzen – auch, um die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Rettungsdienst zu vertiefen und neue Mitglieder fürs Ehrenamt zu gewinnen.
Gesundheits- und Innenministerium fordert die FDP nun auf, die Lage in einer offenen Schwachstellenanalyse auszuwerten. Geprüft werden solle unter anderem, ob Hilfsfristen überschritten wurden, wie oft Rettungswagen für Krankentransporte gebunden waren und wie stark das Personal belastet wurde. „Der Rettungsdienst ist Teil der kritischen Infrastruktur. Hitzewellen und Extremwetter werden häufiger“, mahnt Isringhaus abschließend. Das Saarland dürfe nicht jedes Mal improvisieren, sondern brauche vorbereitete Strukturen und klare Schwellenwerte.

















