Mehr als 1.500 kolorierte Katasterkarten aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert sind nach anderthalb Jahren aufwendiger Restaurierung dauerhaft gesichert. Das Saarländische Landesarchiv hat damit ein Bundesprojekt abgeschlossen, das einen der frühesten kartografischen Schätze der Region vor dem Verfall bewahrt – die erste systematische Landesaufnahme an der Saar, die überwiegend aus dem ehemaligen Fürstentum Nassau-Saarbrücken stammt.
Insgesamt 1.567 Karten zu 69 saarländischen Orten wurden im Rahmen des Projekts erfasst, behandelt und fachgerecht verpackt. Finanziert wurde das Vorhaben mit einem Volumen von 50.000 Euro je zur Hälfte vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und vom Landesarchiv selbst. Ohne diese Förderung wäre die Arbeit schlicht nicht möglich gewesen, denn weder das Landesarchiv noch ein anderes öffentliches Archiv im Saarland verfügt über eine eigene Restaurierungswerkstatt.
Der Zustand der großformatigen Blätter war vor Projektbeginn höchst unterschiedlich. Bei der systematischen Schadenserfassung stellte sich heraus, dass 229 Karten – knapp 15 Prozent des Bestandes – schwere bis schwerste Schäden aufwiesen. Weitere 527 Karten, also rund ein Drittel, waren mittelschwer beschädigt. Schimmelbefall, Risse und Fehlstellen zählten zu den häufigsten Schadensbildern. Diese insgesamt 756 betroffenen Blätter wurden in zwei Chargen beim Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig restauratorisch bearbeitet: Beschädigte Bereiche wurden geschlossen und stabilisiert, um weiteren Substanzverlust bei künftiger Nutzung zu verhindern.
Gut die Hälfte des Bestandes – 811 Karten mit lediglich leichten Gebrauchsspuren – konnte direkt im Landesarchiv behandelt werden. Eine eigens eingestellte Projektkraft reinigte die Blätter behutsam mit Naturkautschukschwamm und weichem Zeichenbesen und verpackte sie anschließend in großformatige Mappen. Ergänzend wurde eine datenbankgestützte Verzeichnung des gesamten Bestandes abgeschlossen, die den wissenschaftlichen Zugang erheblich erleichtert.
Für die Regional- und Lokalgeschichtsforschung ist der restaurierte Bestand von erheblichem Wert. Die Karten gelten als die oft frühesten detailgetreuen Ortsaufnahmen aus dem Gebiet des heutigen Saarlandes und dokumentieren einen sehr frühen Fonds kartografischer Arbeit aus der deutsch-französischen Grenzregion. Eines der ältesten Blätter etwa zeigt das Dorf Engelfangen im Jahr 1759 mitsamt der Burg Bucherbach, die einst als Witwensitz von Elisabeth von Lothringen diente.
Damit die Karten nicht nur konserviert, sondern auch breit zugänglich werden, läuft seit Februar 2026 ihre schrittweise Digitalisierung. In der zweiten Jahreshälfte 2026 sollen die Blätter online abrufbar sein – ein Schritt, der Forschenden und Geschichtsinteressierten gleichermaßen zugutekommt. Das Projekt reiht sich in eine mittlerweile achtjährige Erfolgsgeschichte ein: Seit 2016 hat das Landesarchiv sechs vergleichbare Bestandserhaltungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von knapp 194.000 Euro durchgeführt und damit immer wieder bewiesen, dass auch ohne eigene Werkstatt substanzielle Kulturgutsicherung gelingen kann, wenn Bund und Land an einem Strang ziehen.























