Nach Monaten intensiver Diskussionen und wachsendem öffentlichen Druck liegt nun eine Entscheidung für die Zukunft des Krankenhausstandorts Neunkirchen vor. Das saarländische Gesundheitsministerium und die Marienhaus-Gruppe haben ihre Pläne vorgestellt – mit einer klaren Neuordnung der medizinischen Versorgung im Landkreis. Im Mittelpunkt steht eine grundlegende Umstrukturierung des Marienhaus Klinikums Neunkirchen, die sowohl Spezialisierung als auch eine stärkere Aufgabenteilung zwischen den Kliniken vorsieht.
Gesundheitsminister Magnus Jung betonte dabei die Bedeutung der Einigung: „Es ist gut, dass nach vielen Monaten intensivster Gespräche eine Lösung im Einvernehmen mit den Trägern für die medizinische Versorgung in Neunkirchen und St. Wendel gefunden wurde. Damit werden im Raum Neunkirchen vorhandene Doppelstrukturen abgebaut und die somatische Versorgung langfristig gesichert.“ Zugleich werde der Standort St. Wendel gestärkt und Investitionen in beiden Regionen seien vorgesehen. Ein zentraler Punkt der neuen Planung ist die Abkehr von der ursprünglich vorgesehenen Verlagerung der Geburtshilfe nach St. Wendel.
Künftig soll das Marienhaus Klinikum Neunkirchen als spezialisierte Fachklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin ausgerichtet werden. Ergänzt wird dieses Profil durch eine Kinder-Intensivstation, das Sozialpädiatrische Zentrum, ein geplantes medizinisches Versorgungszentrum sowie zusätzliche Angebote der Kinder- und Jugendhilfe. Parallel dazu werden zentrale Bereiche wie Notfallversorgung, Innere Medizin und Allgemeinchirurgie am Diakonie Klinikum Neunkirchen gebündelt. Die strukturellen Veränderungen sollen frühestens zum 1. Januar 2027 umgesetzt werden.
Sebastian Spottke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Marienhaus-Gruppe, sieht in der Entscheidung einen richtungsweisenden Schritt: „Als nicht gewinnorientiert ausgerichtetes Sozialunternehmen wird uns durch die Wandlung unseres Klinikums in Neunkirchen die Möglichkeit gegeben, als Schwerpunktversorger für Frauen, Mütter, Kinder und Jugendliche langfristig die Versorgung zu sichern und sehr viele Arbeitsplätze dauerhaft erhalten zu können.“ Gleichzeitig sprach er von einem „innovativen neuen Weg der Schwerpunktversorgung“, der bundesweit Modellcharakter haben könne.

Die politische und gesellschaftliche Reaktion auf die Entscheidung fällt unterschiedlich aus. Die Linke Saar bewertet den Erhalt zentraler medizinischer Bereiche am Standort Kohlhof als Erfolg eines breiten öffentlichen Engagements. Landesvorsitzender Florian Spaniol erklärte: „Dass zentrale Bereiche wie Geburtshilfe und Pädiatrie nun doch in Kohlhof bleiben, zeigt klar: Der ursprüngliche Kurs der Landesregierung war falsch. Ohne den massiven Widerstand vor Ort wären diese Strukturen unwiederbringlich verloren gegangen.“ Zugleich kritisierte er die bisherige Krankenhauspolitik deutlich und forderte eine grundsätzliche Neuausrichtung. „Die Menschen im Saarland brauchen keine Notlösungen und kein ständiges Hin und Her, sondern eine verlässliche und wohnortnahe Gesundheitsversorgung“, so Spaniol weiter. Es brauche klare politische Garantien für alle Klinikstandorte, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Auch die Gewerkschaft ver.di sieht in der Entscheidung ein wichtiges Signal, insbesondere für Beschäftigte und die regionale Versorgung. Der Erhalt der Kinderklinik sowie der Ausbau zentraler Bereiche seien das Ergebnis monatelangen Drucks aus Belegschaft und Bevölkerung. Bezirksgeschäftsführer Christian Umlauf erklärte: „Dass der Standort Kohlhof bleibt, ist ein bedeutender Erfolg. Dieser Erfolg ist vor allem dem großen Engagement der Beschäftigten und dem breiten Rückhalt in der Bevölkerung zu verdanken.“ Gleichzeitig mahnte ver.di eine transparente Umsetzung der Pläne sowie verlässliche Arbeitsbedingungen an und kündigte an, mögliche Stellenentwicklungen kritisch zu begleiten.
• Konzentration von Notfallversorgung, Innerer Medizin und Allgemeinchirurgie am Diakonie Klinikum Neunkirchen
• Aufbau einer Notfallambulanz für Kinder- und Jugendmedizin sowie Gynäkologie
• Erweiterung um Kinder-Intensivstation und Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ)
• Geplantes medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) für Kinder- und Jugendmedizin
• Zusätzliche Angebote der Kinder- und Jugendhilfe (z. B. Mutter-Kind-Wohngruppen)
• Prüfung eines neuen Angebots im psychischen und psychosomatischen Bereich für Kinder und Jugendliche • Stärkung des Klinikstandorts St. Wendel mit bestehenden Fachbereichen
• Ziel: Abbau von Doppelstrukturen und klare Aufgabenteilung zwischen den Standorten
• Umsetzung der Strukturreform frühestens ab 1. Januar 2027
Die FDP Saar spricht ebenfalls von einer klaren Kurskorrektur. Der gesundheitspolitische Sprecher Dr. Helmut Isringhaus bezeichnete die Entwicklung als „positive Wende im Klinikstreit“ und erklärte: „Die Vernunft hat sich durchgesetzt. Eine Verlagerung nach St. Wendel wäre ein klarer Fehler gewesen – medizinisch wie strukturell.“ Zugleich kritisierte die FDP das frühere Vorgehen des Ministeriums, das zu Verunsicherung geführt habe. Die nun geplante Spezialisierung und Aufgabenteilung bewertet die Partei hingegen als sinnvollen Ansatz für eine moderne Krankenhausplanung.
Mit der vorgestellten Lösung ist die Zukunft des Standorts Neunkirchen zwar neu definiert, die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch erst mit der Umsetzung. Ob die geplante Struktur langfristig trägt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.


















