
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat am Donnerstag in Berlin den flächendeckenden Einsatz digitaler Planungsmethoden im deutschen Fernstraßenbau verkündet. „Deutschland wird BIM-Land!“, erklärte der Minister beim „Dialogforum Bundesfernstraßen Digital“ vor mehr als 1000 Teilnehmenden, die teils im Ministerium vor Ort, teils per Livestream zugeschaltet waren. Was bislang in einzelnen Pilotprojekten erprobt wurde, soll ab sofort zur verbindlichen Arbeitsweise werden: Building Information Modeling – kurz BIM – wird zum Regelprozess für sämtliche relevanten Vorhaben an Bundesfernstraßen.
Hinter dem Kürzel verbirgt sich eine Methode, bei der Straßen, Brücken und andere Bauwerke zunächst als detaillierte digitale Modelle entstehen, bevor der erste Bagger rollt. Planungsfehler lassen sich so früher erkennen, Kosten präziser kalkulieren und Bauzeiten verkürzen. Auch der spätere Betrieb und die Instandhaltung der Infrastruktur sollen von den einheitlichen Datenmodellen profitieren. Das Bundesverkehrsministerium betrachtet den Schritt als zentralen Baustein seiner Digitalisierungsstrategie im Infrastrukturbereich.
Schnieder stellte den BIM-Rollout in einen größeren politischen Zusammenhang. „Deutschland braucht zuverlässige und leistungsfähige Verkehrswege. Dafür investieren wir umfangreich und schaffen mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz die Voraussetzungen, um Planungen deutlich zu beschleunigen“, sagte er. Man vereinfache Verfahren, reduziere Bürokratie und mache die Digitalisierung zum Standard. BIM spiele dabei eine Schlüsselrolle, weil die Methode effizientere Prozesse, bessere Kostenkontrolle und eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten ermögliche. „Jetzt kommt es darauf an, BIM konsequent anzuwenden – bei großen wie bei kleinen Projekten“, betonte der Minister.
Rechtlich flankiert wird der Umstieg durch das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, das digitale Methoden wie BIM stärkt und verbindlicher macht. Es soll die Grundlage dafür schaffen, Genehmigungsverfahren zu modernisieren und digitale Standards dauerhaft im Straßenbau zu verankern. Damit reagiert der Bund auf eine Kritik, die aus der Baubranche seit Jahren zu hören ist: Zu viele Großprojekte scheitern an veralteten Planungsabläufen, uneinheitlichen Datenformaten und mangelnder Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen.
Genau diesen Abstimmungsbedarf adressierte das Dialogforum in Berlin. Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis diskutierten über die Standardisierung von Daten- und Prozessmodellen, über die Frage, wie sich BIM in bestehende Verwaltungsstrukturen integrieren lässt, und über den erheblichen Schulungsbedarf, den die Umstellung mit sich bringt. Auch die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, der Autobahn GmbH des Bundes und der DEGES – der Projektgesellschaft für den Fernstraßenbau – stand im Mittelpunkt der Gespräche.
Der Termin markiert einen Wendepunkt für die Infrastrukturplanung in Deutschland. Während BIM in Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden oder Skandinavien längst zum Pflichtprogramm gehört, blieb die Methode hierzulande bislang weitgehend auf Modellvorhaben beschränkt. Mit dem nun erklärten Regelbetrieb will das Ministerium diesen Rückstand aufholen. Ob der ambitionierte Zeitplan hält, wird sich an der konkreten Umsetzung in den kommenden Monaten zeigen – und daran, ob die nötigen Fachkräfte und digitalen Kompetenzen in Behörden und Unternehmen tatsächlich schnell genug aufgebaut werden können.




















