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Neue Flugziele, vereinfachte EU-Beihilferegeln und ein klares politisches Bekenntnis: Der Flughafen Saarbrücken soll nach dem Willen der SPD-Landtagsfraktion als internationaler Verkehrsstandort nicht nur erhalten, sondern gezielt ausgebaut werden. Sebastian Schmitt, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion, bezeichnete den Airport am Donnerstag als „unverzichtbaren Standortfaktor“, der Wachstum, Beschäftigung und touristische Attraktivität für das gesamte Saarland sichere.

Im Zentrum der Debatte steht eine europäische Weichenstellung, die für kleinere Regionalflughäfen erhebliche Konsequenzen haben könnte. Der aktuell diskutierte Entwurf einer neuen Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung der EU würde es ermöglichen, staatliche Unterstützungs- und Investitionsbeihilfen für Airports mit weniger als 500.000 Passagieren deutlich unbürokratischer zu gewähren. Bislang mussten solche Hilfen aufwendige Notifizierungsverfahren in Brüssel durchlaufen – ein Prozess, der langfristige Planung oft erschwerte. „Damit verschwindet ein Stück weit das Damoklesschwert über kleineren Flughäfen“, sagte Schmitt und verwies darauf, dass gerade die fehlende Planungssicherheit bisher ein Hindernis gewesen sei, neue Partner zu gewinnen und strategische Konzepte umzusetzen.

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Für Saarbrücken sei diese Entwicklung besonders relevant, weil der Flughafen im direkten Wettbewerb mit Standorten wie Weeze oder Memmingen stehe, die in der Vergangenheit von erheblichen privaten Investitionen profitiert hätten. Die vereinfachten Beihilferegeln könnten diesen Nachteil zumindest teilweise ausgleichen und den Airport langfristig wettbewerbsfähiger aufstellen – selbstverständlich innerhalb klarer europäischer Vorgaben, wie Schmitt betonte.

Parallel zur regulatorischen Ebene gibt es auch operativ Bewegung. Ab dem Sommerflugplan 2026 werden drei neue europäische Destinationen von Saarbrücken aus angeflogen: Alicante, Lamezia Terme und Trapani. Angeboten werden die Verbindungen von Ryanair, die damit als neue Fluggesellschaft am Standort aktiv wird. Schmitt wertete das als „positives Signal für unseren Flughafen und für viele Reisende aus der Region“. Gerade die günstigen Tarife des irischen Billigfliegers könnten zusätzliche Nachfrage generieren und dem Airport mehr Sichtbarkeit im europäischen Flugverkehr verschaffen.

Die SPD-Fraktion verfolgt damit eine doppelte Strategie: Einerseits sollen die politischen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass der Flughafen handlungsfähig bleibt und investieren kann. Andererseits geht es darum, durch ein wachsendes Streckennetz die Attraktivität des Standorts für Passagiere und Airlines gleichermaßen zu steigern. „Wir wollen den Flughafen Saarbrücken als verlässlichen Verkehrsstandort sichern und gleichzeitig dafür sorgen, dass er sich wirtschaftlich stabil entwickeln kann“, fasste Schmitt die Zielsetzung zusammen.

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Ob die neue EU-Verordnung tatsächlich in der erhofften Form kommt, bleibt abzuwarten. Doch allein die Aussicht darauf verändert die Tonlage in der Debatte um die Zukunft kleinerer Regionalflughäfen. Für Saarbrücken könnte sich damit ein Fenster öffnen, das den Weg vom dauerhaften Subventionsempfänger hin zu einem wirtschaftlich tragfähigeren Modell ebnet – vorausgesetzt, die neuen Verbindungen finden auch genügend Passagiere.

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