Fast 400 Faxgeräte stehen noch immer in den Büros der saarländischen Landesverwaltung – und das im Jahr 2026. Was klingt wie eine Anekdote aus dem Technikmuseum, ist das Ergebnis einer Anfrage der CDU-Landtagsfraktion, deren Antwort die Landesregierung nun vorgelegt hat. Für die Opposition ist die Zahl mehr als eine Kuriosität: Sie sieht darin ein Symptom für eine Digitalisierung, die trotz großer Ankündigungen im Alltag kaum vorankommt.
Konkret betreibt die Landesverwaltung laut Drucksache 17/2066 noch 388 Faxgeräte und unterhält 443 aktive Faxanschlüsse. Die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Anja Wagner-Scheid findet dafür deutliche Worte: „Die digitale Verwaltung im Saarland steckt vielerorts noch im letzten Jahrhundert.“ Einen verbindlichen Zeitplan für die Abschaltung der Geräte gebe es nicht. Die Landesregierung setze offenbar darauf, „dass sich das Problem irgendwann von selbst erledigt“.
Besonders brisant ist ein Detail, das die Regierung in ihrer Antwort selbst einräumt: Faxübertragungen gelten mittlerweile als unsicher, weil sie häufig über ungeschützte Netze laufen. Trotz dieser Erkenntnis bleibt die Technologie fester Bestandteil der Behördenkommunikation. Warum Ministerien und Ämter dennoch daran festhalten, begründet die Landesregierung unter anderem mit Fristwahrung, organisatorischen Gewohnheiten und der Nutzung durch einzelne externe Partner. Wagner-Scheid hält diese Argumente für „wie aus der Zeit gefallen“ – international gelte das Fax längst als Sinnbild digitaler Rückständigkeit.
Auch die Geschwindigkeit des Abbaus gibt der Opposition Anlass zur Kritik. Innerhalb von drei Jahren seien gerade einmal 35 Faxgeräte dokumentiert außer Betrieb genommen worden. Wie viele Geräte darüber hinaus tatsächlich stillgelegt wurden, könne die Landesregierung nicht beziffern. Ebenso wenig liegen offenbar belastbare Zahlen zu den laufenden Kosten des Faxbetriebs vor. Für Wagner-Scheid offenbart das einen grundsätzlichen Mangel an Steuerung: „Eine ernsthafte Steuerung der Digitalisierung sieht anders aus.“
Die CDU-Fraktion fordert deshalb einen klaren Fahrplan mit verbindlichen Fristen, vollständige Transparenz über die entstehenden Kosten und eine konsequente Abschaltung veralteter Technik. Solange das ausbleibe, wiederhole sich ein Muster, das die Verwaltungsdigitalisierung im Saarland seit Jahren präge: große Versprechen auf der einen Seite, beharrliche alte Strukturen auf der anderen. Das Faxgerät, so die Botschaft der Opposition, sei dabei nur das sichtbarste Relikt einer Transformation, die bislang mehr auf dem Papier stattfinde als in der Praxis.
Ob die Landesregierung auf die Kritik mit konkreten Maßnahmen reagiert, bleibt abzuwarten. Die Zahlen jedenfalls sprechen eine eigene Sprache – und sie klingen verdächtig nach dem Piepen einer Faxleitung.

















