Lyrik, die nicht laut sein muss, um zu wirken – unter diesem Leitgedanken empfängt die galerie m beck am heutigen Freitag, 24. April 2026, um 19 Uhr die Autorin Claudia Birkheuer zu einer Lesung im Historischen Schwedenhof in Homburg-Schwarzenacker. Unter dem Titel „Sichtweisen – Nebenklang und Hintersinn“ trägt Birkheuer ausgewählte Gedichte vor, die sich in den Zwischenräumen von Wahrnehmung und Deutung, von Sprache und Gefühl bewegen. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Erlesen im Saarland“, die sich der literarischen Qualität aus der Region verschrieben hat.
Birkheuers neuer Gedichtband kreist um ein Bild, das zugleich als Metapher für ihre gesamte Poetik taugt: die Artischocke. Stachelig nach außen, kostbar im Inneren, gibt die Pflanze ihre Schönheit erst beim behutsamen Öffnen preis. Genau so funktionieren auch die Texte der Autorin. Sie entfalten sich nicht auf den ersten Blick, sondern gewinnen ihre Kraft im Nachhall, in dem, was zwischen den Zeilen mitschwingt.
Die Gedichte bewegen sich dabei durch ein weites Spektrum menschlicher Erfahrung. Raue Momente stehen neben zarten, Zweifel neben Hoffnung. Birkheuer greift Sinnfragen ebenso auf wie gesellschaftliche Themen und alltägliche Beobachtungen. Ihre Verse kommen ohne große Gesten aus und setzen stattdessen auf Rhythmus, Präzision und ein feines Gespür für Zwischentöne.
Bemerkenswert ist dabei die Grundstimmung, die selbst in den widersprüchlichen und herausfordernden Passagen durchscheint. Birkheuers Lyrik bleibt nah am Leben – ehrlich, wach und offen. Auch dort, wo sie Brüche und Widersprüche benennt, bewahrt sie eine Zuversicht, die nie aufgesetzt wirkt. Es ist Poesie, die zum genauen Hinsehen einlädt und zum Innehalten auffordert, ohne den Leser zu belehren.
Die Reihe „Erlesen im Saarland“ versteht sich als Bühne für zeitgenössische Literatur mit regionalem Bezug, sorgfältig kuratiert und mit dem Anspruch, Sprache als eigenständige Kunstform erlebbar zu machen. Birkheuers Lesung fügt sich mit ihrem leisen, vielschichtigen Ton nahtlos in dieses Programm ein.
Der Veranstaltungsort selbst unterstreicht den besonderen Charakter des Abends: Der Historische Schwedenhof liegt gegenüber dem Römermuseum in Homburg-Schwarzenacker, Am Schwedenhof 4. Der Eintritt beträgt 5 Euro. Eine Anmeldung ist erwünscht und kann telefonisch unter +49 (0) 6848 70119 0 oder per E-Mail erfolgen. Wer sich auf einen Abend einlassen möchte, an dem Worte mehr wiegen als Lautstärke, findet hier den passenden Rahmen.


















