Von allen Kostbarkeiten, die im Schloss Karlsberg Tisch und Tafel schmückten, sind in Homburg nur noch Scherben übrig. Ein Großteil an wertvollem Porzellan, die Fayencen und das Tafelsilber, das in der Karlsberger Silberkammer aufbewahrt wurde, wurden vor den Revolutionstruppen gerettet und nach Mannheim und später nach München verbracht. Ein Schadensinventar aus dem Jahr 1793 gibt jedoch Auskunft darüber, dass es viele Stücke nicht in die rettenden Transportkisten schafften. Bis heute blieben die Inventarlisten unerforscht, doch diese Archivalien geben, gemeinsam mit Scherbenfunden vom Karlsberg Auskunft darüber, aus welchem Porzellan der Kaffee getrunken wurde.
Als Schloss Karlsberg sich ab 1777 zum Lebensmittelpunkt des Herzogs Karl II. August entwickelte, fanden dort vermehrt Feste und Hoftafeln statt, für welche man angemessenes Tafelgeschirr benötigte. Zeitzeugen der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts berichten, dass nicht nur bei Forstarbeiten, sondern auch bei Spaziergängen und Streifzügen der Boden des Karlsberges immer wieder kleine Scherben freigab, denen man jedoch meist keinerlei Beachtung schenkte. Zu Unrecht, wie die Kunsthistorikerin Dr. Jutta Schwan, die seit September 2015 für das Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises beim Projekt WaldPark Schloss Karlsberg tätig ist, bedauernd feststellt. Sie nahm die Scherben, die nicht nur bei Grabungen, sondern auch als Zufallsfunde aufgelesen wurden, buchstäblich unter die Lupe. Es stellte sich heraus, dass gerade diese Scherbenfunde ein vielsagendes Zeitfenster in die Vergangenheit des Schlosses öffnen. Sie geben uns erstmals ein Bild davon, welch vielfältige Porzellansammlung man damals im Schloss besaß und berichten darüber hinaus vieles über die damalige Tisch- und Tafelkultur.

Foto: Dr.Jutta Schwan


















