
Zehn Baudenkmale im Saarland stehen in diesem Jahr auf der Förderliste der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Insgesamt 480.000 Euro will die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland dort investieren – eines der Projekte ist der ehemalige Bahnhof Differten in der Gemeinde Wadgassen, ein Relikt aus der Hochzeit des industriellen Eisenerzverkehrs zwischen Lothringen und dem Saarland.
Der Beschluss geht auf die jüngste Tagung der ehrenamtlichen Wissenschaftlichen Kommission der DSD zurück. Fünf Fachleute aus Denkmalpflege und Kunstwissenschaften berieten den Vorstand bei der Auswahl, am Ende standen bundesweit 408 Förderprojekte fest. Mit dem Versand der Zusagen an die Denkmaleigentümer hat das Förderjahr 2026 der Stiftung offiziell begonnen.
Der Bahnhof Differten erzählt dabei ein besonderes Stück Industriegeschichte. 1880 errichteten die Reichsbahnen Elsaß-Lothringen eine Bahnlinie, die das lothringische Thionville mit Völklingen verband – primär, um Eisenerz zu transportieren. Schon acht Jahre später wurde die zunächst eingleisige Strecke auf zwei Gleise erweitert und für den Personenverkehr freigegeben. Der vermutlich ebenfalls 1880 gebaute Bahnhof erfuhr im Zuge dessen eine Erweiterung und blieb bis zur Einstellung des Personenverkehrs 1992 in Betrieb.
Architektonisch verbindet das zweigeschossige Gebäude ein gemauertes Erdgeschoss mit einem in Fachwerk ausgeführten Obergeschoss. Unten befanden sich einst Schalterhalle und Warteraum, oben vermutlich die Wohnung des Bahnwärters, erreichbar über ein separates Treppenhaus. Später kam ein Dachgeschossausbau hinzu. Ein eingeschossiger Anbau auf der Ostseite fügt sich gestalterisch so harmonisch in den historischen Bestand ein, dass der gesamte Baukörper als Einheit wirkt.
Ob die DSD im Laufe des Jahres noch weitere Denkmale im Saarland und anderswo unterstützen kann, hängt von mehreren Faktoren ab: der Höhe der bis Jahresende eingeworbenen Spenden, den Erträgen der treuhänderisch verwalteten Stiftungen innerhalb der DSD sowie den Zweckerträgnissen der Lotterie GlücksSpirale, deren Destinatär die Denkmalschutzstiftung ist. Wie in den Vorjahren rechnet die Organisation damit, die Zahl der geförderten Projekte noch aufstocken zu können.
Die Stiftung versteht ihre Zuwendungen ausdrücklich auch als Anerkennung für das Engagement der Eigentümer, Fördervereine, Kommunen und Kirchengemeinden, die sich oft mit erheblichem persönlichen Einsatz um ihre Denkmale kümmern. Seit ihrer Gründung 1985 hat die DSD bundesweit rund 800 Millionen Euro für mehr als 7.600 Baudenkmale bereitgestellt. Getragen wird diese Arbeit von rund 200.000 Förderinnen und Förderern, die die Stiftung zur wohl größten privaten Denkmalschutzinitiative des Landes gemacht haben.
Für das Saarland bedeutet die diesjährige Zusage, dass erneut historische Substanz gesichert werden kann, die andernfalls dem Verfall preisgegeben wäre. Der Bahnhof Differten steht exemplarisch dafür: Ein Gebäude, das einst den Takt einer ganzen Region bestimmte und dessen Geschichte weit über die Gemeindegrenzen von Wadgassen hinausreicht – bis ins lothringische Erzrevier und in die Stahlstadt Völklingen.




















