Ganze 3,7 Milliarden Euro an Steuererlassen gingen im Jahr 2025 an lediglich 34 Großerbinnen und Großerben. Diese Zahl aus einer aktuellen Statistik des Statistischen Bundesamts steht im Zentrum eines gemeinsamen Appells von 21 Organisationen, die eine grundlegende Reform der Erbschaftsteuer fordern. Zu dem Bündnis zählt auch die Arbeitskammer des Saarlandes.
Möglich werden solche Steuernachlässe durch eine Regelung, die seit 2016 gilt: die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung für Unternehmensvermögen jenseits der Grenze von 26 Millionen Euro. In der Praxis führt sie dazu, dass sehr vermögende Unternehmenserbinnen und -erben kaum noch Erbschaftsteuer entrichten. Die 34 Begünstigten übernahmen zusammen Vermögen von rund 12 Milliarden Euro, zahlten darauf aber im Schnitt nur etwa zwei Prozent Steuer. Der Grund: Ihnen wurden 94 Prozent der eigentlich fälligen Abgabe erlassen.
Die Kritik der Verbände richtet sich gegen eine Entwicklung, die sie für gesellschaftlich brisant halten. Die Vermögensungleichheit in Deutschland gilt im internationalen Vergleich als besonders ausgeprägt, und geerbtes Vermögen gewinnt dabei zunehmend an Gewicht. Mehr als die Hälfte des privaten Vermögens hierzulande ist inzwischen nicht selbst erwirtschaftet, sondern vererbt. Etwa drei Viertel der deutschen Milliardärinnen und Milliardäre verdanken ihren Reichtum überwiegend einem Erbe.
Das Bündnis sieht darin einen Widerspruch zum eigenen gesellschaftlichen Selbstverständnis. Chancengleichheit und soziale Mobilität gerieten unter Druck, wenn wenige Familien über Generationen hinweg immer größeren Wohlstand und wachsenden Einfluss auf Politik und Gesellschaft weiterreichten. Nach Ansicht der Unterzeichnenden gefährdet dies langfristig demokratische Prozesse, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine zukunftsfähige Wirtschaft.
Besonders schwer wiegt für die Kritiker das Missverhältnis in der Besteuerung. Kleinere Erbschaften oberhalb der Freibeträge würden verhältnismäßig stark zur Kasse gebeten, während Erbinnen und Erben von Multimillionen- oder Milliardenvermögen dank zahlreicher Privilegien oft nur einen Bruchteil zahlten. Die Vergünstigungen für Unternehmenserben bezeichnen die Organisationen als die größte Steuersubvention im Bundeshaushalt. Seit ihrer Einführung im Jahr 2009 seien der Allgemeinheit dadurch bereits mehr als 100 Milliarden Euro entgangen.
Diese Summen fehlten an anderer Stelle, argumentiert das Bündnis. Während die breite Bevölkerung mit Kürzungen und höheren indirekten Steuern belastet werde, bleibe die Subvention für eine kleine Gruppe unangetastet. Dabei würden die Mittel dringend gebraucht: für die Finanzierung des Sozialstaats, für Angebote der Daseinsvorsorge sowie für Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Klimaschutz.
Die beteiligten Sozialverbände, Gewerkschaften, Umweltorganisationen und zivilgesellschaftlichen Initiativen vertreten nach eigenen Angaben mehrere Millionen Menschen. Zu ihnen gehören unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund, ver.di, Greenpeace, der Sozialverband VdK und der Paritätische Wohlfahrtsverband. Gemeinsam fordern sie die Bundesregierung auf, die Steuersubventionen für sehr große Unternehmensvermögen zu streichen und über eine gerechte Besteuerung großer Vermögen sicherzustellen, dass sich auch Superreiche angemessen an der Finanzierung des Gemeinwohls beteiligen. Nur so ließen sich Belastungen fair verteilen und der gesellschaftliche Zusammenhalt stärken.




















