50 and 20 euro banknotes
Foto: Ibrahim Boran
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Die steuerfreie 1000-Euro-Prämie der Bundesregierung soll Beschäftigten in wirtschaftlich angespannten Zeiten unter die Arme greifen. Doch aus Sicht des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) verschiebt die Politik damit vor allem eines: die finanzielle Last auf jene Betriebe, die sie am wenigsten schultern können. BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister formuliert es deutlich: „Hier geht es nicht um Komfort, sondern um die Frage, was wirtschaftlich in diesen angespannten Zeiten überhaupt noch tragfähig ist.“

Der Spitzenverband, der die Interessen von rund 6,2 Millionen Beschäftigten und Selbstständigen in den Freien Berufen vertritt, wirft der Koalition vor, die Debatte über Wettbewerbsfähigkeit an der betrieblichen Wirklichkeit vorbei zu führen. Freiberufliche Strukturen bestehen im Durchschnitt aus lediglich drei Mitarbeitenden – Arztpraxen, Kanzleien, Ingenieurbüros, Steuerberatungen. Genau dort, wo jede zusätzliche Pflicht unmittelbar auf den Alltag durchschlägt, treffe die Prämie mit voller Wucht. Kostensteigerungen hätten diese Betriebe ohnehin bereits an die Belastungsgrenze gebracht, argumentiert Hofmeister. Jede weitere Anforderung gehe direkt an die Substanz.

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Besonders scharf kritisiert der BFB, dass die Politik mit der Prämie einen Konflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern befeuere, statt echte Entlastung zu schaffen. „Umsetzung und finanzielle Risiken werden erneut auf die Arbeitgeber übertragen. Versprechungen zu Lasten Dritter sind aber wohlfeil!“, sagte Hofmeister. Für viele kleinere Betriebe bedeute das einen Aufwand, der weder personell noch organisatorisch oder finanziell aufgefangen werden könne. Der Verbandspräsident spricht von einem falschen Signal – politisch geweckte Erwartungen, die andere ausbaden müssten.

Hinzu kommt ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte bislang kaum Beachtung findet: Selbstständige profitieren von der steuerfreien Prämie überhaupt nicht. Wie schon bei der Aktivrente oder den Corona-Entlastungen gingen sie leer aus, moniert der BFB. „Auch das sorgt für Frust“, so Hofmeister. Dabei leisten allein die rund 1,49 Millionen selbstständigen Freiberuflerinnen und Freiberufler einen Beitrag von über zehn Prozent zum deutschen Bruttoinlandsprodukt und beschäftigen knapp 4,8 Millionen Menschen. Ihre wirtschaftliche Bedeutung steht also außer Frage – umso schwerer wiegt aus Sicht des Verbandes die politische Vernachlässigung.

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Der BFB fordert von der Koalition eine Wirtschaftspolitik, die kleine Strukturen nicht nur rhetorisch würdigt, sondern tatsächlich mitdenkt. „Die Koalition hat angekündigt, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dafür braucht es klare, durchdachte Maßnahmen und keine Regelungen, die in der Praxis neue Probleme schaffen“, betonte Hofmeister. Die wirtschaftspolitische Diskussion drehe sich zu häufig ausschließlich um Großunternehmen und übersehe dabei, wie Wirtschaft in Deutschland tatsächlich funktioniere – nämlich zu einem erheblichen Teil in Praxen, Büros und Kanzleien mit einer Handvoll Beschäftigter.

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Werden diese Betriebe dauerhaft überfordert, schwäche das am Ende die gesamte Volkswirtschaft, warnt der Verbandspräsident. Die Botschaft des BFB an die Bundesregierung ist unmissverständlich: Wer Entlastung verspricht, darf die Rechnung nicht an diejenigen weiterreichen, die ohnehin schon am Limit arbeiten. Ob die Kritik in Berlin Gehör findet, bleibt abzuwarten – die Debatte über die 1000-Euro-Prämie dürfte mit dieser Positionierung jedenfalls um eine gewichtige Stimme reicher sein.

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