Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer, KETTLER-Geschäftsführer Egbert Hageböck, Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger, KETLLER-Geschäftsführer Georg Honkomp und Jörg Schröder vom Grundstückseigentümer S.N.E.L. (v.l.n.r.) setzten am Montag den ersten Spatenstich für die neue Fahrradfabrik. - Foto: Bill Titze

Das Saarland als Zukunftsstandort – bei diesem Thema geht es meist um Batterien für Elektroautos oder Künstliche Intelligenz. Über Fahrradfabriken wurde bisher weniger gesprochen. Das war am Montag jedoch anders, denn da erfolgte in St. Ingbert der Spatenstich für eine solche Fabrik der KETTLER Alu-Rad GmbH. Auf 60.000 Quadratmetern sollen hier über 300 Jobs entstehen.

Nieselregen, böiger Wind und grauer Himmel – Fahrradwetter war bei diesem Spatenstich beim besten Willen nicht. Und so war auch keiner der zahlreichen Firmen- oder Pressevertreter mit dem Rad da. Nur ein einziges E-Bike war für die Fotografen am Rande der Baugrube aufgestellt. Als schlechtes Omen wollte das natürlich keiner der anwesenden Unternehmer und Politiker verstanden wissen.

Schließlich soll hier auf dem Kleber-Areal eine der „modernste Fahrrad-Produktionsstätten Europas“ entstehen, wie es der Geschäftsführer der KETTLER Alu-Rad GmbH, Egbert Hageböck, ausdrückte. Diese soll den bereits länger bestehenden KETTLER-Standort im saarländischen Hanweiler mit rund 80 Mitarbeitern ergänzen. Wie modern die Anlage wirklich wird, sei einmal dahingestellt. Die schiere Größe des Projekts ist jedoch auf jeden Fall beeindruckend.

Auf diesem 60. Quadratmeter großen Areal sollen ab kommendem Jahr 120.000 Fahrräder jährlich produziert werden. – Foto: Bill Titze

Auf 60.000 Quadratmetern Fläche möchte KETTLER mit über 300 Mitarbeitern 120.000 Fahrräder und E-Bikes jährlich produzieren. Dafür entstehen auf dem Gelände zwei Montagehallen mit Wareneingangslager, ein Verwaltungsgebäude und ein Hochregal, das ungefähr 50.000 E-Bikes fassen wird. Das alles soll bis zum ersten Quartal des kommenden Jahres fertiggestellt sein. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 75 Millionen Euro.

Kaum verwunderlich, dass die saarländische Wirtschaftsministerin bei solchen Zahlen kaum aus dem Strahlen herauskam. „Ich bin stolz, dass wir eine solche Ansiedlung hier im Saarland realisieren konnten“, so Anke Rehlinger (SPD). „Wir sind in Europa dabei, das Thema Mobilität komplett neu konzeptionieren. Da wird das Fahrrad eine große Rolle spielen.“ Für Rehlinger ist die neue Fabrik also eine echte Zukunftsinvestition.

Auf diesen Zug springt man natürlich auch vonseiten des Unternehmens auf. So wird von Geschäftsführer Hageböck nicht nur die Zukunftsfähigkeit des Verkehrsmittels Fahrrad betont, sondern auch die Nachhaltigkeit der Fabrik selbst hervorgehoben. „In diesem Zusammenhang wären beispielsweise die Energierückgewinnung in der Lackieranlage und die Energieeffizienz des Gebäudes zu nennen, die über die gesetzlichen Vorschriften hinaus gehen wird.“ Auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach werde während des Baus bereits vorbereitet.

Das alles entsteht auf einem Gelände, dass in den 1960er-Jahren noch für die Reifenproduktion konzipiert wurde. So war denn auch von den Rednern immer wieder zu hören, dass die Fahrradfabrik ein Symbol für den Strukturwandel sei. „Wir zeigen hier, dass man die Konversion von alten Industriebrachen umsetzen kann“, freute sich Jörg Schröder, der Geschäftsführer der S.N.E.L. Beratungsgesellschaft, der das Grundstück gehört.

Fürs Foto schwang sich Wirtschaftsministerin Rehlinger auf den einzigen Drahtesel weit und breit. – Foto: Bill Titze

Auch der St. Ingberter Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer unterstrich diesen Punkt. „Die Neunutzung des Geländes zeigt, dass der Strukturwandel, den wir im Saarland machen müssen, leistbar ist.“ Darüber hinaus sei das Projekt gerade auch für St. Ingbert als Biosphärenstadt ein gutes Zeichen. „Wir setzen hier mit der elektronischen Mobilität im Fahrradbereich einen wichtigen Akzent.“

Im April 2022 soll die Fertigung nach Wunsch des Unternehmens schließlich anlaufen. Spätestens dann dürften auch auf dem Kleber-Areal deutlich mehr Fahrräder zu sehen sein, als ein einziges E-Bike für die Fotografen.

 

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