Der große Saal des Kulturzentrum Saalbau war am gestrigen Abend früh auf Betriebstemperatur. Denn der Neujahrsempfang der Homburger Narrenzunft ist traditionell mehr als ein formeller Pflichttermin. Die beiden „Eulchen“ präsentierten das diesjährige Sessionsmotto „Bunt wie Europa, Närrisch wie wir“, ehe ein schwungvolles Medley der vier Tanzmariechen für den ersten Applaus sorgte. In dieser gelösten, erwartungsvollen Atmosphäre versammelten sich Vertreter aus Politik, Vereinen, Wirtschaft und Karneval zur traditionellen Verleihung der Homburger Kanone, die in diesem Jahr an Joachim Rippel ging.
Zunftmeister Rüdiger Schneidewind erinnerte in seiner Begrüßung daran, wofür die Kanone steht. Sie werde bewusst nicht für karnevalistische Leistungen vergeben, sondern „für außerordentliche gesellschaftliche und soziale Verdienste“. Gleichzeitig betonte er den besonderen Stellenwert der Auszeichnung für die Stadt. „Der heutige Empfang steht zum 20. Mal im Zeichen der Preisverleihung der Homburger Kanone“, sagte Schneidewind und verwies darauf, dass der Preis längst einen festen Platz im öffentlichen Leben habe. Auch die Skulptur selbst ist ein echtes lokales Produkt. „Diese Kanone ist ein echtes Homburger Gewächs“, erklärte Schneidewind. Das Grundgestell stamme von Stahlbau Kerth, das Kanonenrohr in Form einer Pilsflasche von Karlsberg, gepflegt werde die Skulptur mit Produkten von Dr. Theiss Naturwaren.
In seiner Laudatio zeichnete Schneidewind den Weg von Joachim Rippel nach – von frühen schulischen Engagements über seine Zeit im Bildungsbereich bis hin zu kommunalpolitischen Aufgaben. Zwar habe Rippel als Schulleiter, Beigeordneter und Oberbürgermeister wichtige Ämter bekleidet, die eigentliche Würdigung gelte jedoch vor allem seinem jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz. Besonders hervorgehoben wurde sein Engagement im Sport, unter anderem bei der SG Erbach, im Stadtverband für Sport sowie seine Unterstützung zahlreicher Vereine. Schneidewind würdigte dabei auch Rippels persönliche Art: Er habe die Menschen ernst genommen, sei verlässlich gewesen und werde parteiübergreifend geschätzt. Am Ende der Laudatio brachte er es mit einem augenzwinkernden Satz auf den Punkt: „Du bist eine echte Kanone.“
Joachim Rippel selbst zeigte sich in seiner Dankesrede offen und selbstkritisch. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihn die Ankündigung der Ehrung zunächst verunsichert hatte. „Als du mir vor gut sechs Monaten angedeutet hast, was da auf mich zukommt, da hast du mich nicht begeistert erlebt. Ich war unsicher, ob ich denn eine solche Auszeichnung tatsächlich verdiene“, sagte er. Ehrungen seien für ihn immer auch mit der Frage verbunden, ob andere diese Würdigung ebenso sähen. Mit einem Augenzwinkern stellte er die Frage, ob es wirklich „dieses große Kaliber“ gebraucht habe oder nicht auch „eine kleinkalibrige Geschichte“ gereicht hätte.
Gleichzeitig machte Rippel deutlich, dass sein berufliches und gesellschaftliches Wirken nie als Einzelleistung zu verstehen gewesen sei. Vielmehr habe er immer wieder Menschen getroffen, die bereit gewesen seien, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und über eigene Interessen hinauszudenken. „Ich habe immer wieder das Glück gehabt, Menschen zu treffen, die mit mir gemeinsam nach einem gemeinsamen Nenner suchten – und ihn auch fanden“, sagte Rippel. Dieses Miteinander, getragen von gegenseitigem Respekt und dem Willen, das Beste für die Stadt zu erreichen, habe sein Handeln geprägt. Dass dieses Vorgehen später als „Homburger Weg“ bezeichnet worden sei, nehme er heute als Anerkennung für dieses gemeinsame Arbeiten wahr. Mit humorvollem Dank wandte er sich schließlich an die Narrenzunft und das Publikum: „Ich wusste in der Tat nicht, dass ich so ein toller Kerl bin – aber ich nehme es an“, sagte Rippel unter Applaus.
Der Neujahrsempfang bot neben der Preisverleihung auch einen Ausblick auf die bevorstehende Kampagne der Homburger Narrenzunft. Zunftmeister Schneidewind erinnerte an die zentrale Rolle der Jugendarbeit im Verein mit über 400 Mitgliedern und rund 150 Aktiven. Mit der Ankündigung der kommenden Veranstaltungen – darunter Prunksitzung, Kinder- und Seniorensitzungen sowie die Rosenmontagsparty auf dem Homburger Marktplatz – wurde zugleich deutlich: Der Abend lieferte bereits einen ersten Vorgeschmack auf die Session, für die sich die Narrenzunft gut vorbereitet zeigt.
Alle Bilder: Friedel Simon

































































































