Anzeige

Deutschlands Offshore-Windparks könnten deutlich effizienter arbeiten, wenn ihre installierte Leistung gezielt über die Kapazität der Netzanbindung hinaus ausgebaut würde. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Beratungsunternehmens Frontier Economics, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore (BWO) gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Erstmals werden darin sowohl die Netz- als auch die Erzeugungsseite in einer wissenschaftlichen Gesamtbetrachtung zusammengeführt – mit konkreten Empfehlungen für die Politik.

Der Kernbefund: Eine sogenannte Überbauung, bei der die installierte Windparkleistung die Netzanschlusskapazität übersteigt, rechnet sich volkswirtschaftlich am besten, wenn sie je nach Standort zwischen circa fünf und zehn Prozent über der Anschlusskapazität liegt. Die damit einhergehende Abregelung von Strom in Spitzenzeiten fällt mit rund drei bis vier Prozent vergleichsweise gering aus. Wie hoch der optimale Wert im Einzelfall ausfällt, hängt unter anderem vom Erzeugungsprofil der jeweiligen Fläche, der Länge des Netzanschlusses und dem Kostenverhältnis zwischen Windpark und Netzanbindung ab.

Anzeige

Hinter dem technischen Begriff der Überbauung steckt ein einfaches Prinzip: Wird auf einer Fläche mehr Erzeugungsleistung installiert, als das Seekabel an Land transportieren kann, steigt die Auslastung der teuren Netzinfrastruktur erheblich. Gleichzeitig sinken die Gesamtkosten des Systems, weil die vorhandene Anbindung besser genutzt wird. Nur in wenigen Stunden des Jahres, wenn der Wind besonders stark weht, muss ein kleiner Teil der erzeugten Energie abgeregelt werden. Diesen Kompromiss halten die Studienautoren für volkswirtschaftlich sinnvoll.

BDEW-Chefin Kerstin Andreae richtet auf Grundlage der Ergebnisse klare Forderungen an die Bundesregierung: „Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, um bestehende Effizienzpotenziale zu heben.“ Bei der anstehenden Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes und der Fortschreibung des Flächenentwicklungsplans müssten Ausschreibungsdesign und Flächenplanung so angepasst werden, dass eine optimale Überbauung je nach Standort möglich werde. Andreae betonte zudem, dass die betriebswirtschaftlichen Mehrkosten für Windparkentwickler durch zweiseitige Contracts-for-Difference abgesichert werden müssten. Das parlamentarische Verfahren zur Gesetzesreform solle bis zum Sommer auf den Weg gebracht werden, damit spätestens ab Januar 2027 ein neues, effizienteres Ausschreibungsverfahren in Kraft treten könne.

Anzeige

Ein weiterer Hebel, den die Studie identifiziert, liegt in einer weniger dichten Bebauung der einzelnen Flächen. Stehen Windräder zu eng beieinander, bremsen sie sich gegenseitig durch sogenannte Abschattungseffekte – die Rotoren im Windschatten benachbarter Anlagen liefern weniger Strom. Wird der Abstand vergrößert und gleichzeitig die Gesamtleistung durch Überbauung kompensiert, lassen sich höhere Vollaststunden erzielen. Das bedeutet: Jede einzelne Anlage produziert über das Jahr gerechnet mehr Energie.

Anzeige

Die Analyse von Frontier Economics steht nicht isoliert. Zusammen mit einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Windenergiesysteme zu Offshore-Flächenkooperationen mit Nachbarländern und reduzierten Bebauungsdichten bildet sie eine breitere Grundlage, um bislang ungenutzte Potenziale beim Ausbau der Windenergie auf See zu erschließen. Beide Verbände drängen darauf, dass die gewonnenen Erkenntnisse rasch in politisches Handeln übersetzt werden – denn der Zeitdruck ist real, wenn die ambitionierten Ausbauziele der Bundesregierung für Offshore-Wind eingehalten werden sollen.

Anzeige