Drei Viertel der Deutschen wollen, dass Sicherheitsbehörden im Kampf gegen hybride Bedrohungen mehr Befugnisse erhalten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervor, für die 1.263 Personen ab 16 Jahren telefonisch befragt wurden. Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer Bevölkerung, die ihren Staat nur bedingt gewappnet sieht – und deutlich mehr Handlungsfähigkeit einfordert, als die Politik bislang liefert.
Konkret halten lediglich 56 Prozent der Befragten die Polizei für gut vorbereitet auf hybride Angriffe, also jene Mischung aus Cyberattacken, Sabotage und gezielter Desinformation, die Sicherheitsexperten zunehmend Sorgen bereitet. Für die Bundeswehr sagen das nur 47 Prozent. Noch schlechter schneiden das Gesundheitswesen mit Krankenhäusern und Arztpraxen ab (38 Prozent), die öffentliche Verwaltung (37 Prozent) und die Unternehmen im Land (36 Prozent). Am wenigsten Zutrauen hat die Bevölkerung in sich selbst: Nur 32 Prozent glauben, dass die Menschen in Deutschland auf solche Szenarien eingestellt sind.
Die Konsequenz, die eine deutliche Mehrheit daraus zieht, ist klar: 75 Prozent sprechen sich für eine Ausweitung der Überwachungsbefugnisse aus. Rund zwei Drittel – 63 Prozent – verlangen eine staatliche Informationskampagne, die erklärt, wie man sich bei hybriden Angriffen verhalten sollte. 45 Prozent wünschen sich regelmäßige bundesweite Übungen. Darüber hinaus fordern 61 Prozent, dass die Bundesregierung die Urheber solcher Angriffe öffentlich beim Namen nennt. Fast jeder Zweite – 47 Prozent – geht noch weiter und befürwortet sogenannte Hack-Backs, also offensive Cybergegenangriffe der Bundeswehr auf feindliche Hackergruppen. Ein Drittel der Befragten möchte massive Cyberattacken auf einen Nato-Staat sogar einem militärischen Angriff gleichgestellt sehen. Mehr als die Hälfte, nämlich 57 Prozent, plädiert zudem für eine deutliche Förderung der deutschen Sicherheitsindustrie.
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst ordnete die Zahlen unmissverständlich ein: „Deutschland muss sich besser auf hybride Angriffe vorbereiten, und zwar auf allen Ebenen. Dazu gehören unbedingt auch bessere Informationen für die Menschen im Land. Alle sollten wissen, welche Maßnahmen schon heute sinnvoll sind, und was sie bei hybriden Angriffen tun können.“ Sein Appell unterstreicht, was die Umfrage in Zahlen belegt: Die Kluft zwischen dem Bedrohungsgefühl der Bürgerinnen und Bürger und dem wahrgenommenen Schutzniveau ist erheblich.
Aufschlussreich ist auch, woher die Menschen im Ernstfall verlässliche Informationen erwarten. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk genießt mit 82 Prozent das höchste Vertrauen, dicht gefolgt von privaten TV- und Radiosendern mit 77 Prozent. Parteien, Behörden, Ministerien und Organisationen wie Gewerkschaften kommen auf 64 Prozent. Überregionale sowie internationale Print- und Onlinemedien liegen mit jeweils 63 Prozent nahezu gleichauf. Regionale und lokale Medien erreichen 57 Prozent, Youtube-Kanäle 42 Prozent und soziale Netzwerke 41 Prozent.
Bemerkenswert ist der Vertrauensvorschuss, den auch politisch randständige Quellen genießen: 34 Prozent der Befragten schenken weit rechts verorteten Medienportalen oder Blogs Glauben, 33 Prozent den weit links verorteten. Denselben Wert erreichen Nachrichtengruppen in Messenger-Diensten. Diese Zahlen zeigen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung im Krisenfall auch auf Kanäle setzt, deren Einordnung und Faktentreue Fachleute regelmäßig kritisch bewerten.
Die Erhebung wurde von Bitkom Research zwischen Kalenderwoche 51 des Jahres 2025 und Kalenderwoche zwei des Jahres 2026 durchgeführt. Neben der Bevölkerungsumfrage hat der Digitalverband am 12. März 2026 einen umfassenden Studienbericht veröffentlicht, der zusätzlich Ergebnisse einer Befragung von mehr als 600 Unternehmen aus allen Branchen zur Bedrohung durch hybride Angriffe enthält. Die Botschaft beider Datensätze ist dieselbe: Deutschland fühlt sich verwundbar – und erwartet von der Politik, dass sie handelt, bevor der Ernstfall eintritt.























