Wer sich für die politische Geschichte des Saarlandes interessiert, findet seit Kurzem neuen Lesestoff: Die Union Stiftung in Saarbrücken hat ihre Festschrift zum eigenen Jubiläum grundlegend überarbeitet und in einer zweiten, erweiterten Auflage herausgebracht. Der Band zeichnet nicht nur die Entwicklung der 1959 gegründeten Stiftung nach, sondern öffnet zugleich ein detailliertes Fenster in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der Nachkriegszeit an der Saar.
Ausgangspunkt ist die Gründung der Union Stiftung am 1. August 1959. Damals begann ein inzwischen mehr als 65 Jahre andauerndes Engagement für demokratische und staatsbürgerliche Bildung, für internationale Verständigung – mit besonderem Blick auf die europäische Einigung – sowie für die Förderung von Wissenschaft, Forschung und Kultur. Die Festschrift arbeitet die historischen Grundlagen dieser Entwicklung heraus und macht deutlich, dass die Stiftung von Beginn an auf einem christlichen Menschenbild basierte. Zugleich verweist der Band auf die besonderen politischen Konstellationen im Saarland der 1950er-Jahre, vor allem im Umfeld der Christdemokratie.
Im Mittelpunkt steht dabei die Auseinandersetzung zwischen zwei christdemokratischen Parteien, die in dieser Dekade das politische Feld prägten: der CVP, der Partei des ersten saarländischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, und der CDU-Saar. Beide Lager standen sich zunächst unversöhnlich gegenüber. Erst gegen Ende der 1950er-Jahre gelang in einem mühsamen Prozess die sogenannte „Christliche Einigung“. Aus dieser Verständigung ging schließlich auch die Union Stiftung hervor. Ein eigener Aufsatz in der Festschrift widmet sich den Hintergründen und Details dieser Einigung und ordnet sie in die politische Entwicklung der Region ein.
Der Band bleibt jedoch nicht bei der Institutionengeschichte stehen, sondern rückt prägende Persönlichkeiten in den Vordergrund. In einer biografischen Skizze wird die Vita des CVP-Generalsekretärs Emil Lehnen (1915–1984) nachgezeichnet, der maßgeblich an der Zusammenführung des christlichen Lagers an der Saar beteiligt war. Die Festschrift würdigt sein Engagement für den materiellen und ideellen Wiederaufbau des Saarlandes nach den Verbrechen der NS-Diktatur. Ebenso ausführlich behandelt wird das Leben der CVP- und späteren CDU-Saar-Politikerin Maria Schweitzer (1902–1991). Die selbstbewusste, tief im Katholizismus verwurzelte Politikerin, eine wichtige Mitarbeiterin von Johannes Hoffmann, vereinte nach Darstellung des Bandes konservative und restaurative mit – auch nach heutigen Maßstäben – progressiven politischen Ansätzen.
Ein weiterer Text widmet sich der Rolle der katholischen Kirche, insbesondere des Bistums Trier, in der sogenannten Saarfrage. Untersucht werden die Wechselwirkungen zwischen Kirche und Saarpolitik in den Jahren 1947 bis 1955. Damit erweitert die Festschrift den Blick über parteipolitische Linien hinaus und zeigt, wie eng religiöse Akteure und politische Entscheidungen in dieser Phase miteinander verflochten waren.
Neu in der zweiten Auflage ist eine ausführliche „Saarstudie“, die als Beigabe aufgenommen wurde. Sie richtet den Fokus auf die Frühzeit des „Presse- und Informationsamtes“ der Regierung Hoffmann und erzählt diese Geschichte anhand der Biografie und Tätigkeit des Journalisten und ersten Amtsleiters Albert Dorscheid (1902–1964). Anhand dieser Fallstudie wird nachgezeichnet, wie das Amt arbeitete und welche Rolle es im politischen System des damaligen Saarstaates spielte. Der Text macht dabei auch die autoritäre Facette dieses Staatswesens sichtbar.
Ergänzt werden die historischen Analysen durch ein Interview mit dem Zeitzeugen Edgar Burger. Der CDU-Saar-Mitbegründer und langjährige Wegbegleiter der Union Stiftung schildert darin seine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen aus den Aufbaujahren. Zum Abschluss richtet der Band den Blick nach vorn: Eine Analyse der aktuellen Arbeit der Stiftung und ein Ausblick auf künftige Vorhaben zeigen, wie sich die Institution heute versteht und welche Schwerpunkte sie in den kommenden Jahren setzen will.
Die Festschrift erscheint in gebundener Form mit Schutzumschlag und ist ab sofort bei der Union Stiftung erhältlich. Das Werk kann zum Preis von 29,90 Euro über die Homepage der Stiftung unter www.unionstiftung.de/publikationen erworben werden.


















