Die Arbeitswelt im Saarland steht unter Druck. Das zeigt eine neue Auswertung der Arbeitskammer des Saarlandes, die am 16. Januar 2026 vorgestellt wurde. Der „Index Gute Arbeit Saar“ fasst die Erfahrungen von Beschäftigten im Land zusammen – und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Viele Menschen arbeiten unter hoher Belastung, machen sich Sorgen um ihre Gesundheit und blicken mit Unsicherheit auf ihre spätere Rente.
Für den Index hat die Arbeitskammer zwischen Januar und Mai 2025 insgesamt 798 Beschäftigte im Saarland befragen lassen. Die Erhebung gilt als repräsentativ für die saarländische Arbeitswelt. Der Vorstandsvorsitzende der Arbeitskammer, Jörg Caspar, ordnet die Resultate deutlich ein: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass es beim Thema Gute Arbeit im Saarland an vielen Stellen erheblichen Verbesserungsbedarf gibt.“ Aus Sicht der Kammer besteht dringender politischer Handlungsbedarf.
Besonders ins Auge fallen die Angaben zur körperlichen und psychischen Belastung. 59 Prozent der Befragten berichten, regelmäßig in ungünstiger Körperhaltung arbeiten zu müssen. 58 Prozent erleben sehr häufige Unterbrechungen ihres Arbeitsflusses. Für jeweils 45 Prozent gehören Arbeiten unter Lärm sowie Arbeitshetze und Zeitdruck zum Alltag. Caspar fordert deshalb: „Was wir dringend brauchen, ist der Ausbau von Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsschutzes, die konsequente Einhaltung der geltenden Arbeits- und Gesundheitsschutzvorschriften sowie deren wirksame Kontrolle durch die Landesbehörden.“ Nur so ließen sich die Belastungen, unter denen viele Beschäftigte seit Jahren arbeiten, spürbar verringern. Alarmierend sei zudem, dass 47 Prozent der Befragten angeben, ihre derzeitige Tätigkeit nicht ohne Einschränkungen bis zum Renteneintritt ausüben zu können.
Auch beim Thema Einkommen und Altersvorsorge sieht die Arbeitskammer erhebliche Probleme. „Dass für mehr als ein Drittel der Befragten (36 Prozent) das Einkommen nicht oder nur gerade so ausreicht, ist nicht hinnehmbar“, erklärte Caspar. Als „überaus besorgniserregend“ bezeichnet er, dass 42 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass ihre spätere Rente nicht ausreichen wird. Die Arbeitskammer leitet daraus die Forderung ab, die Tarifbindung im Saarland zu stärken und die Rentenpolitik deutlich und zeitnah neu auszurichten.
Sorgen bereitet der Kammer außerdem das zwischenmenschliche Klima in vielen Betrieben und Dienstleistungsbereichen. „Es ist ein ernstzunehmendes Warnsignal, dass 14 Prozent der Befragten sehr oft oder häufig herablassende oder respektlose Behandlung durch Kunden, Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzte erleben“, so Caspar. Nach seiner Einschätzung haben die Krisenjahre der jüngeren Vergangenheit hier deutliche Spuren hinterlassen. Umso wichtiger sei es aus Sicht der Arbeitskammer, am Leitbild „Gute Arbeit“ festzuhalten und entsprechende Rahmenbedingungen zu sichern.
Mit Blick auf die laufenden und kommenden Umbrüche in Wirtschaft und Arbeitswelt im Saarland zieht Caspar ein klares Fazit. Arbeits- und Gesundheitsschutz, Weiterqualifizierung, ein angemessenes Einkommen, Tarifverträge sowie eine menschenwürdige Rente seien die Mindestvoraussetzungen für Gute Arbeit. „Nur mit guten Arbeitsbedingungen können die Herausforderungen unserer Zeit und der Wandel der Arbeitswelt erfolgreich bewältigt werden.“ Weitere Informationen zum „Index Gute Arbeit Saar“ stellt die Arbeitskammer online unter www.arbeitskammer.de/index-gute-arbeit-saar zur Verfügung; Ansprechpartner für die Beschäftigtenbefragung ist Dr. Matthias Hoffmann unter Tel.: 0681 / 4005-329.























