Kinder mit bislang unheilbaren Krebserkrankungen könnten künftig von einer Kombination aus gezielter Hitzebehandlung und individuell getesteten Medikamenten profitieren. Am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg hat die Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie einen neuartigen Hyperthermie-Reaktor in Betrieb genommen, der genau diesen Ansatz im Labor erproben soll. Finanziert hat das rund 50.000 Euro teure Spezialgerät die Saarländische Krebsliga e.V. – bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit fördert der Verein damit die Krebsforschung am UKS mit einer erheblichen Summe.
Der Reaktor, der in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen pink RF eigens für die Homburger Forschung gefertigt wurde, sieht von außen aus wie eine handelsübliche Mikrowelle. Im Inneren steckt allerdings hochspezialisierte Elektronik mit präzisen Temperatursensoren. Das Gerät erhitzt Tumorgewebe auf 42 Grad Celsius und hält diese Temperatur über 60 Minuten aufrecht. So lässt sich im Labor untersuchen, ob bestimmte Wirkstoffe unter Hitzeeinwirkung ihr tumorzerstörendes Potenzial verstärken – oder ob die Hyperthermie bei manchen Substanzen keinen zusätzlichen Nutzen bringt.
„In unserem Forschungslabor konnten wir nun einen weiteren neuen therapeutischen Ansatz, die fokussierte Tiefenhyperthermie, etablieren“, erklärte Florian Wentzel, Forschungsmitarbeiter und Doktorand in der translationalen Kinderonkologie am UKS. Die Methode ergänze die bereits seit einem Jahr laufende hochdurchsatz-basierte Medikamententestung mit proteogenomischen Analysen, so Wentzel weiter. Deren Ziel: Für jedes krebskranke Kind individuell wirksame Substanzen zu identifizieren, wenn herkömmliche Therapien versagen. Klinikdirektor Prof. Dr. Marc Remke hatte dieses Programm Anfang 2025 angestoßen, ebenfalls ermöglicht durch eine Spende der Saarländischen Krebsliga in Höhe von 180.000 Euro.
Ende Februar fand die offizielle Übergabe des neuen Geräts statt. Reinhilde Detemple, Vorsitzende der Saarländischen Krebsliga, war persönlich nach Homburg gekommen, um sich die Funktionsweise des Reaktors von Doktorand Wentzel erläutern zu lassen. Detemple machte bei der Gelegenheit deutlich, dass ihr Verein weit über die reine Forschungsförderung hinausdenkt: „Im Sinne von betroffenen Krebserkrankten setzt sich die Saarländische Krebsliga e.V. unter anderem dafür ein, dass Hyperthermie nicht nur in der Forschung stärker berücksichtigt, sondern auch in der Behandlung als ergänzende Therapieform anerkannt wird.“

Die Forschenden am UKS versprechen sich von dem neuen Gerät nicht nur konkrete Hinweise für die Behandlung einzelner junger Patientinnen und Patienten, sondern auch grundlegende Erkenntnisse über die Wirkweise von Hyperthermie in der Onkologie insgesamt. Denn obwohl die Methode seit Jahrzehnten diskutiert wird, fehlen in vielen Bereichen noch belastbare Daten darüber, wann und warum Wärme die Wirkung von Krebsmedikamenten verstärkt. Die Kombination aus individualisierter Medikamententestung und gezielter Hitzebehandlung könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten.
Mit der erneuten Förderung hat die Saarländische Krebsliga innerhalb von gut einem Jahr insgesamt rund 230.000 Euro in die pädiatrische Krebsforschung am Homburger Universitätsklinikum investiert. Für die Klinik von Prof. Remke bedeutet das nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch ein klares Signal: Die Suche nach neuen Therapieoptionen für Kinder, deren Krebs bisher als nicht heilbar gilt, wird im Saarland von einer breiten Basis getragen.


















