Frederik Schumann Foto: FC 08 Homburg
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Nach dem gelungenen Saisonstart wartet auf den FC 08 Homburg am Samstag die erste richtig schwere Standortbestimmung. Um 14 Uhr geht es in Nöttingen gegen den SGV Heilbronn-Freiberg – den Vizemeister der vergangenen Saison, der mit seiner aktuellen Transferpolitik kaum Zweifel daran gelassen hat, wohin die Reise gehen soll. Für den FCH ist es trotzdem kein Spiel, in dem man sich verstecken muss.

Der 2:1-Erfolg gegen Mainz 05 II hat Homburg die ersten drei Punkte gebracht und damit genau das, was vor diesem Auftaktprogramm wichtig war: einen guten Start. Mehr Rückblick braucht es an dieser Stelle nicht. Denn jetzt kommt eine andere Aufgabe. Freiberg gehört seit Jahren zu den Mannschaften, die regelmäßig im oberen Bereich der Regionalliga Südwest auftauchen. In der vergangenen Saison führte der SGV lange die Tabelle an und verpasste den Aufstieg erst auf der Zielgeraden.

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Dass der Verein auch diesmal ganz oben angreifen will, lässt sich am Kader ablesen. Zwölf Neuzugänge kamen im Sommer, darunter Justin Steinkötter vom TSV 1860 München, Jeremias Lorch von Alemannia Aachen, Tim Latteier vom 1. FC Schweinfurt oder den ehemaligen kanadischen Nationalspieler Scott Kennedy. Mit Marco Kehl-Gomez ging zwar der bisherige Kapitän nach Sandhausen, doch die Qualität, die dafür hinzugekommen ist, lässt nur wenig Raum für das sonst traditionelle Understatement. Heilbronn-Freiberg gehört neben wenigen anderen Mannschaften zum engsten Kreis der Aufstiegsfavoriten.

Der Start hat diese Einschätzung nicht gerade entkräftet. Zum Auftakt gewann die Mannschaft von Trainer Kushtrim Lushtaku mit 5:0 beim Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern II, am Dienstag folgte ein 4:1 gegen die TSG Backnang im WFV-Pokal. Neun Tore in zwei Pflichtspielen zeigen, welches Offensivpotenzial dort vorhanden ist. Entsprechend ordnet Roland Seitz den Gegner ein. Freiberg habe zwar einige wichtige Spieler verloren, „aber Top-Spieler dazugeholt. Das zeigt schon alleine, in welchem Bereich sich Freiberg momentan bewegt.“ Vor allem offensiv sieht der Homburger Trainer eine Mannschaft, der man wenig anbieten darf: „Wir müssen auf jeden Fall gut gegen den Ball arbeiten. Wir dürfen dieser guten Offensive wenig Raum geben, wenig Luft geben, weil das nützen sie auch.“

Genau dort dürfte am Samstag einer der Schlüssel liegen. Homburg hat gegen Mainz gezeigt, dass im eigenen Offensivspiel Tempo und Ideen vorhanden sind. Jetzt muss aus guten Angriffen aber häufiger auch etwas Zählbares entstehen. Die harte Währung lautet hier schlichtweg Tore – am Besten eins mehr als Freiberg. Denn einen Gegner dieser Qualität wird es nicht reichen, sich gefällig bis an den Strafraum zu kombinieren. Gleichzeitig wird die Homburger Defensive über 90 Minuten hellwach sein müssen, vor allem in Umschaltsituationen. Freiberg verfügt über Geschwindigkeit, Wucht und körperliche Präsenz. Der FCH muss deshalb nicht nur in der letzten Linie stabil stehen, sondern schon davor verhindern, dass der SGV mit Tempo in gefährliche Räume kommt. Gerade nach eigenen Ballverlusten wird die Restverteidigung gefordert sein.

Für Armend Qenaj ist die Partie ohnehin eine besondere. Der Offensivspieler trifft auf seinen früheren Verein und kennt noch einige Spieler sowie Trainer Lushtaku. Seine Vorstellung davon, wie Homburg auftreten sollte, klingt entsprechend wenig kompliziert: „Wir müssen auf jeden Fall ekelhaft sein in den Zweikämpfen, dürfen denen nicht zu viel Raum lassen. Wir selber müssen mutig bleiben, weil Chancen kreieren können wir immer, dafür haben wir die Qualität.“ Das dürfte ziemlich genau die Mischung sein, die es braucht. Denn Homburg fährt nicht nach Nöttingen, um einen Punkt zu verteidigen. Der Auftaktsieg gibt der Mannschaft das Recht, selbstbewusst aufzutreten. Mut mit Ball, Konsequenz vor dem Tor und die notwendige Aggressivität gegen den Ball – darauf wird es ankommen.

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Personell gibt es vor dem ersten Auswärtsspiel gute und schlechte Nachrichten. Hilal El-Helwe hat inzwischen zwei Wochen schmerzfrei mit der Mannschaft trainiert und kehrt erstmals wieder in den Kader zurück. Für Marc Ehrhart kommt die Partie dagegen zu früh. Der Angreifer fällt mit muskulären Problemen aus, Nico Jörg fehlt weiterhin längerfristig. Bei ein bis zwei weiteren Spielern gibt es kleinere Blessuren, Seitz hofft jedoch, dass sie bis Samstag kein Thema mehr sind.

Gespielt wird nicht in Freiberg, sondern in der Kleiner Arena in Nöttingen. Für beide Mannschaften ist der Platz damit zumindest ein Stück weit fremdes Terrain. Seitz erwartet auch deshalb ein anderes Spiel als noch am vergangenen Wochenende. Der Platz sei klein, zudem sei die Spielstätte auch für den SGV im Grunde neutral. Viel Raum für lange Aufbauphasen dürfte es entsprechend kaum geben.

Für den FCH kommt diese Aufgabe früh – aber keineswegs ungelegen. Wer wissen will, wie weit die neu zusammengestellte Mannschaft bereits ist, bekommt am Samstag einen ziemlich guten Hinweis. Freiberg wird Homburg wahrscheinlich in Bereichen fordern, die gegen Mainz noch nicht dauerhaft gefragt waren. Gleichzeitig gibt es nach dem Auftaktsieg keinen Grund, mit angezogener Handbremse anzureisen.

Oder, um es mit Qenaj zu sagen: mutig bleiben und jeden Zweikampf gewinnen wollen. Wenn der FCH das mit der offensiven Qualität verbindet, die schon am ersten Spieltag zu sehen war, ist auch beim großen Favoriten etwas mitzunehmen.

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