Der Schulalltag im letzten Grundschuljahr bringt für viele Kinder eine spürbare Veränderung mit sich. Leistungsdruck, Erwartungen und zusätzliche Anforderungen verdichten sich – oft leise, aber nachhaltig. An der Luitpold-Grundschule in Homburg-Erbach ist daraus ein Projekt entstanden, das genau hier ansetzt und Kindern Wege zeigt, mit dieser Belastung umzugehen.
Initiiert wurde das Vorhaben von der Schulleitung um Direktorin Frau Trapp und Konrektorin Frau Bonnert, die sich früh für ein entsprechendes Pilotprojekt entschieden hatten. Im Herbst 2025 wurde das Programm bereits zum zweiten Mal umgesetzt. Über mehrere Monate hinweg erhielten alle Viertklässler ein wöchentliches Training unter Leitung von Dr. Agnes Ziegler. Ziel war es, ein grundlegendes Verständnis für Stress zu vermitteln und zugleich konkrete Strategien an die Hand zu geben, um mit Anspannung im Alltag besser umzugehen.
Die Inhalte des Trainings reichten von der Erklärung körperlicher und emotionaler Reaktionen auf Stress bis hin zu praktischen Übungen. Die Kinder setzten sich mit ihren eigenen Wahrnehmungen auseinander, lernten Zusammenhänge zwischen Gedanken, Gefühlen und körperlichen Reaktionen kennen und probierten verschiedene Methoden zur Entspannung aus. Dazu gehörten unter anderem Achtsamkeitsübungen, Fantasiereisen und Meditationen. Die Einheiten waren bewusst altersgerecht gestaltet und ermöglichten es den Schülern, eigene Erfahrungen zu sammeln und neue Perspektiven zu entwickeln.
Eine begleitende Umfrage machte deutlich, wie vielfältig die Belastungen im Alltag der Kinder sind. Neben Klassenarbeiten und schulischen Anforderungen wurden auch Hausaufgaben, einzelne Fächer sowie das soziale Miteinander in der Klasse genannt. Auffällig war zudem die Rolle digitaler Medien: Für viele Kinder stellt der Umgang mit Gaming und sozialen Netzwerken eine zusätzliche Stressquelle dar. Genannt wurden unter anderem Schlafprobleme, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass fehlender Internetzugang von einigen ebenfalls als belastend empfunden wird, da er soziale Kontakte einschränkt.
Auch das Freizeitverhalten spielte eine Rolle. Besonders Jungen gaben an, einen großen Teil ihrer freien Zeit mit digitalen Spielen zu verbringen. Aktivitäten im Freien oder in Vereinen treten nach Beobachtung des Projekts zunehmend in den Hintergrund, vor allem bei Kindern mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus wurden familiäre Konflikte oder Sorgen im direkten Umfeld als weitere Stressfaktoren benannt.
Im Verlauf des Trainings zeigten sich erste Veränderungen. Viele Kinder berichteten, dass sie gelernte Methoden gezielt einsetzen können, um ruhiger zu werden oder mit schwierigen Situationen besser umzugehen. Besonders bei Mädchen wurde ein deutlicher Effekt sichtbar: Sie beschrieben einen sichereren Umgang mit Ängsten und Konflikten sowie ein gestärktes Selbstvertrauen. Auch das Bewusstsein für den eigenen Medienkonsum entwickelte sich weiter. Einige Kinder reagierten nach den Einheiten zu Themen wie Schlaf oder Augengesundheit nachdenklich und nahmen sich vor, mehr Zeit im Freien zu verbringen.
Am Ende des Projekts bewerteten die Kinder das Training anonym. Das Feedback fiel durchweg positiv aus. Für besonders interessierte Teilnehmer läuft derzeit ein vertiefendes Zusatzangebot, in dem Inhalte weiter gefestigt und individuell vertieft werden.
Ermöglicht wurde das gesamte Projekt durch die finanzielle Unterstützung des Rotary Clubs Homburg-Zweibrücken. Für den Club steht die Förderung von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt. „Wir wollen das tolle Engagement der Schule in diesem Projekt gerne unterstützen, denn es ist uns wichtig, dass unsere Kinder stark und widerstandsfähig werden, damit sie die Herausforderungen unserer Zukunft meistern können“, sagt die Präsidentin des Rotary Clubs, Dr. Angelika Thönnes.
An der Luitpoldschule ist bereits klar, dass das Projekt fortgeführt werden soll. Schulleitung, Lehrkräfte und Schüler sehen in dem Ansatz einen wichtigen Baustein für den Schulalltag – nicht nur zur Bewältigung von Stress, sondern auch für die persönliche Entwicklung der Kinder.



















