David Hummel hatte allen Grund zur Freude nach seinem Treffer zum 1:0. Später traf er zum 3:2-Sieg in der Nachspielzeit. Foto: Markus Hagen
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Ein nichtalltägliches Heimspiel gab es am Samstag im Homburger Waldstadion der Regionalliga Südwest zwischen dem FC Homburg und dem Tabellenvorletzten FC Gießen, das der FCH in der fünften Nachspielminute durch den elften Saisontreffer von David Hummel doch noch gewann.

Zunächst standen massive Fanproteste der Anhänger des FCH nicht nur vor, sondern auch während und auch nach dem Spiel im Blickpunkt. Anlass ist die Freistellung des bisherigen sportlichen Leiters Dieter Gerstung. Die rund 100 FCH-Fans der aktiven Fanszene standen daher nicht im eigentlichen Fanblock auf der Manfrend-Lenz-Gegengerade, der symbolisch mit Bändern abgesperrt wurde. Stattdessen versammelte man sich in der Kurve von Block Zwei, um mit durchaus kreativen Bannern gegen den Vorstand und hier besonders gegen den zweiten Vorsitzenden Michael Koch ihre Meinung kund zu tun.

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In der Nacht hatte man noch Tore mit Ketten abgesperrt, mit Info-Flyern wurde die eigene Sichtweise und der Hintergrund der Proteste den Zuschauern erklärt. Vor dem Anpfiff gaben dann laute Böllerschläge und schwarzer Rauch den Startschuss für eine Reihe von Protestplakaten, mit der die Unzufriedenheit über die sportliche Entwicklung in den letzten Jahren demonstriert wurde. Der FCH liegt auch in dieser Saison mit dem neunten Tabellenrang weit hinter den Zielen und (eigenen) Erwartungen zurück.

Schwarzer Rauch über dem Waldstadion Foto: Markus Hagen

Mit Trillerpfeifen machte man neben zahlreichen Spruchbändern lautstark weiter auf sich aufmerksam, um dann geschlossen nach 19:08 gespielten Minuten, in Anlehnung an das Gründungsjahr des Vereins, das Waldstadion zu verlassen. Statt das Regionalligateam zu unterstützen, schauten sich die Fans dann die gleichzeitig statt findende Partie der FCH-D-Jugend auf dem Kunstrasen an. Das Spielgeschehen im Stadion bekam die aktive Fanszene über die Lautsprecherdurchsagen noch mit, um dann später nach dem Abpfiff mit den Homburger Spielern teilweise heftige Wortgefechte zu führen. Angeblich missfiel den Fans, die Art und Weise, wie sich die Profis gegenüber den Anhängern verhält. Der FC Homburg musste die Polizei zur Hilfe bitten, damit die kritische Lage nicht weiter eskalierte.

Zum Geschehen im Waldstadion gilt festzuhalten, dass der FC Homburg gegen die stark abstiegsbedrohten Gäste des FC Gießen zwar die drei Punke holte und den Abstand auf den ersten möglichen Abstiesplatz auf 9 Punkte auszubauen, spielerisch muss man aber eingestehen, dass der Sieg gegen die am Ende mit zwei Spielern in Unterzahl agierenden Gießener mehr als unbefriedigend war. So sah es auch FCH-Coach Roland Seitz: „Es gibt nichts zu beschönigen, wie wir nach einer 2:0-Führung und in Überzahl den Ausgleich zum 2:2 hinnehmen mussten. Es war ein reine Achterbahn von uns. Wie gut, dass wir dann doch noch gewonnen haben. Ein mehr als wichtiger Heimsieg für uns.” 

Der Fanblock 3 blieb an diesem Nachmittag leer. Der harte Kern der FCH-Fans versammelte sich in der Kurve von Block 2, um nach 19:08 Minuten das Stadion zu verlassen. Foto: Hagen

Schon nach sieben Minuten führte der FC Homburg vor knapp 1200 Zuschauern durch den zehnten Saisontreffer von David Hummel, der sich nach vorangegangener gefälligen Kombination im Strafraum gegen zwei Gießener durchsetzen konnte. Acht Minuten später leistete sich der Ex-Homburger Shako Onangolo, der erst wenige Minuten für den verletzten Maximilian Böger auf dem Platz stand, gegen Hummel eine Notbremse. Rot für den Gießener und der FCH in Überzahl. Dennoch hatte plötzlich Gießen durch Oliver Kovacin (21.) und Pietro Besso (22. Pfosten) zwei starke Möglichkeiten zum Ausgleich. Nach Foul von Besso an Hummel (32.) gab es für Markus Mendler die Chance noch vor der Pause per Strafstoß auf 2:0 zu erhöhen. Aber der angeschlagene offensive Außenspieler der Grün-Weißen schoss den Ball neben das Tor! Hummel und Mendler hätte vor der Pause noch erhöhen können, als Hummel frei vor dem Tor auftauchte und Mendler dann aus ungünstigen Winkel die Lederkugel (45.) nicht im Gießener Tor unterbringen konnte.

Ideal begann für den FCH die zweite Spielhälfte. Freistoß von Mendler und Innenverteidiger Benjamin Kirchhof köpfte zum 2:0 (51.) für den FC Homburg ein, der auf eine ganze Reihe von verletzten und erkrankten Spielern im Aufgebot verzichten musste. Neben Michael Heilig (Kreuzbandriss), Amar Suljic (erkrankt), Tom Kretzschmar (muskuläre Probleme), Jacob Collmann (muskuläre Probleme) und Ian Werner (Schulter), musste für das Samstagsspiel zudem die erkrankten Patrick Weihrauch, Daniel Kalajdzic, Dominic Schmidt, Lukas Quirin und Grischa Walzer absagen. So hatte der FCH bis auf Tim Littmann und Nicolas Jörg nur noch Spieler der U23 auf der Bank!

Seitz ärgerte sich: „Mit dem 2:0 sollte der Sack zu sein, aber trotz Überzahl haben wir es wie in Villingen (3:3 nach 3:1-Führung) nicht verstanden, das Spiel weiter zu kontrollieren.” Wie im letzten Auswärtsspiel, kassierte der FCH nach einem Eckball des FC Gießen den 2:1-Anschlusstreffer durch Martin Mihaylov (74.) und sechs Minuten später sogar durch den ebenfalls eingewechselten Tolga Duran (77.) den 2:2-Ausgleich. Die Partie blieb weiter hektisch. Gießens Co-Trainer bekam die Rote Karte, nachdem zuvor Ghani Abdel (79.) die Gelb/Rote Karte sah. Die erste gelbe Karte hatte Abdel schon auf der Reservebank wegen Schiedsrichterkritik in der ersten Halbzeit gesehen.

Gut zehn Minuten und fünf Minuten Nachspielzeit blieben dem FCH dann noch, um in doppelter Überzahl doch noch die Partie zu gewinnen. Seitz: „Bis zum Siegtor bekamen wir es nicht hin, um überhaupt für richtige Torgefahr zu sorgen, obwohl wir zwei Mann mehr waren.” Um so glücklicher war der FC Homburg dann, als David Hummel in der fünften Nachspielminute nach Vorlage von Arman Ardestani doch noch aus kurzer Distanz zum 3:2-Sieg einlochen konnte. Am Spielfeldrand feierten Trainer, Spieler und die Akteure auf dem Rasen gemeinsam diesen Sieg. Seitz: „Es war ein Sieg des Willens.” David Hummel: „Hauptsache gewonnen, aber für mich war es auch unerklärlich, wie wir wie in Villingen so leichtfertig eine zwei Tore-Führung abgeben konnte.”

Nach dem Saarlandpokal-Viertelfinale am Dienstag ab 19 Uhr beim Saarlandligisten FSV Jägersburg will der FC Homburg am kommenden Samstag ab 14 Uhr beim FC Astoria Walldorf endlich wieder einen Auswärtsdreier einfahren.

FC Homburg: Hoffmann – Steinhart, Kober, Kirchhof, Steinmetz – Ristl (64. Littmann), Jansen – Mendler (64. Jörg), Anspach, Gouras (76. Ardestani)  – Hummel
Tore: 1:0 Hummel (7.), 2:0 Kirchhof (51.), 2:1 Mihaylov (74.), 2:2 Duran (77.), 3:2 Hummel (90.+5)
Zuschauer: 1188
Schiedsrichter: Hofheinz
Rote Karte: Onangolo (15., FC Gießen, Notbremse)

gelb/rote Karte Abdel (79. FC Gießen, Foulspiel)

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