Am Rand von Kirkel ensteht das neue Polizeiareal. - Bild: Stephan Bonaventura

Die Planungen und Bauarbeiten im Polizeiareal Kirkel befinden sich in der „heißen Phase“, das Großprojekt dessen Gesamtinvestition rund 26,5 Mio. Euro beträgt, soll nach den aktuellen Planungen Ende 2022 fertig sein. Nun folgte bei dem Großprojekt der Spatenstich.

Bau- und Innenminister Klaus Bouillon: „Es freut mich sehr, mit dem heutigen Tag einen weiteren Meilenstein zur Fertigstellung des Polizeiareals in Kirkel setzen zu können und gleichzeitig bekanntzugeben, dass wir das Gebäude nach dem ersten Polizeipräsidenten des Saarlandes, Guy Lachmann, benennen werden, der sich zeitlebens für das Gemeinwohl einsetzte und internationale Anerkennung genoss! Die saarländische Polizei, die jeden Tag für unsere Sicherheit sorgt, wird hier in jeder Hinsicht eine zukunftsweisende Infrastruktur erhalten.“ Das Areal, das zukünftig mindestens 8 Dienststellen des Landes-polizeipräsidiums beherbergen wird, hat sich bereits sehr verändert: Zum Beginn der Planungen befanden sich im rückwärtigen Bereich des Grundstücks der ehemaligen Praktikerhauptverwaltung lediglich Parkflächen. Am heutigen Tag sind dort etliche Baumaschinen der Ottweiler Baugesellschaft (OBG) zugange, die bereits die Tiefbauarbeiten für die geplanten neuen Funktionsgebäude durchführen. Auch im Hauptgebäude laufen die Umbauarbeiten auf Hochtouren.

Das Polizeiareal Kirkel wird aus zwei unterschiedlichen Gebäudekomplexen bestehen, dem jetzigen Bestandsgebäude – also der ehemaligen Praktikerzentrale – und einem geplanten Neubau. Das bestehende Hauptgebäude an der Grundstücksfront wird nach Abschluss der Renovierungs- und Umbauarbeiten als funktionales und modernes Büro- und Verwaltungsgebäude hergerichtet sein. Neben den Arbeits-, Besprechungs- und Umkleideräumen für etwa 450 Mitarbeiter*innen werden in diesem Gebäude ebenfalls eine Aula und auch Trainingsräume sowohl für Gesundheits- und Präventionssport als auch für einsatztaktische Vorbereitungen eingerichtet. So wird sukzessive aus der „ehemaligen blauen Baumarktkulisse“ der Wandel auf die gleichfarbige Landesbehörde vollzogen. Ein wesentlicher Meilenstein wird die Errichtung der beiden Treppentürme sein, die das vorhandene Gebäude mit dem Neubau verbinden werden. Die Fertigstellung des Bestandsgebäudes ist noch in diesem Jahr vorgesehen.

v.l.n.r.: Projektleiter Ralf Geisert, Leiter der Abteilung OBB1 (Landes- und Stadtentwicklung, Bauaufsicht und Wohnungswesen) im Ministerium für Inneres, Bauen und Sport Hans-Peter Rupp, Bauminister Klaus Bouillon, Landespolizeipräsident Norbert Rupp.
Foto: MIBS/C. Stoll

Der Auftrag zur Erstellung der Neubauten im rückwärtigen Gelände wurde im September 2020 nach einer dreimonatigen öffentlichen Ausschreibung an die OBG erteilt. Hier werden neben einer Fahrzeughalle für 150 Polizeifahrzeuge diverse Funktionsbereiche der Polizei in einem modernen Hallenkomplex errichtet. So wird unter anderem für die Polizeitaucher der Bereitschaftspolizei ein Bereich mit einer fortschrittlichen Atemluftwerkstatt eingebaut. Die Kfz-Werkstatt für Polizeifahrzeuge wird an aktuellen Standards orientiert und auch die 20 Diensthunde der Diensthundestaffel finden in einer modernen und tiergerechten Zwingeranlage ein neues Zuhause. Nach einer intensiven Planungsphase hat die Baufeldfreimachung wie Rodung, Beseitigung von Teerbelag, etc. für die Neubauten zum Jahreswechsel 2020/2021 begonnen. Die Arbeiten für die Bodenplatten sind soweit vorbereitet und stehen unmittelbar bevor. Bereits Ende 2021 soll der Rohbau fertiggestellt werden. Die Inbetriebnahme der Neubauten sowie der gesamten Liegenschaft ist nach derzeitigem Planungsstand für Ende 2022 vorgesehen.

Die Benennung des Polizeizentrums in Kirkel nach Guy Lachmann ist im Festjahr „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ sowohl ein klares Statement der Polizei des Saarlandes gegen rechte Hetze, mangelnde Distanz zu rassistischen und menschenverachtenden Einstellungen und Äußerungen jeder Art, als auch ein Bekenntnis zur deutsch-französischen Freundschaft und damit Auftakt zu einer gelebten Erinnerungskultur. Minister Klaus Bouillon: „Werte und Ideen passieren nicht einfach, sie müssen mit hohem Engagement bewahrt und vermittelt werden. Sie brauchen Vorbilder wie Guy Kurt Lachmann.“

 Stefan Pauluhn: „Kirkel optimaler Standort für die Polizei!“

Das neue Polizeiareal in Kirkel ist optimal geeignet, um die Sondereinheiten der saarländischen Polizei an einem Ort zu bündeln. Der Standort ist gut an das Autobahnnetz angebunden und die Einsatzorte sind von dort gut zu erreichen. Im Landtag unterstützen wir dieses wichtige 26 Millionen Euro Projekt der saarländischen Polizei mit rund 1,6 Millionen Euro jährlich.“, sagt Stefan Pauluhn, Sprecher der SPD-Landtagsfraktion für Polizei. „Besonders erfreulich ist, dass das Areal nach Guy Lachmann benannt wird. Er war der erste Landespolizeipräsident des Saarstaates von 1948 bis 1956. Der Jude Guy Lachmann wurde in Neunkirchen geboren, nahm in den Dreißigerjahren die französische Staatsbürgerschaft an und kämpfte in der Résistance“, sagt Stefan Pauluhn.

Hintergrundinformationen:

Als gebürtiger Saarländer und bekennender Jude floh Guy Kurt Lachmann (1906-1987) mit seiner Familie 1935 vor der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus nach Frankreich und nahm dort die französische Staatsbürgerschaft an. Im Verlauf des Krieges kämpfte er zunächst in der französischen Armee und im weiteren Verlauf in der französischen Widerstandsbewegung „Résistance“. Nach Kriegsende kehrte er als Kreiskommandant mit der französischen Armee zurück ins Saarland und wurde 1948 zum Landespolizeipräsident des Saarlandes ernannt. 1956 schied Guy Lachmann auf eigenen Wunsch aus dem Amt aus und nahm eine leitende Funktion in einem renommierten Wirtschaftsunternehmen in Frankreich an. Noch über Jahre wurde er von der Landesregierung mit Sonderaufgaben in Paris betraut und blieb Vizepräsident der internationalen Vereinigung der Polizei-Chefs aller Kontinente. Für seine Verdienste um das Gemeinwohl wurde ihm am 23. Mai 1978 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

 

 

 

Vorheriger ArtikelSchule in Zeiten von Corona: Sollen alle Schüler versetzt werden?
Nächster ArtikelBenzinpreis klettert weiter

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.