Wer heute im Saarland unterrichten will, findet mehr Wege in den Beruf als noch vor wenigen Jahren – und trifft auf ein Land, das gezielt in seine Schulen investiert. 662 zusätzliche Planstellen für Lehrkräfte hat die Landesregierung allein in dieser Legislaturperiode geschaffen. Das ist der Kern der Antwort, die das Bildungsministerium auf einen Sonderbericht des Rechnungshofs gibt, der sowohl Fortschritte als auch weiteren Handlungsbedarf benennt.
Die Zahlen belegen den Aufwuchs: Waren Anfang 2022 noch 8.148 Haushaltsstellen vorgesehen, sind es zum 1. August 2026 bereits 8.810. Jede dieser Stellen wird nach Angaben des Ministeriums Jahr für Jahr besetzt. Das Land verweist zudem auf eines der jüngsten Kollegien und die niedrigste Teilzeitquote unter den westdeutschen Flächenländern – zwei Kennzahlen, die im bundesweiten Wettbewerb um Fachkräfte durchaus Gewicht haben.
Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot sieht sich durch den Bericht bestätigt. „Der Wettbewerb um Lehrkräfte ist bundesweit groß. Deshalb haben wir im Saarland Zugänge in den Lehrerberuf geöffnet, den Quereinstieg ausgebaut und setzen auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung“, erklärt sie. Ihr gehe es dabei nicht allein um Zahlen, sondern um die Kinder: „Maßgeblich ist und bleibt, Kinder und Jugendliche bestmöglich zu fördern, Lehrkräfte zu gewinnen und in ihrer Arbeit wirksam zu entlasten.“
Besonders deutlich wird der Kurs bei der Sprachförderung. Von den 662 neuen Stellen entfallen 171 auf Sprachförderlehrkräfte, zum Schuljahr 2026/27 kommen zehn weitere Stellen an Grundschulen für das Programm „Startklar Deutsch“ hinzu. Damit reagiert das Land auf steigende und sich wandelnde Förderbedarfe. Parallel entstehen 18 zusätzliche Stellen an Gymnasien für die Rückkehr zu G9 sowie 30 pädagogische Fachkräfte für die Förderschulen.
Doch eine gute personelle Ausstattung meint längst nicht mehr nur Lehrkräfte. Im Schuljahr 2025/26 waren an den allgemeinbildenden Schulen 333 Fachkräfte der Schulsozialarbeit mit insgesamt 197 Vollzeitstellen tätig. An den Berufsbildungszentren wachsen die sozialpädagogischen Kapazitäten von 49 auf rund 57 Vollzeitstellen. Diese multiprofessionellen Teams, die auch der Rechnungshof in den Blick nimmt, werden zusätzlich durch das Startchancen-Programm an 55 Schulen gestärkt.
Auffällig ist, wie sehr das Land die klassischen Zugangswege ergänzt hat. Seit 2024 gibt es einen universitären Quereinstiegsmaster, der zunächst in Physik und Informatik startete und inzwischen auch Mathematik, Chemie, Bildende Kunst und Musik umfasst. Für Mangelfächer, die Sonderpädagogik und die beruflichen Schulen wurde zudem der direkte Quereinstieg in den Vorbereitungsdienst geöffnet – ein Ansatz, den auch der Rechnungshof ausdrücklich positiv bewertet.
In der Sonderpädagogik trägt dieser Weg bereits Früchte: Neun Referendarinnen und Referendare haben das Zweite Staatsexamen abgelegt, sechs weitere befinden sich noch in der Ausbildung. Gemeinsam mit der Universität des Saarlandes, der htw saar und weiteren Partnern wird ein eigener Quereinstiegsmaster vorbereitet, während das Programm „SoPro“ erstmals Grundschullehrkräfte für die inklusive Förderung weiterqualifiziert.
Dass die Aufgabe damit nicht erledigt ist, macht das Ministerium selbst deutlich. Angesichts steigender Schülerzahlen bleibt die Lehrkräftegewinnung eine Daueraufgabe. Das Land setzt daher nicht auf eine einzelne Stellschraube, sondern auf ein Gesamtpaket aus mehr Stellen, neuen Zugangswegen und flexibleren Einstellungsverfahren – mit dem Ziel, die Unterrichtsversorgung langfristig zu sichern, ohne die Qualität der Ausbildung preiszugeben.




















