Am Holocaust-Gedenktag setzte das saarländische Bildungsministerium ein deutliches Zeichen: Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus soll im Schulalltag noch fester verankert werden. Künftig sollen alle Schüler im Saarland während ihrer Schulzeit mindestens einmal eine NS-Gedenkstätte besuchen – unterstützt durch ein neues Förderkonzept, das Gedenkstättenfahrten und Demokratieprojekte an Schulen gezielt stärkt.
Das Ministerium für Bildung und Kultur (MBK) knüpft damit an einen Beschluss des Saarländischen Landtags vom 3. Dezember 2024 an. Dieser sieht vor, dass Gedenkstättenbesuche verbindlicher Bestandteil der schulischen Bildung werden. Das neue Konzept des MBK soll Schulen die nötigen Strukturen und finanziellen Mittel an die Hand geben, um solche Fahrten und Projekte nicht nur punktuell, sondern fest eingebunden in den Unterricht zu planen und durchzuführen.
Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot betonte anlässlich des Holocaust-Gedenktags die Bedeutung dieser Ausrichtung: „Erinnern ist Bildungsauftrag. Am Holocaust-Gedenktag erinnern wir nicht nur an die Opfer des Nationalsozialismus, sondern übernehmen Verantwortung für die Gegenwart. In einer Zeit, in der Hass, Verschwörungsideologien und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wieder zunehmen, in der Menschen sich auf Grund ihres Glaubens nicht sicher fühlen können – und in der historische Gewissheit infrage gestellt wird, muss deutlich werden, dass Erinnern eine Aufgabe der Gegenwart ist. Sie ist aktiver Schutz der Demokratie. Das Saarland setzt bereits seit Jahren auf eine enge Verzahnung von Demokratiepädagogik, Antisemitismusprävention und Erinnerungspädagogik. Mit dem Beschluss des Saarländischen Landtags im Dezember 2024, Gedenkstättenbesuche verbindlich in der Schulzeit zu verankern, haben wir dieser Verantwortung ein konkretes Gesicht gegeben. Unser neues Förderkonzept für demokratiepädagogische Projekte stellt nun sicher, dass Schulen die Mittel und Unterstützung erhalten, um solche Fahrten und Projekte nicht nur zu planen, sondern Geschichte erlebbar zu machen und demokratisches Handeln zu fördern – damit Schülerinnen und Schüler heute wie morgen für Toleranz, Menschenrechte und solidarisches Handeln eintreten können.“
Kern der Erinnerungsarbeit im Saarland ist ein handlungsorientierter Ansatz. Jugendliche sollen nicht nur historisches Wissen erwerben, sondern aus der aktiven Auseinandersetzung mit der NS-Zeit heraus lernen, demokratisch verantwortlich zu handeln. Das neue Förderkonzept des MBK setzt genau hier an: Es soll Gedenkstättenfahrten und demokratiepädagogische Projekte so unterstützen, dass sie dauerhaft und strukturiert im Unterricht verankert werden können.
Das Konzept ruht auf drei Säulen. Zum einen können Schulen über etablierte Partnerorganisationen wie den Landesjugendring Saar (LJR), die Stiftung Demokratie Saarland (SDS) oder die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend Saar (aej) pädagogisch begleitete Fahrten buchen. Diese Träger übernehmen Organisation, Beratung und fachliche Begleitung, damit Schülerinnen und Schüler die Geschichte vor Ort vertieft kennenlernen. Zum zweiten besteht die Möglichkeit, dass Schulen, die Fahrten zu NS-Gedenkstätten selbst organisieren, die entstehenden Kosten – etwa für Busse, Raummieten oder Teilnehmendenbeiträge – auf Antrag vom MBK erstattet bekommen. Drittens können Schulen für eigene Gedenkstättenfahrten oder Projekte im Bereich Demokratiepädagogik zusätzlich bis zu 500 Euro beantragen, sofern die Maßnahmen schulisch eingebettet, methodisch vorbereitet und im Vorfeld dokumentiert sind.
Unterstützung erhalten die Schulen darüber hinaus von weiteren Partnern, darunter das Netzwerk für Demokratie und Courage Saar und Bund (NDC), die Synagogengemeinde Saar sowie das Adolf-Bender-Zentrum. Sie bringen ihr Fachwissen und pädagogische Angebote ein, um das Lernen an historischen Orten und in Projekten zu vertiefen. Das neue Förderkonzept soll den Schulen zum Halbjahreswechsel zur Verfügung stehen; ein entsprechender Informationsbrief ist nach Angaben des Ministeriums an alle weiterführenden Schulen im Saarland verschickt worden.
Neben den Gedenkstättenfahrten setzt das Saarland auf eine breite Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren. Dazu gehören Projekte wie „Jüdische Friedhöfe als Lernorte“ der Synagogengemeinde Saar oder „Damit kein Gras drüber wächst“ in Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit. Ergänzt wird dies durch qualifizierte Fortbildungen für Lehrkräfte, etwa in Zusammenarbeit mit Yad Vashem und Givat Haviva, sowie durch Unterrichtsmaterialien zu Antisemitismus und demokratischer Bildung.
Damit die Angebote wirksam bleiben, gibt es einen fest eingerichteten Austausch zwischen dem MBK, dem Bildungscampus Saar (BCS), dem Institut für Lehrerbildung (ILF), dem Adolf-Bender-Zentrum und der Landeszentrale für politische Bildung (LpB). In diesem Rahmen werden alle Maßnahmen kontinuierlich überprüft, aktualisiert und weiterentwickelt. So soll sichergestellt werden, dass Erinnerungskultur, Demokratiepädagogik und Antisemitismusprävention im Saarland dauerhaft eng miteinander verzahnt bleiben.

















