Nachdem die saarländische Landesregierung angesichts des angekündigten Stellenabbaus bei ZF, Halberg Guss und der Stahl-Holding Saar Hilfen des Bundes angemahnt hat, erklärt Oskar Lafontaine: „Wir unterstützen diese Forderung. Aber wir müssen darauf hinweisen, dass es nicht ausreicht, Hilfen des Bundes zu fordern. Die Landesregierung muss selbst mehr tun. Denn die Entwicklung bei verschiedenen saarländischen Industriebetrieben – das letzte Beispiel ist Halberg Guss – zeigt, dass die bisherige Herangehensweise der Landesregierung zur Rettung von Unternehmen und zum Erhalt von Arbeitsplätzen unzureichend ist. Wir fordern nach wie vor einen regionalen Beteiligungsfonds (Saarlandfonds), um kleinere und mittlere Betriebe im Krisenfall abzusichern und bedauern, dass die saarländische Landesregierung das bisher immer abgelehnt hat.

Am Beispiel Halberg Guss kann nachgewiesen werden, dass bei den ständigen Eigentümerwechseln durch eine frühzeitige Beteiligung des Landes zumindest in Form einer Sperrminorität von 25,1 Prozent viele Arbeitsplätze erhalten worden wären. Bei Halberg Guss ist die Landesregierung jetzt in der Pflicht, eigene Anstrengungen zu unternehmen, um zu verhindern, dass eines der renommiertesten saarländischen Industrieunternehmen die Tore schließen muss, weil die jetzige Geschäftsführung offensichtlich überfordert ist und die Liquidität zur Fortführung des  Betriebes nicht gewährleistet wird. Das Hauptproblem bei Halberg Guss ist zurzeit die Liquidität. Das Angebot der Landesregierung, für Zukunftsinvestitionen des Unternehmens Bürgschaften bereit zu stellen, löst dieses akute Problem nicht. Es ist unverständlich, dass die Landesregierung nach Auskunft des Wirtschafts-Staatssekretärs Jürgen Barke nicht frühzeitig Kontakt zu VW aufgenommen hat, dem mit General Motors und Deutz wichtigsten Kunden der Gießerei.“ DIE LINKE beantragt, dass sich der Wirtschaftsausschuss nach Halberg Guss auch baldmöglichst mit der Ankündigung der Stahl-Holding Saar und ZF beschäftigt, Arbeitsplätze abzubauen und ins Ausland zu verlagern.

Auch Jörg Caspar, Vorstandsvorsitzender der Arbeitskammer des Saarlandes, und AK-Hauptgeschäftsführer Thomas Otto schlagen Alarm! „In den nächsten Jahren drohen im Saarland massive Arbeitsplatzverluste“, betont Jörg Caspar. Thomas Otto fordert: „Das Saarland benötigt jetzt spürbare Strukturhilfen von Bundesseite, um die anstehenden Veränderungen zu bewältigen und die zu befürchtenden Arbeitsplatzverluste sozial verträglich und nachhaltig zu kompensieren.“

Die Arbeitnehmervertreter sind in die Planungen für Strategien der kriselnden Unternehmen meistens nicht eingebunden. Jörg Caspar: „Wir brauchen uneingeschränkte Transparenz für die Arbeitnehmer. Deshalb müssen die Betriebsräte umgehend und vollständig informiert und in die Planungen einbezogen werden.“ Die schlechten Nachrichten der vergangenen Wochen und Tage sind ein Beispiel für die massiv unter Druck geratene saarländische Stahl- und Automobilindustrie. Laut Branchenreport der Arbeitskammer 2019 arbeitet jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe des Saarlandes im Fahrzeugbau. Thomas Otto: „Die Bedeutung des Sektors ist aber weit größer. Nach Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekten sind rund 54.000 Beschäftigungsverhältnisse mit der Automobilindustrie verbunden.“

„Die Landesregierung muss sich dafür einsetzen, dass das Saarland angesichts der Herausforderungen des Strukturwandels nicht alleine gelassen wird. Der Bund muss jetzt präventiv finanziell massiv unterstützen“, so Jörg Caspar.

1 KOMMENTAR

  1. Dann muss man aber auch bereit sein mehr zu bezahlen. Dieses Ausschreibungssystem in vielen Fällen sogar EU weit, führt doch dazu dass anstatt auf Qualität Wert auf Quantität gelegt wird. Ein Unternehmen aus einem EU Drittland kann günstiger Fertigstellen, aber zu welchen Bedingungen?

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