Rollatoren, Gehhilfen und elektrische Rollstühle im Wert von rund 30.000 Euro haben sich am 2. März von Homburg aus auf den Weg in die Ukraine gemacht. Das Frauenbüro des Saarpfalz-Kreises hatte über Monate medizinische Hilfsmittel gesammelt, um den gemeinnützigen Verein „Zukunft für Otschakiw“ zu unterstützen – eine Initiative, die in einem Sprachkurs ihren Anfang nahm und am Ende einen ganzen Lastwagen füllte.
Otschakiw, eine Kleinstadt am Schwarzen Meer rund 70 Kilometer östlich von Odessa, hat durch den Krieg die Hälfte ihrer Bevölkerung verloren. Geblieben sind vor allem ältere Menschen, Kinder und Kriegsversehrte, für die es kaum noch Versorgung gibt. Engagierte Bewohnerinnen und Bewohner gründeten vor einem Jahr eine private Hilfsorganisation, die sich um genau diese Menschen kümmert. Geleitet wird sie von Viktoria Chorna, deren Mutter am Sprachkurs des Frauenbüros in Homburg teilnimmt. Über diesen persönlichen Kontakt entstand im November 2025 die Idee, gezielt medizinische Hilfsmittel zu sammeln, die in der Ukraine praktisch nicht mehr erhältlich sind.
Den Auftakt bildete Anfang Dezember 2025 ein ukrainischer Nachmittag im Frauenbüro – mit landestypischen Gerichten, einer Kunstgewerbeausstellung und einem Kinderchor, der ukrainische Volkslieder vortrug. Die Resonanz war enorm: Helferinnen aus dem Umfeld des Büros bereiteten tagelang Spezialitäten in großer Menge zu, eine aufgestellte Spendenbox war rasch gefüllt. Der Erlös floss direkt in dringend benötigte Pflegeprodukte für Otschakiw. In den Wochen danach rollte eine Welle der Hilfsbereitschaft durch den gesamten Landkreis. Die Mitarbeiterinnen des Frauenbüros holten die gespendeten Hilfsgüter ab, registrierten sie und bereiteten sie auf. Das Saarbrücker Sanitätsfachgeschäft BIGRAtec steuerte neben zahlreichen Gehhilfen und Rollatoren ein elektrisches Pflegebett sowie zwei elektrische Rollstühle bei. Weil deren Akkus nicht mehr funktionierten, sprang die Homburger Firma Saarbatt ein und stellte vier Ersatzgeräte auf eigene Kosten zur Verfügung.
Für den Transport sorgte die Dr. Theiss Naturwaren GmbH aus Homburg, die seit Kriegsbeginn eine verlässliche Partnerin der Hilfsbemühungen im Saarpfalz-Kreis ist. Das Unternehmen holte die Güter beim Frauenbüro ab, verpackte sie und stellte die gesamte Logistik bereit. Darüber hinaus ging ein Generator für ein Krankenhaus in Kiew mit auf den Weg. Den Kontakt hatte die Stabsstelle Europa des Saarpfalz-Kreises hergestellt, die für den grenzüberschreitenden Austausch mit europäischen Partnerlandkreisen zuständig ist. Giuseppe Nardi, geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Theiss Naturwaren, ordnete das Engagement seines Unternehmens ein: „Die Unterstützung der Menschen in der Ukraine ist für uns seit Beginn des Krieges Ausdruck unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmen. Umso mehr begrüßen wir die Initiative des Saarpfalz-Kreises und der engagierten ehrenamtlichen Ukrainerinnen, die mit großem persönlichen Einsatz diesen Hilfstransport möglich gemacht haben.“
Nardi verwies zudem auf die Bedeutung einer verlässlichen medizinischen Versorgung unter den gegenwärtigen Bedingungen und dankte allen Beteiligten: „Dieses gemeinsame Handeln ist ein starkes Zeichen gelebter Solidarität.“ Landrat Frank John, der die Verladung gemeinsam mit Frauenbeauftragter Dr. Susanne Nimmesgern und Europabeauftragter Dr. Violetta Frys begleitete, betonte ebenfalls die Tragweite der Aktion. „Angesichts des unfassbaren Leids in der Ukraine sind nach wie vor unsere Solidarität und die Bereitschaft, den Menschen dort zu helfen, gefordert“, sagte John. Ein Projekt dieser Größenordnung sei ohne starke Partner aus der heimischen Wirtschaft nicht denkbar. Sein besonderer Dank galt Dr. Theiss Naturwaren, das nicht nur Transportkapazitäten bereitstelle, sondern seit Kriegsbeginn eine verlässliche Stütze der humanitären Brücke in die Ukraine sei.
Am 24. Februar hatte sich der russische Angriff auf die Ukraine zum vierten Mal gejährt. Viele Geflüchtete haben inzwischen auch im Saarpfalz-Kreis Fuß gefasst. Das Frauenbüro, das seit Jahren Beratung in verschiedenen Lebenslagen und Sprachangebote bereitstellt, ist für sie zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden. Dass aus einem niedrigschwelligen Sprachkurs eine Hilfsaktion erwuchs, die einen ganzen Landkreis mobilisierte, zeigt, wie eng persönliche Begegnung und konkretes Handeln zusammenhängen können.
Alle Bilder: Daniel von Hofen












































