Am Zunderbaum in Homburg haben die Rodungsarbeiten für das Fiege-Logistikzentrum begonnen. Foto: Rosemarie Kappler

Am Zunderbaum in Homburg haben die Rodungsarbeiten für die Ansiedlung eines Logistikzentrums des Fiege-Konzerns begonnen. Das Unternehmen hat vom Land ein 17 Hektar großes Areal gekauft und nutzt die Wochen vor Beginn der Brut- und Setzzeit für die vorbereitenden Maßnahmen und Rodungen und für die Planungen des Geländeanschlusses an die B423.

Inzwischen hat der Grüne-Stadtverband Homburg einen Stopp der aus seiner Sicht voreiligen und sinnlosen Maßnahme gefordert, auch, weil bis heute nicht geklärt sei, wie die zusätzliche Verkehrslast vor dem Autobahnanschluss bewältigt werden könne. Auch bei der Stadt Bexbach sieht man die Ansiedlung und die verkehrlichen Konsequenzen kritisch. Bürgermeister Christian Prech: „Das mit dem Zunderbaum nervt mich immens. Wir haben einen Brief vorbereitet an Ministerin Rehlinger. Das ist ein Unding, wie hier zu Lasten der Bexbacher mit dem Thema umgegangen wird. Wir wollen Druck ausüben und unseren Unmut äußern. Wir sind nicht in die Pläne eingebunden. Das Ganze ist aber schließlich auch ein Riesenthema für Bexbach. Ich denke an das Thema Lärm, aber auch an das Wasserthema. Die Bebauung reicht bis dicht an die Autobahn. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kleinottweiler da unbelastet bleibt. Wir wollen schauen, dass wir da auch neue Messergebnisse bekommen, wenn der Autobahnanschluss fertig ist.“

Winfried Anslinger, Vorsitzender des Homburger Grüne-Stadtverbandes und Nabu-Vorsitzender, befürchtet schon jetzt Rückstaus auf der B423 Richtung Autobahn. Zudem sieht er das Vorhaben der Stadt Homburg in Gefahr, innovative Betriebe auf dem Gewerbegebiet G9 anzusiedeln. Der verstärkte Logistikverkehr könnte interessierte Unternehmen von einer möglichen Ansiedlung abhalten. Erklärend muss man anmerken, dass bislang noch nicht feststeht, wie die Anbindung des Logistik-Areales an die B423 erfolgen soll. Auf Anfrage teilt ein Fiege-Sprecher mit: „Wie genau der Anschluss an die B423 erfolgen wird, steht aktuell noch nicht fest. Wir sind hier in enger Abstimmung mit dem Landesbetrieb für Straßenbau und der Stadt Homburg. Eine detaillierte Planung sollte im ersten oder spätestens zweiten Quartal 2022 vorliegen.“

Für Winfried Anslinger steht hingegen fest: „Die verkehrliche Anbindung ist meines Erachtens nicht möglich, da eine Ampel die Gefahr des Rückstaus bis auf die Autobahn mit sich bringt. Alternativ wäre nur ein Brückenbau denkbar.“ Die Stadt Homburg hingegen hatte allerdings bereits vor Jahren eine Alternative ins Auge gefasst: Die Öffnung der Zunderbaum-Notzuwegung. Damit könnte der Verkehr vom Zunderbaum II über die Altstadter Straße zur B423 geführt werden. Auch das eine Vorstellung, gegen die die Stadt Bexbach schon frühzeitig ihr Veto geäußert hat.

Die CDU-Stadtratsfraktion in Homburg unterstützt indes wiederum die Idee nach einer Öffnung der Notstraße. Fraktionssprecher Michael Rippel: „Bezüglich des Zunderbaums hat sich die Haltung der CDU zu der sogenannten Notzufahrt selbstverständlich nicht geändert, dies halten wir nach wie vor für eine sinnvolle Option zur verkehrlichen Anbindung des Zunderbaums, wie es im Übrigen auch schon der Homburger Bürgermeister Michael Forster vor rund einem Jahr artikuliert hatte. Natürlich sind wir uns der Kritik der angrenzenden Gemeinden diesbezüglich bewusst. Es gilt jetzt zunächst, die Planungen der verkehrlichen Anbindung abzuwarten und die verschiedenen Optionen zu prüfen, daran werden wir uns als CDU-Fraktion kritisch und konstruktiv beteiligen.“

Was bei Kritikern der Ansiedlung auf dem Zunderbaum II-Areal noch zählt ist die Waldvernichtung, „zumal das Waldopfer überhaupt nicht ordentlich ausgeglichen wird“, wie Anslinger auf Nachfrage mitteilt.“ Er schreibt: „Bei einer Begehung der festgesetzten Ausgleichsmaßnahmen wurde kürzlich festgestellt, dass die Ersatzwaldfläche an der Richardstraße nur circa ein Drittel so groß ist wie der wegfallende Wald. Die weiteren Maßnahmen seien bis heute nur teilweise erfüllt und unzureichend.“ Deshalb appellieren die Grünen an die Homburger Stadtverwaltung die Abholzung zu stoppen, „um Zeit zu gewinnen für bessere Konzepte, die der Allgemeinheit mehr Nutzen bringen.“

Von Seiten der Stadt heißt es auf Anfrage, dass eine Verpflichtung, die errechneten Ökopunkte vollständig auszugleichen, nicht bestehe. Die Realisierung des 2010 in Kraft getretenen Bebauungsplanes Zunderbaum habe einen Ausgleich in umgerechnet in 932.750 Ökologischen Werteinheiten erforderlich gemacht. Etwas mehr als ein Drittel hat die Stadt mit einer Aufforstungsmaßnahme bei Reiskirchen ausgeglichen. Weitere rund 530.000 Ökupunkte konnten durch Maßnahmen am Schwarzweihergraben in Beeden in Anrechnung gebracht werden. Dort wurden Flutmulden angelegt und ein Gewässerrandstreifen, Hartschalen wurden entfernt und Grünland intensiviert.

Im Ergebnis heißt es seitens der Stadt zu den Ausgleichsmaßnahmen: „Durch den Abfluss von Öko-Punkten aus dem Öko-Konto, welche durch Aufforstungs- bzw. Bewaldungsmaßnahmen erwirtschaftet wurden, wird die Realisierung des B-Planes zu knapp einem Drittel funktional ausgeglichen. Bis auf die Initialbepflanzung eines Auwaldes an der Blies bei Beeden sind alle Maßnahmen erfolgreich umgesetzt. Bei der Initialbepflanzung zur Erzeugung des Auwaldes an der Blies sollte nachgebessert werden.“ Anders ausgedrückt: Lediglich rund sieben Prozent der erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen wurden bislang nicht ausgeglichen.

Aufgrund möglicher Negativfolgen für den Verkehr und weil aus ihrer Sicht ein weiteres Logistikunternehmen für Homburg nichts bringe, bleibt der Grüne-Stadtverband erst einmal bei seiner Haltung und lehnt die Fiege-Ansiedlung ab. Anslinger: „Die Ansiedlung wäre zu verhindern, wenn der Rat sich besinnt und feststellt: Eine vernünftige Verkehrsanbindung ist nicht möglich.“

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