Denis Juszczuk, Alexander Veit, Daniel Fuchs und Nico Lehmann wollen sich im Jugendbeirat dafür einsetzen, dass Homburg attraktiver für junge Leute wird. Bild: Bill Titze.

Ob auf Bundes- oder Landesebene, quasi überall wird von Politikern betont, dass die Jugend stärker an politischen Prozessen beteiligt werden müsse. In Homburg wird nun genau das in die Tat umgesetzt; vor Kurzem konstituierte sich der neue Jugendbeirat der Stadt. Dessen Mitglieder sehen in vielen Bereichen Verbesserungspotential – und wollen ordentlich mitsprechen.

Wer sich mit jungen Menschen in der Stadt unterhält, der bekommt oft genug zu hören: „In Homburg ist nix los.“ Eine Aussage, die leicht zu treffen ist, dafür genügt ein Samstagabend-Spaziergang durch die Innenstadt. Deutlich schwerer ist es, an diesem Zustand etwas zu ändern. Einige Jugendliche wollen das zumindest versuchen und haben sich für den Jugendbeirat der Stadt beworben.

Vor einigen Wochen war die konstituierende Sitzung, mittlerweile sind die 18 jungen Leute fleißig am Arbeiten. Das nicht nur in Präsenssitzungen, sondern auch über Videocalls und Textnachrichten – wie es sich für junge Leute eben gehört. „Es ist nicht so, dass da alles nach Tagesordnung ablaufen muss, es ist eine angenehme, lockere Atmosphäre“, erklärt Mitglied Daniel Fuchs. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass die Jugendlichen ihre Aufgabe nicht ernst nehmen.

Das wird schnell klar, wenn man sich mit ihnen unterhält. „Homburg braucht einfach mehr Jugendbeteiligung, damit sich die Stadt entwickeln kann“, betont Fernschüler Denis Juszczuk. „Wir wollen was bewegen und verändern.“ Das gilt nicht zuletzt für den kulturellen Bereich. „Wenn man ins Studentenalter kommt, merkt man einfach, dass es hier für diese Gruppe gar nichts gibt“, kritisiert Informatik-Student Alexander Veit. Die Antwort laute dann oft: Saarbrücken oder Kaiserslautern. Aber eben nicht nur bei der Wochenendplanung. „In Homburg habe ich einfach keine bezahlbare Wohnung gefunden und so geht es einigen meiner Freunde“, sagt Fernschüler Juszczuk, der erst vor Kurzem nach Saarbrücken gezogen ist.

Ein zu geringes Angebot ist laut den Jugendbeiratsmitgliedern auch in anderen Bereichen ein Problem. Beispielsweise bei den Radwegen oder den nächtlichen Busverbindungen. Alles Themen, die in den kommenden Monaten vom Jugendbeirat vorangetrieben werden sollen. Für den 23-jährigen Studenten Nico Lehmann ist das Gremium eine echte Chance. „Wir haben jetzt endlich ein Gremium, das nur auf die Jugendlichen schaut und ihnen eine Lobby gibt.“

Bevor es jedoch wirklich an die inhaltliche Arbeit geht, müssen sich die 18 Jungen und Mädchen noch einarbeiten. Schließlich müssen oftmals kompliziert formulierte Stadtratsvorlagen durchgearbeitet werden und überhaupt die Funktionsweise der Verwaltung durchschaut werden. „Derzeit geht es weniger darum, selbst zu machen, als vielmehr darum, Erfahrung zu sammeln.“, so Daniel Fuchs. Ziel der Jugendlichen ist es, in Zukunft bei jugendpolitischen Fragen immer gehört zu werden. „Langfristig geht es darum, dass im Stadtrat nichts mehr zur Jugendpolitik entschieden wird, dem wir nicht zugestimmt haben“, erläutert Nico Lehmann, der zum ersten Vorsitzenden des neuen Gremiums gewählt wurde.

Letztlich dürften Vorhaben aber nur mit den Entscheidungsträgern voranzubringen sein, ob das nun die Verwaltung oder den Stadtrat betrifft. Einen wichtigen Fürsprecher hat der Jugendbeirat schon jetzt: Bürgermeister Michael Forster war bei der konstituierenden Sitzung selbst vor Ort und versicherte den Jugendbeiräten in einem Anschreiben seine Unterstützung. Und auch bei den Stadtrats-Fraktionen stoßen die Jugendlichen auf offene Ohren. „Bei drei Fraktionen waren wir schon zu Besuch“, sagt Daniel Fuchs. Nur die Sommerpause habe verhindert, dass man sich nicht auch schon mit den anderen Fraktionen getroffen hat, wie Fuchs erklärt. „Abgewiesen wurden wir noch von keiner Fraktion.“

Nicht unwichtig, denn auf Sicht könnte der Jugendbeirat die Hilfe der Stadträte durchaus gebrochen. So zum Beispiel bei der Verfassung von Anträgen. „Außerdem könnte es sein, dass wir Anträge über die Fraktionen in den Stadtrat einbringen“, skizziert Fuchs, wie der Jugendbeirat Einfluss nehmen könnte. Aber auch im Rat selbst dürften die Jugendlichen in Zukunft versuchen, Entscheidungen in ihrem Sinne voranzutreiben. Denn dort haben die Jugendbeiräte Rederecht.

Bevor es jedoch so weit ist, steht noch allerhand Organisation und Netzwerken auf dem Programm. In den kommenden Monaten ist man unter anderem bei verschiedenen Sxchülervertretungen zu Gast. Außerdem soll im Oktober ein großes Treffen mit möglichst viele Vereinen aus der Stadt stattfinden. Und auch beim Kinder- und Jugendfest möchten die Jugendlichen mit einem Stand dabei sein, wie Daniel Fuchs verrät. „Da können wir dann mit anderen jungen Leuten ins Gespräch kommen und fragen, was sie bewegt.“ Gut möglich, dass dann auch mal der Spruch fällt „In Homburg ist nix los.“ Dass dieser Satz in einigen Jahren nicht mehr zu hören ist, dafür dürfte der Jugendbeirat alles tun.

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