Foto: Stephan Bonaventura

Die Tourist-Info Blieskastel hat eine neue Stadtführung im Angebot: Der Soldat Johannes Kamper lädt ein zu einem historischen Ausflug in die Zeit, in der ein Gulden einen Wochenlohn bildete. Ein Rückblick auf die erste Tour am 12. Oktober 2020.

Wo wenn nicht im Barockstädtchen Blieskastel kann man den Geist und die Atmosphäre früherer Zeiten beim Stadtbummel so richtig nachvollziehen. In diversen Stadtführungen gibt es darüber viel zu erfahren, ob mit der Hofdame, Kammerzofe, dem Nachtwächter oder mit der Gräfin selbst – die Ära derer von der Leyen ist immer noch allgegenwärtig. Ganz neu im Repertoire ist ein Rundgang mit dem Feldwebel Johannes Kamper, ehemals Soldat der leyenschen Schlossgarde, nun auch schon bald 300 Jahre alt und einst zuständig für die 16 Gardesoldaten und für die Sicherheit der gräflichen Herrschaft.

Am 7. Januar 1749 geboren, am 8. Januar getauft, 1807 verstorben und offensichtlich doch noch quicklebendig, erlebte er die Blütezeit der Von-der-Leyenschen Herrschaft in Blieskastel mit, die von 1773-1793 andauerte. Er war verheiratet, hatte 11 Kinder, einige durch Krankheiten verloren wie es zu der Zeit üblich war. Über all dies wird er gleich während der 100-minütigen Stadttour auf rund 1,5 km Wegstrecke berichten. Zunächst jedoch gilt es, von einem Pergament einen Erlass zu verlesen, verfasst von einem Schmelzer Amtmann. Darin geht es um das Verbot wiederholten Umgangs mit der Garde, um heimliche Zusammenkünfte mit den Grenadieren und – hört, hört – den Ausbruch von Seuchen. Ein Mindestabstand von 6-7 Fuß sei fortan einzuhalten, Hygieneregeln zu beachten…

Während des spannenden Rundganges gibt es dann viel Wissenswertes zu erfahren: über die Zeit, die Familie von der Leyen, die Stadt und ihre Geschichte, über Handwerktreibende, die in der Regel an Stadtändern zu finden waren. Oder über historische Plätze wie die Brunnen, deren Nutzung zu jener Zeit nicht selten mit Wurmerkrankungen einhergingen. Aber auch über Johannes Kamper selbst, stellvertretend für die kleine Gruppe von Soldaten im Dienste der Herrschaft damals, über ihre Bekleidung und Bewaffnung, das Leben in der Kaserne, auf den Straßen und im Krieg.

Johannes Kamper, der reichsgräflich leyensche Soldat der Schlossgarde. – Bild: Uwe Brengel

Gästeführer Marco Hillinger, der Mann hinter der historischen Figur, macht seine Sache souverän, hier und da mit einem Augenzwinkern und unter Miteinbezug der Gäste. Zu historischen Fakten liefert er auch kleine Anekdoten und zurück am Paradeplatz weiß er schließlich sogar noch Namen einiger Soldatenkameraden zu benennen. Alles authentisch, all diese Personen haben tatsächlich damals gelebt. Nach mehr als eineinhalb Stunden kehrt man dann um einiges Wissen reicher zurück in die Gegenwart. Bleibt die eine Frage: ist der rühmliche Gardist tatsächlich schon so alt und doch noch so lebendig? Angesichts der lebendigen Präsentation ist man fast geneigt daran zu glauben. (ub)

 

Stadtführung „Der reichsgräflich leyensche Soldat der Schlossgarde – Unterwegs mit dem Soldaten Johannes Kamper“:

Weitere Termine sind im November vorgesehen. Der erste (13.11.) ist bereits ausgebucht, ein weiterer findet noch am Samstag, 14.11., 14 Uhr, statt. Um die geltenden Abstandsregeln einzuhalten, ist die Teilnehmerzahl beschränkt. Eine Voranmeldung bei der Tourist-Info ist daher dringend erforderlich! Treffpunkt für die Führung ist der Eingang zur Markthalle des Rathauses I am Paradeplatz. Preis: 5 Euro pro Person, Patienten mit Kurkarte erhalten 1 € Ermäßigung, Kinder bis 14 Jahre sind frei.

Anmerkung der Redaktion: Durch die aktuellen Verordnungen ist eine Durchführung der genannten Termine nicht sichergestellt. Bitte vorab beim Veranstalter nachfragen.

 

 

 

 

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