Bild: Bill Titze.

Einöd ist beliebt, Jahr für Jahr ziehen mehr Menschen in den südlichsten Homburger Stadtteil. Das ist einerseits Anzeichen von Attraktivität. Andererseits bringt das aber auch Probleme mit sich. Mit denen muss sich Ortsvorsteher Karl Schuberth dann beschäftigen – oder herumschlagen, ganz wie man’s nimmt. Für ihn ist das oft eine Geduldsprobe. Es gibt jedoch auch Dinge im Dorf, die ihn stolz machen.

Grundschule, Kita, Freiwillige Ganztagsschule – Einöd steht seit Jahren gleich mit mehreren Bauprojekten in den Schlagzeilen. Nicht unbedingt ein gutes Zeichen, schließlich möchte man solche Vorhaben nicht ewig vor sich herschieben, sondern auch umsetzen. So geht es natürlich auch Ortsvorsteher Karl Schuberth, der dieses Amt seit fast 20 Jahren inne hat. Eine halbe Ewigkeit also. Amtsmüde wirkt er jedoch nicht.

Auch wenn man ihm das kaum verdenken könnte, schließlich ist bei den oben genannten Bauprojekten noch kein Stein gesetzt worden. „Das ist eben das berühmte Bohren dicker Bretter“, sagt Schuberth. „Man gewöhnt sich daran.“ Das heißt jedoch keinesfalls, dass dem gebürtigen Einöder die Erweiterung der Grundschule und der FGTS sowie der Neubau der Kita „Am Heidenhübel“ gleichgültig wäre. Ganz im Gegenteil: Bei so manchem Aspekt ist Schuberths Ärger deutlich zu spüren.

Beispiel Freiwillige Ganztagsschule. „Es waren Fördergelder da und dann geht es doch nicht vorwärts“, so Schuberth mit Blick auf den bereits beschlossenen Ausbau der FGTS, der letztlich von der Stadt zugunsten des Umbaus der Grundschule Sonnenfeld zurückgestellt wurde. Dabei drängen sowohl der Ausbau der Grundschule als auch jener der FGST. Einöd ist nämlich ein beliebter Ort, in den viele Familien ziehen. „Da kriegen wir irgendwann gesagt, dass Pläne nicht aufgehen, weil wir einen größeren Bedarf haben. Dabei sagen wir vom Ortsrat das seit Jahren“, ärgert sich der Mann, der seit 1994 in diesem Gremium sitzt. „Das geht einem dann schon auf den Wecker.“

Wohl vor allem deshalb, weil man von Seiten des Ortsvorstehers und des Ortsrats letztlich ohnmächtig vor den Problemen steht, wie Schuberth einräumt. „Wir sind ja keine Baufachleute, wir können nur immer wieder auf die Probleme hinweisen und Wünsche äußern.“ Dabei sind diese gar nicht exorbitant groß „Wie das alles umgesetzt wird, ist uns letztlich egal.“ Während es bei FGTS und Grundschule vor allem die Überlastung der Verwaltung und die Bürokratie sind, die der Verwirklichung von Plänen im Weg stehen, sind es bei der geplanten Kita eher Anwohner, die Angst vor einer möglichen Lärmbelästigung haben. Für Schuberth nicht unbedingt nachvollziehbar. „Meiner Ansicht nach ist die Belastung minimal.“ Es könnte durchaus sein, dass diese Frage Gerichte klären müssen, denn die Anwohner könnten noch gegen die Errichtung der Kita klagen. Was wiederum zu Verzögerungen führen würde.

Dabei sind es laut Schuberth gerade Institutionen wie Grundschule und Kita, die eine integrative Funktion im Dorfleben ausüben könnten. „Da binden sich Menschen manchmal ein, die neu hierher kommen und das Dorf zerfleddert dann nicht in eine reine Wohnsiedlung.“ Ohnehin sei es so, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl in den letzten Jahren nachgelassen habe. „Der Egoismus wird einfach größer. Wenn man früher für eine Sache zehn Leute angerufen hat, sind noch zehn andere gekommen. Das ist heute nicht mehr so.“ Wenn es einer weiß, dann Schuberth, der von 1982 bis 2020 eine Hausarztpraxis mitten im Ort führte und mit Fug und Recht als Ur-Einöder bezeichnet werden kann. Dennoch betont Schuberth auch, dass das ehrenamtliche Engagement in Einöd noch gut sei. „Wir haben hier 20-25 Vereine und die funktionieren auch.“

Funktioniert hat auch die äußere Umgestaltung des Dorfes, die nun schon einige Jahre zurückliegt. Da wurde nicht nur der Platz vor der Kirche verschönert, sondern auch der Dorfplatz erstrahlt seitdem im neuen Glanz. „Das hat eine Gruppe von Bürgern alles selbst gemacht“, blickt Schuberth zurück. „Solche Sachen machen einen dann schon stolz.“, Genauso wie die Errichtung eines Bahnhaltepunktes in Einöd. „Dafür habe ich lange gekämpft und der kommt ja jetzt auch bald.“

Wenn alles klappt, sollen ab 2025 wieder Züge von Homburg nach Einöd fahren. Bleibt abzuwarten, ob Kita, Grundschule und FGTS bis dahin ebenfalls erweitert respektive gebaut wurden. Bei der B423-Umgehung dürfte das bis dahin kaum der Fall sein, was jedoch niemanden in Einöd überraschen wird. Bereits seit Jahrzehnten wird ja an diesem Mega-Projekt geplant, Ausgang offen. Wie lange Schuberth schon im Geschäft ist, merkt man spätestens dann, wenn er von den Anfängen dieses Mammut-Vorhabens spricht. „Damals habe ich hier noch Schilder für die B423 aufgestellt“, erzählt er mit einem Lachen. Wie lange er sich noch politisch engagiert, hält Schubert offen. 2024 steht die nächste Ortsratswahl an. „Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass ich nochmal als Ortsvorsteher kandidiere. Aber man soll ja niemals nie sagen.“ Das gilt wohl auch für die zahlreichen Bauprojekte in Einöd – die B423neu eingeschlossen.

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