Kira Rosar vom Ordnungsamt der Stadt Sulzbach, Jonas Jung, zuständig für den Bevölkerungsschutz der Stadt St. Ingbert, und Alesja Hirsch, Leiterin des Sulzbacher Ordnungsamtes (von links), beim Erfahrungsaustausch. Foto: Gemeinde Kirkel/Wolf
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Der Stromausfall in Berlin vor wenigen Wochen hat es eindrücklich vor Augen geführt: Krisen kommen ohne Vorwarnung, und sie machen vor Gemeindegrenzen nicht halt. Genau diese Erkenntnis hat drei saarländische Kommunen dazu bewogen, ihre Kräfte im Bevölkerungsschutz zu bündeln. St. Ingbert, Sulzbach und Kirkel haben sich zu einem gemeinsamen Arbeitskreis zusammengeschlossen, der Erfahrungen teilen, Synergien heben und die Vorsorge für die Bürgerinnen und Bürger aller drei Kommunen auf ein neues Niveau heben soll.

Die Initiative ging von der Stadt Sulzbach aus. Nachdem es zunächst einen bilateralen Austausch zwischen Sulzbach und Kirkel gegeben hatte, weitete sich die Kooperation nun auf St. Ingbert aus. In der vergangenen Woche traf sich die Arbeitsgruppe erstmals in dieser Dreierkonstellation im Ratssaal der Gemeinde Kirkel. Dass die Sache Gewicht hat, zeigte die Besetzung am Tisch: Neben den Fachleuten aus den zuständigen Verwaltungsstellen nahmen auch St. Ingberts Oberbürgermeister Ulli Meyer, Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam und Kirkels Bürgermeister Dominik Hochlenert persönlich teil.

Für Oberbürgermeister Meyer ist der Schulterschluss eine direkte Konsequenz aus der geopolitischen Lage: „Die aktuelle Weltlage zeigt: Krisen können jederzeit und überall eintreten. Umso wichtiger ist es, dass wir als Kommunen frühzeitig vorsorgen und unsere Kräfte bündeln. Die Zusammenarbeit mit Kirkel und Sulzbach ist ein starkes Signal für gelebten Bevölkerungsschutz und interkommunale Zusammenarbeit. Gemeinsam können wir Erfahrungen teilen, Synergien nutzen und unsere Strukturen weiter verbessern – zum Schutz der Menschen in unserer Region.“

Den inhaltlichen Kern des Treffens bildeten drei Fachvorträge, in denen jede Kommune ein eigenes Projekt vorstellte. Kira Rosar, im Sulzbacher Bereich Bürgerdienste und Ordnungswesen tätig, präsentierte ein digitales Warnsystem, das Alarmierungen passgenau auf unterschiedliche Krisenlagen und Personenkreise zuschneiden kann. Jonas Jung, in St. Ingbert für den Bevölkerungsschutz verantwortlich, erläuterte die Erarbeitung einer Dienstanweisung für den Einsatz eines sogenannten „Stabs für außergewöhnliche Ereignisse“, kurz SAE. Eine solche Anweisung bildet das Fundament für den Einsatz eines Krisenstabes. Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei ein Konzept, das die Mittelstadt neu eingeführt hat: einen „Beamten vom Dienst“, der im wöchentlichen Wechsel rund um die Uhr in Bereitschaft steht, um auf ungewöhnliche Situationen reagieren zu können, noch bevor ein vollständiger Krisenstab einberufen werden muss.

Kirkel wiederum stellte seine aktuellen Planungen für ein Notfall-Kommunikationsnetz vor. Dieses soll selbst im schlimmsten denkbaren Szenario – einem flächendeckenden Stromausfall mit totalem Verlust aller herkömmlichen Kommunikationswege – eine rudimentäre, textbasierte Verständigung zwischen ausgewählten Punkten in der Gemeinde sicherstellen. Bürgermeister Hochlenert ordnete das Vorhaben ein: „Das ist aktuell das zentrale Projekt, das wir im Bereich des Bevölkerungsschutzes umsetzen wollen und korrespondiert direkt mit der Ausweisung von drei Hilfe- und Informationspunkten in der Gemeinde.“ Ziel sei es, die Gemeinde auch dann handlungsfähig zu halten, wenn sämtliche üblichen Kanäle ausfallen.

Über den reinen Erfahrungsaustausch hinaus verständigten sich die drei Verwaltungschefs auf ein erstes gemeinsames Projekt. Auf Vorschlag aus dem Teilnehmerkreis soll eine interkommunale Informationskampagne konzipiert werden, die den Bürgerinnen und Bürgern das Thema Eigenvorsorge näherbringt. Denn individuelle Vorbereitung gilt als einer der Grundpfeiler eines funktionierenden Bevölkerungsschutzes – und genau hier sehen die Beteiligten noch erheblichen Nachholbedarf.

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Sulzbachs Bürgermeister Adam bewertete das Auftakttreffen als gelungenen Start: „Der Arbeitskreis ist ein wichtiger Schritt hin zu einer engeren Zusammenarbeit. Für die Stadt Sulzbach bietet er eine wertvolle Plattform, um Erfahrungen und Ideen auszutauschen, offene Fragen gemeinsam zu klären und neue Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen.“ Dass der Austausch künftig regelmäßig fortgeführt werden solle und auf breite Unterstützung stoße, unterstreiche die Bedeutung eines solchen Dialogs auf Arbeitsebene. Die nächste Sitzung des Arbeitskreises dürfte also nicht lange auf sich warten lassen.

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