Oskar Staufer forscht an künstlichen Lymphknoten, die eines Tages die Krebstherapie verändern könnten. Jetzt hat die Universität des Saarlandes den Biophysiker gemeinsam mit dem INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien zum Professor für Experimentelle Biophysik berufen. Die Berufung, die am 27. April 2026 bekannt gegeben wurde, stärkt die Schnittstelle zwischen Materialwissenschaft, Immunologie und klinischer Anwendung am Standort Saarbrücken.
Staufers Arbeitsgebiet klingt zunächst abstrakt, hat aber einen sehr konkreten Kern: Sein Team entwickelt neuartige Biomaterialien, mit denen sich Immunprozesse außerhalb des menschlichen Körpers nachbilden und gezielt steuern lassen. Die künstlichen Lymphknoten etwa erlauben es, die Aktivierung von Immunzellen unter kontrollierten Bedingungen zu beobachten. Langfristig sollen auf diesem Weg leistungsfähigere Immunzellen für den Einsatz in der Krebstherapie hergestellt werden können – ein Ansatz, der die Brücke von der Grundlagenforschung zur Medizin schlägt.
Der Weg zur Professur im Saarland führte über renommierte Stationen. Staufer studierte Molekulare Biotechnologie an der Universität Heidelberg und promovierte am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung, wo er sich der Max Planck School „Matter to Life“ anschloss. Für seine Doktorarbeit erhielt er die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft. Ein Marie-Skłodowska-Curie-Stipendium der Europäischen Kommission ermöglichte ihm anschließend einen Forschungsaufenthalt an der Universität Oxford, wo er die Wechselwirkung zwischen künstlichen Systemen und Immunzellen vertiefte.
Bereits seit November 2022 leitet Staufer am INM die Forschungsgruppe „Immuno-Materialien“, die aus dem Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 2,4 Millionen Euro gefördert wird. Die Pharmazeutische Forschungsallianz Saarland, ein Netzwerk aus INM, dem Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland und der Universität des Saarlandes, hat seine Gewinnung aktiv unterstützt, um den Schwerpunktbereich NanoBioMed weiter auszubauen.
Mit seiner Berufung will Staufer die materialwissenschaftliche Forschung noch enger an die klinische Praxis heranführen. Dabei interessieren ihn vor allem physikalische Effekte, die immunologischen Prozessen zugrunde liegen. Seine Expertise in der Entwicklung biomimetischer Materialien – also solcher, die natürliche Vorbilder nachahmen – soll in größere fachübergreifende Verbünde einfließen. Konkret nennt die Universität den Schwerpunkt BioMed – Leben und Materie sowie künftige Sonderforschungsbereiche und mögliche Exzellenzinitiativen als Andockpunkte.
Die Berufung fügt sich in eine Strategie, die den Wissenschaftsstandort Saarland an der Nahtstelle von Physik, Biologie und Medizin profilieren soll. Staufers interdisziplinärer Ansatz, der Biophysik, Biomaterialien und Immunologie verbindet, passt präzise in dieses Profil. Ob aus seinen künstlichen Lymphknoten tatsächlich ein klinisches Werkzeug wird, muss die Forschung zeigen – die institutionellen Voraussetzungen dafür sind mit der neuen Professur jedenfalls geschaffen.


















