Für gut eine Stunde spielten Behandlungen, Arzttermine und Klinikalltag keine Rolle. 60 kranke und beeinträchtigte Kinder stiegen am Freitag in Sportwagen und besondere Fahrzeuge, bekamen ihren eigenen Fahrer und gingen vom Römermuseum Schwarzenacker aus auf Rundfahrt durch das Bliestal. Bei der siebten Auflage von „Kinderaugen sollen strahlen“ ging es dabei um weit mehr als schnelle Autos. Es ging um einen Nachmittag, an dem die Kinder einfach Kinder sein durften.

Ferrari, Porsche und andere außergewöhnliche Fahrzeuge standen dicht an dicht auf dem Gelände des Römermuseums. Welches Kind in welchem Auto Platz nehmen durfte, entschied das Los. Anschließend setzte sich der Tross in mehreren Gruppen in Bewegung. Von Schwarzenacker führte die Strecke über Webenheim und Blieskastel nach Aßweiler und über Niederwürzbach wieder zurück zum Ausgangspunkt.

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Was heute mit 60 Fahrzeugen eine der größeren Charity-Aktionen dieser Art im Saarland ist, begann vor neun Jahren deutlich kleiner. „Wir haben damals angefangen mit sechs Autos auf dem Marktplatz und heute sind es 60 Autos, die hier sind“, erinnerte Initiator Thomas Höchst bei der Begrüßung. Zwei Jahre musste die Veranstaltung während der Corona-Zeit pausieren, nun fand sie zum siebten Mal statt.

Selbst Höchst hätte zu Beginn nicht erwartet, dass aus der damaligen Idee eine solche Veranstaltung entstehen würde. Inzwischen ist das Interesse auch unter den Fahrern so groß, dass die Anmeldung in diesem Jahr bereits nach drei Wochen geschlossen werden musste. Mehr als 60 Fahrer hatten sich bis dahin gemeldet.

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Und auch der materielle Wert der Fahrzeuge war bemerkenswert. Zunächst war von rund acht Millionen Euro ausgegangen worden. Höchst korrigierte diese Zahl am Freitag nach oben: „Die acht Millionen werden wohl nicht reichen, wir werden uns den zehn Millionen Euro nähern, die heute hier stehen.“ Doch genau diese Zahl war an diesem Nachmittag eigentlich die unwichtigste.

Eine Fahrt für Matteo

Denn Höchst erinnerte in seiner Ansprache auch daran, weshalb die Aktion überhaupt immer weitergeführt wurde. Vor einigen Jahren lernte das Team Matteo kennen. Der Junge wartete auf eine Herztransplantation, war jedoch lange so schwer erkrankt, dass eine Teilnahme an der Ausfahrt wegen seines Gesundheitszustandes und der hohen Infektionsgefahr nicht möglich war.

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„Wir haben immer gesagt, wir machen Kinderaugen so lange weiter, bis Matteo mitfahren darf“, erzählte Höchst. Nach der ersehnten Transplantation bestand zunächst Hoffnung, dass dieser Wunsch doch noch wahr werden könnte. Doch die lange Erkrankung hatte weitere Organe belastet. Matteo starb im vergangenen Jahr. Für Höchst und sein Team stellte sich danach sogar die Frage, ob die Veranstaltung weitergeführt werden sollte. Die Entscheidung fiel schließlich sehr bewusst.

„Wir haben uns etwas anders entschieden, denn wir fahren heute für Matteo“, sagte Höchst. „Lieber Matteo, da oben im Himmel, wo du bist, du schaust uns zu, das weiß ich ganz genau, und du wirst bei uns sein.“ Doch die Fahrt sollte nicht nur an ihn erinnern. Höchst sprach von vielen Kindern, die schwere Krankheiten durchlebt haben, im Krankenhaus liegen oder seit Jahren mit Einschränkungen leben. „Es gibt so viele Matteos, die es verdient haben, an diesem Tag eine Freude zu bekommen.“

Für ein paar Stunden einfach eine schöne Zeit

Genau darauf zielte auch Philipp Scheidweiler. Der Beigeordnete der Kreisstadt Homburg und Geschäftsführer der Stiftung Römermuseum bezeichnete die Aktion als eine Veranstaltung, die der Stadt sehr wichtig sei. An die Kinder gerichtet, brachte er den Gedanken des Nachmittags auf einen einfachen Satz: „Heute soll es darum gehen, mal alles zu vergessen und einfach mal eine schöne Zeit zu haben.“

Die Stadt stellte für die Aktion erneut das Gelände des Römermuseums zur Verfügung. Für Scheidweiler war die Unterstützung selbstverständlich. Zugleich würdigte er Höchsts Engagement, das weit über diesen einen Tag hinausreiche. Als Inklusionsbeauftragter der Stadt habe Höchst unter anderem auch bei den Special Olympics und beim Stadtfest der Inklusion Verantwortung übernommen.

„Du machst sehr, sehr viel für die Inklusion in unserer Stadt“, sagte Scheidweiler und dankte ihm ausdrücklich für seinen Einsatz. Höchst selbst wollte den Erfolg allerdings nicht an seiner Person festmachen. Als er bei seiner Ansprache sein Organisationsteam zu sich bat, fand er dafür deutliche Worte: „Sie sehen mich am Mikrofon, aber ich bin gar nichts. Ich bin gar nichts ohne mein Team.“ Mittlerweile arbeiteten drei Generationen innerhalb des Teams an der Veranstaltung mit. Seit Januar liefen die Vorbereitungen, praktisch keine Woche vergehe ohne Arbeit für „Kinderaugen sollen strahlen“.

Ehrenamt auf beiden Seiten der Windschutzscheibe

Dass die Fahrer an einem Freitagnachmittag ihre Zeit und ihre Fahrzeuge zur Verfügung stellten, gehört ebenso zum Konzept wie die Arbeit der zahlreichen Helfer. Auch das gesamte Rahmenprogramm wurde ehrenamtlich angeboten. Im Römermuseum warteten nach der Rückkehr Essen und Getränke, Zauberei und Luftballonaktionen. Auch der FC 08 Homburg beteiligte sich wieder an der Veranstaltung.

Höchst betonte, dass die Beteiligten dafür kein Geld verlangen wollten. Wer bei der Aktion mitmachte, tat es bewusst für die Kinder und ihre Familien. Dasselbe galt für zahlreiche Sponsoren und Unterstützer. Unter anderem halfen die Kreissparkasse Saarpfalz und die Stadtwerke bei der Finanzierung, weitere Unternehmen und Betriebe unterstützten mit Essen, Getränken, Sachleistungen und Preisen. Damit blieb auch für die Familien alles kostenlos.

Krankheit für einen Nachmittag nicht im Mittelpunkt

Die teilnehmenden Kinder kamen aus unterschiedlichen Einrichtungen und medizinischen Bereichen, darunter Kinderklinik, Kinderonkologie, Kinderherzklinik und Kinderschmerztherapie des Universitätsklinikums des Saarlandes, das Ronald McDonald Haus, die Kinderpsychiatrie und das Caritas Kinderzentrum. Erstmals war in diesem Jahr zudem der Bereich Kinderpalliativ eingebunden. Damit richtet sich die Aktion auch an Kinder, für die ein solcher Tag möglicherweise noch einmal einen ganz besonderen Wunsch erfüllen kann.

Gerade deshalb wollte Höchst die Veranstaltung ausdrücklich auch als Zeichen für Inklusion verstanden wissen. Menschen mit Krankheit oder Beeinträchtigung gehörten für ihn „in die Mitte unserer Gesellschaft“. Dafür stehe „Kinderaugen sollen strahlen“ ebenso wie für Offenheit und Vielfalt. Fast zehn Millionen Euro mögen an diesem Nachmittag auf vier Rädern gestanden haben. Der Wert der Aktion ließ sich trotzdem nicht daran messen. Thomas Höchst hatte die entscheidende Messgröße schon zu Beginn genannt: den Kindern noch einmal „ein Strahlen ins Gesicht“ zu bringen – und ihnen diese Freude ein Stück weit mit auf ihren weiteren Weg zu geben.

Alle Bilder: Friedel Simon

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