Roland Aydin übernimmt die neu geschaffene Professur für datengetriebene Simulation und Analyse in der Materialwissenschaft an der Universität des Saarlandes. Der bisherige Juniorprofessor der Technischen Universität Hamburg erhielt seine Ernennungsurkunde im saarländischen Ministerium der Finanzen und für Wissenschaft – und bringt eine ungewöhnliche Kombination aus Informatik, Medizin und Ingenieurwissenschaften mit nach Saarbrücken.
Aydins Forschung bewegt sich dort, wo Künstliche Intelligenz auf klassische Simulationsverfahren trifft. Konkret setzt er große Sprachmodelle ein und koppelt sie mit autonom agierenden Agentensystemen sowie weiteren KI-Methoden, um damit Fragen aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften zu bearbeiten. Sein besonderer Fokus auf Large Language Models und deren Einsatz in der Materialwissenschaft soll die datengetriebene Forschung an der Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät der Universität des Saarlandes gezielt voranbringen.
Die Professur ist zugleich als Brücke zum Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz angelegt. Am DFKI wird Aydin parallel als Forschungsbereichsleiter arbeiten – eine Konstellation, die den ohnehin engen Austausch zwischen Universität und dem renommierten KI-Institut weiter verdichtet. Für den Standort Saarbrücken, der sich seit Jahren als Zentrum der KI-Forschung in Deutschland positioniert, ist das ein weiterer strategischer Baustein.
Aydin selbst ordnet seine Berufung in einen größeren Zusammenhang ein. „Wir erleben derzeit eine außergewöhnlich schnelle und tiefgreifende Transformation, die Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen erfasst“, sagt er. „Technologien wie Large Language Models verändern grundlegend, wie Wissen erzeugt, vermittelt und genutzt wird.“ Ihn treibe vor allem die Frage um, wie diese Entwicklungen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgegriffen werden könnten – und wie Studierende darauf vorbereitet werden, die Veränderungen aktiv mitzugestalten.
Der akademische Werdegang des neuen Professors liest sich dabei wie ein Querschnitt durch gleich mehrere Disziplinen. Aydin studierte Informatik an der Technischen Universität München und am Georgia Institute of Technology in den USA, dazu Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Beruflich war er unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Numerische Mechanik der TU München und als Abteilungsleiter am Helmholtz-Zentrum Hereon tätig, bevor er die Juniorprofessur für Machine Learning in Virtual Materials Design an der TU Hamburg übernahm.
Mit dieser breiten Expertise steht Aydin exemplarisch für eine Generation von Forschenden, die Fachgrenzen nicht als Barrieren, sondern als produktive Schnittstellen begreifen. Dass er nun an der Saar sowohl die universitäre Lehre als auch die anwendungsnahe Forschung am DFKI mitgestaltet, dürfte beiden Seiten zugutekommen – und den Studierenden in Saarbrücken einen direkten Zugang zu einem der dynamischsten Felder der gegenwärtigen Wissenschaft eröffnen.


















