Behar Topalli (l.) und Faysal Ibo (r.) kommen schon seit viel Jahren in ihr "Second HOMe". - Foto: Bill Titze

Neue Leute kennenlernen, spielen oder einfach nur quatschen – Jugendzentren können im Alltag von jungen Menschen einen wichtigen Platz einnehmen. Auch in Homburg gibt es solche Zentren, zum Beispiel das Second HOMe in der Karlstraße. Ein Besuch zeigt: Dort entstehen mitunter Beziehungen, die weit über Freundschaft hinausgehen.

Wer erfahren will, welche Bedeutung ein Jugendzentrum für junge Menschen haben kann, unterhält sich am besten mit Behar Topalli. Topalli ist 25 und hat gerade seine Ausbildung zum Krankenpfleger erfolgreich abgeschlossen. Hört sich eigentlich nicht mehr wirklich nach dem typischen Besucher eines Jugendzentrums an. Doch ist genau das der springende Punkt: Topalli kommt auch mit 25 noch ins Second HOMe, um sich „über Gott und die Welt“ zu unterhalten, wie er sagt.

Seit über einem Jahrzehnt besucht Topalli das Jugendzentrum. „In Homburg konnte man halt nicht viel machen“, erzählt Topalli. „Das JUZ war damals recht bekannt und so bin ich mit Freunden hierher gekommen.“ Und geblieben. Hier konnte er nicht nur Billard spielen oder FIFA zocken. Sondern er bekam über die Jahre auch Hilfe bei der Ausbildungssuche und dem Schreiben von Bewerbungen. „Sogar zum Kauf meines ersten Autos hat mich ein Betreuer beraten.“

Damit ist eigentlich auch schon ganz gut umrissen, was Jugendliche ab 11 Jahren im Second HOMe geboten bekommen. „Wir haben normalerweise zwei Beratungstage und drei offene Tage“, erklärt Gehard Becker, einer der beiden hauptamtlichen Mitarbeiter. „Aber derzeit ist die offene Jugendarbeit wegen Corona geschlossen.“ Das ist auch der Grund, wieso im eigentlichen Gruppenraum derzeit schwere Schreibtische mit Computern stehen. Um Beratungen mit dem nötigen Abstand durchführen zu können, braucht man schlicht mehr Platz. Und im Gruppenraum darf ohnehin derzeit nicht an der Spielekonsole gedaddelt werden.

Dabei ist das eigentlich die Lieblingsbeschäftigung der Jugendlichen, wenn sie herkommen. „Die bekommen es hin, im Sommer bei 30 Grad hier zu sitzen und mehrere Stunden zu spielen“, erzählt Becker mit einem Lachen. Doch ist das bei weitem nicht das einzige, was das Second HOMe zur Freizeitbeschäftigung anbietet. Neben dem Gruppenraum gibt es auch noch ein Billard-Zimmer sowie einen Musikraum, in dem fleißig gerappt werden kann. Dazu kommen noch Städteausflüge oder Besuche in Museen.

Das alles fällt aber derzeit aufgrund der Pandemie flach. Zwar könnte das Jugendzentrum  theoretisch in „normaler“ Form öffnen, doch davon nimmt man aus guten Gründen Abstand. „Die Jugendlichen sind derzeit gestresst ohne Ende“, sagt Schamil Fuchs, der zweite fest angestellte Mitarbeiter. „Ständig die Hygieneregeln einzufordern, sorgt nur für Ärger. Schließlich können wir schlecht zu einer Gruppe sagen, dass sie das JUZ jetzt verlassen muss, weil zu viele Personen da sind.“ So beschränkt sich das Angebot derzeit auf die Beratungstage, die aber dafür noch intensiver genutzt werden, wie der Sozialarbeiter erläutert.

Martin Schüler, Gerhard Becker, Annette Korfin und Schamil Fuchs vom „Second HOMe“ (v.l.n.r.). – Foto: Bill Titze

„Es kommen viel mehr Jugendliche als früher, um die Hausaufgaben hier zu erledigen. Man merkt daran, dass es durch den Distanzunterricht schwieriger ist, die Lehrer direkt etwas zu fragen.“ Außerdem fehle daheim oft das nötige technische Equipment, um die Aufgaben erledigen zu können. Neben den Hausaufgaben bekommen die Jugendlichen im Second HOMe Hilfe bei allen möglichen Dingen. Bewerbungen, Lebensläufe, das Ausfüllen von Unterlagen oder schlicht die Übersetzung von Briefen – für das alles kommen vor allem junge Männer in die Karlstraße.

Denn die Jugendlichen, die ins Jugendzentrum kommen, können lange nicht alle Deutsch. „Unser Angebot richtet sich zwar alle an alle, aber im Grunde ist es so, das unsere Besucher zum Großteil einen Migrationshintergrund haben“, so Annette Korfin, die Leiterin des Zentrums. Eine Verständigung ist da nicht immer einfach, aber sie gelingt, wie Gerhard Becker versichert. „Manchmal bringen die Jungs jemanden mit, der übersetzt. Oder es ist gerade jemand zufällig vor Ort, der die jeweilige Sprache spricht. Zur Not geht’s aber auch mit Händen und Füßen.“ Mitunter bringen die Mitarbeiter den Jugendlichen auch einfach Sprachen bei, die alle verstehen. So wie bei Faysal Ibo, der seit fünf Jahren das Second HOMe besucht.

„Wenn ich nicht hierherkommen würde, könnte ich kein Wort Englisch. Das hat mir erst Herr Fuchs beigebracht“, sagt der 18-Jährige. Wegen der Hausaufgaben sei er damals zum ersten Mal ins Second HOMe gekommen. „Mir haben Freunde gesagt, dass einem hier geholfen wird. Mittlerweile komme ich aber nicht mehr nur noch wegen der Hausaufgaben her, sondern auch, um mit Freunden zu reden und an der PlayStation zu spielen.“ Das hört sich ganz danach an, als könnte Ibo ebenfalls einer derjenigen sein, der auch noch in einigen Jahren ins JUZ kommt. Wie Behar Topalli. Für den ist das Jugendzentrum in der Karlstraße nämlich schon längst mehr als nur ein Treffpunkt. „Das hier ist wie eine zweite Familie für mich.“

 

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